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Die (gar nicht so) wundersame Wandlung Werders (BVB)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Mittwoch, 05.02.2020, 14:08 (vor 2409 Tagen) @ Nietzsche
bearbeitet von Will Kane, Mittwoch, 05.02.2020, 14:13

Es war abzusehen, dass Werder diese Spielweise nicht wird durchhalten können und wir in der letzten halben Stunde des Spiels vermehrt zu klareren Chancen kommen werden. Allerdings haben uns wieder dumme, vermeidbare, nicht erzwungene Fehler in der Defensive Gegentore eingebracht. Ist unsere Chancenauswertung dann am Ende des Spiels nicht effizient genug, dann können wir das Spiel auch nicht mehr drehen.


Es stellt sich aber doch auch die Frage, ob es möglich ist, einen noch fitten Gegner in Bedrängnis zu bringen. Es kann doch mit unserem Kader nicht der Ansatz sein, darauf warten zu müssen, bis der Gegner nicht mehr kann.

Sicherlich stellt sich auch diese Frage.

Im Prinzip bringen wir diese Gegner aber in Bedrängnis. Denn sonst brauchte der Gegner nicht einen so hohen Aufwand zu betreiben, um Torchancen bereits in ihrer Entstehung nicht zuzulassen. Genau das hat Bremen gestern eine Stunde lang getan. Zugegebenermaßen geschickt, diszipliniert und mit hohem Engagement. Klar muss man auch die Frage stellen, warum wir gegen eine sehr gut eingestellte Mannschaft nicht doch die eine oder andere Torchance kreieren konnten. Aber man sollte auch die entsprechende Leistung des Gegners anerkennen, gegen die zumindest phasenweise nicht unbedingt ein Kraut gewachsen war.

Fairerweise sollte man sich einmal umschauen, wie es bei diesen Duellen ‚David gegen Goliath‘ öfters einmal läuft. Es ist fast ein Klassiker der Fußballgeschichte. Aber es reicht, wenn man sich die europäischen Spitzenteams in dieser Saison ansieht.

Man wird feststellen, dass Liverpool, ManCity, Real, Barça, PSG oder Bayern immer wieder in ihren Ligen auf underdogs treffen, die ähnlich wie Werder gestern (zumal in einem ‚Alles-oder-Nichts’-Spiel) gegen den Ball exzellent auf die haushohen Favoriten eingestellt sind und mitunter durch einen geglückten Konter oder einen Bock des favorisierten Teams sogar in Führung gehen. Erst wenn beim spielerisch unterlegenen Gegner der hohe Aufwand seinen Tribut fordert, gelingt es den Favoriten, sich am Ende doch noch durchzusetzen. Manchmal eben auch nicht. Man schaue sich an, wieviele Spiele Liverpool in dieser Saison erst in der Schlussphase für sich entscheiden konnte. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass im Schnitt die meisten Tore in einem Fußballspiel in den letzten 30 Minuten fallen.

Der springende Punkt bleibt aus meiner Sicht aber, dass wir immer wieder freundlich gesprochen kuriose, unfreundlich gesagt dämliche Gegentore kassieren, die aus individuellen Böcken, blackouts und Unkonzentriertheiten nicht nur unserer Defensivspieler resultieren. Wenn man ‚aufmacht‘, um den Druck gegen einen zu Wanken beginnenden Gegner noch weiter zu erhöhen, dann kann man in einen Konter laufen. Sicherlich muss man nicht unbedingt ein Laufduell Hummels gegen Rashica provozieren, aber so etwas kann passieren. Was wir uns allerdings bei den ersten beiden Gegentoren erlaubt haben, spottet einmal mehr jeder Beschreibung. Sorry für die vielleicht etwas zynischen Worte, aber das hat nichts mit Spiel mit oder ohne Mittelstürmer, mit fehlenden schnellen Kombinationen und immer wieder kurz angezogenen Sprints in der Offensive oder schnelleren Spielverlagerungen zu tun. Mitunter ist die simple Variante die bessere, gerade in der Defensive.


Wir dürften im Vergleich mit Werder auf jeder Position mindestens gleichwertig besetzt sein. Auf vielen sogar besser. Bei gleicher taktischer Intelligenz wären wir dann mannschaftlich überlegen. Sind wir aber nicht, sondern im Gegenteil deutlich schlechter! Zumindest bis denen die Puste ausgeht.

Nicht, dass wir da nicht besser spielen müssten. Aber das unterlegene Team konzentriert sich voll auf das Spiel gegen den Ball, auf die Raumverdichtung, das Verschieben, das Zustellen und Zulaufen von Passwegen, das Anlaufen. Und Werder hat dies gestern auch einfach gut gemacht. So wie es immer wieder auch Teams in England, Spanien, Italien oder Frankreich gegen haushohe Favoriten machen. Aber nur in den allerwenigsten Fällen halten diese Teams dieses kraftraubende Spiel über 90 Minuten durch. Dann kommt halt das zum Tragen, was in Deutschland gemeinhin als ‚Bayerndusel‘‘ bekannt ist. Wenn man vorher nicht ein oder zwei selten dämliche Gegentore kassiert hat.


Dabei gibt es ein wunderbares Rollenmodell, wie man die Sache auch angehen kann. Man schaue einfach auf die Bayern. Selbst wenn wir nicht so gut ist wie die, könnten wir deren Ansatz trotzdem auf unserem Niveau kopieren. Dass das funktioniert, ist seit Jahrzehnten bestens belegt.

S.o. ‘Bayerndusel‘.


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