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Die (gar nicht so) wundersame Wandlung Werders (BVB)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Mittwoch, 05.02.2020, 08:15 (vor 2410 Tagen) @ CHS

Das Spiel habe ich zusammen mit zwei Werderfans geschaut, beides eng befreundete Nachbarn. Was für mich persönlich immer recht aufschlussreich ist, denn Perspektiven sind halt oft unterschiedlich. Daher vielleicht einmal ein Blick auf Werder und was von Bremer Seite zum Ausgang des Spiels beigetragen wurde.

Zunächst einmal war es interessant, dass Kohfeldt so ziemlich alles richtig gemacht hat, was er in den letzten Wochen und Monaten falsch gemacht hat. Die vielleicht wichtigste seiner Entscheidungen war, die taktische Ausrichtung und die dementsprechende Aufstellung und Positionierung seines Teams nicht an seinen Vorstellungen von Fußball zu orientieren, sondern sich voll auf die Gegneranpassung zu fokussieren. Dabei mag ihm diese Entscheidung leichter gefallen sein, weil mit dem BVB ein eigentlich spielerisch deutlich überlegenes Team der Gegner war, der erwartbar das Spiel bestimmen will. Aber auch bei solchen Mannschaften war dies in dieser Saison nicht selbstverständlich bei Kohfeldt.

Gegen Teams, die mit Werder auf Augenhöhe spielen in dieser Saison, hätten wir wahrscheinlich ein anderes Werder gesehen heute. Mit Sahin auf der Solo-6, mit M. Eggestein und Klaassen auf den Achterpositionen, mit Osako neben Selke in der Spitze. Aber nichts von alledem. Sahin, der im Spielaufbau nach wie vor einen gepflegten Ball spielt, war im Spiel gegen den Ball schon immer eher langsam, mittlerweile stellt er diesbezüglich ein echtes Risiko dar. M. Eggestein und Klaassen, eigentlich die gesamte bisherige Saison über teilweise erschreckend formschwach, sollten heute gemeinsam den Sechserraum verdichten, um unsere Kreativspieler nicht über das Zentrum zu öffnenden Pässen kommen zu lassen. Das ist ihnen zu unserem Leidwesen auch sehr gut gelungen bis in die zweite Halbzeit hinein. Osako spielte weiter zurückversetzt auf der Achterposition, was er durchaus geschickt machte. Er bewegte sich immer wieder in freie Räume und wurde von unseren Spielern mitunter außer Acht gelassen. Was sich beim dritten Bremer Tor mit seinem Pass auf Rashica negativ auswirkte für uns. Dass Rashica auch ‚Rakete‘ genannt wird, hat schon seinen Grund. Auf ein Laufduell mit Hummels sollte man es tunlichst nicht ankommen lassen. Und von Selke mag man halten, was man will, aber durch ihn ist das in den letzten Spielen desorientierte Angriffsspiel der Bremer wieder zielgerichteter geworden.

Werder hat uns durch eine extreme Raumverdichtung im letzten Spieldrittel bis in die zweite Halbzeit hinein kaum Räume für unser Spiel gelassen. Dabei spielten die Bremer äußerst diszipliniert, engagiert und waren extrem laufstark. Wir sind kaum in den Bremer Strafraum gekommen. Man mag diskutieren, ob sich dies bei einem Einsatz Haalands von Beginn an anders dargestellt hätte. Mag sein, mag nicht sein. MMn eher nicht. Auch nach seiner Einwechselung hat sich das Bild nämlich zunächst nicht geändert. Das Spiel neigte sich erst zu unseren Gunsten, als die Bremer peu à peu ihrer Leistung der ersten Halbzeit Tribut zollen mussten. Erst konnten sie uns immer weniger aus dem Strafraum halten, dann konnten wir sie mehr und mehr überlaufen und kamen zu Chancen und dann zum Anschlusstreffer. Wesentlich war auch, dass der Zehnerraum, der in der ersten Halbzeit kaum bzw. nicht adäquat bespielt worden war, nun durch Brandt besetzt wurde.

Offensiv kam von Werder dabei nicht so sehr viel, aber was kam wurde auch dank unserer Fehler effektiv und effizient genutzt. Dem ersten Tor ging dabei in einer eigentlich ungefährlichen Klärungsszene eine für eine technisch begabte Elf wie die unsere kuriose Flipperaktion am und im eigenen Strafraum voraus, bei der Brandt, Hakimi, Akanji (?) und zuletzt auch Hitz schlecht aussahen. Beim 2:0 war die Situation ähnlich harmlos. Ein verunglückter Querschläger von Reus kam zu Bittencourt, der völlig frei im Rückraum stand. Warum dieser Raum nicht durch uns besetzt war, weiß ich nicht. Jedenfalls hatte Bittencourt zuviel Zeit, seinen Sonntagsschuss anzusetzen. Beim dritten Bremer Treffer waren wir zunächst unaufmerksam, sodass Osako passen konnte. Und da Zagadou ausgewechselt worden war, entstand auf unserer linke Defensivseite eine Lücke, die Osako erkannt hat und in die Rashica, gege;den Hummels im Laufduell keine Chance hat, gestoßen ist. Wobei mir sein Schuss haltbar erschien.

Am Ende konnten wir unsere Chancen, die sich gegen Spielende zunehmend ergaben, nicht nutzen. Wobei das Tor von Reyna (ein wunderschöner Schlenzer) einer Einzelleistung entsprang. Werder war gut eingestellt und jeder Spieler hat seine Aufgabe mit viel Einsatz und Disziplin erfüllt, bis die Kräfte und die Konzentration zusehends schwangen. Dabei ragten für mich Friedl (wer hätte das gedacht?) und Bittencourt heraus, auch Vogt spielte mMn überzeugend. Verlieren mussten wir dieses Spiel aber nicht. Geht Werder nicht mit zwei absolut vermeidbaren Toren in Führung, dann hätte es am Ende nicht gereicht.

So aber ist Werder weiter und wir sind draußen. Ärgerlich, aber jetzt geht es darum, in der Liga am Ball zu bleiben. Wobei ich hoffe, dass der Einsatz von Can unsere Unsicherheiten und Fehlaktionen in der Defensive etwas minimieren kann. Denn die waren mMn letztlich (leider zum wiederholten Male) für die Niederlage verantwortlich.


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