schwatzgelb.de das Fanzine rund um Borussia Dortmund
A- A+
schwatzgelb.de das Fanzine rund um Borussia Dortmund
Startseite | FAQ | schwatzgelb.de unterstützen
Login | Registrieren

Sorry, das ist schwach (Fußball und Sport allgemein)

Nietzsche, Freitag, 08.09.2017, 15:58 (vor 3038 Tagen) @ majae

Ich lese aus deinen Postings heraus, dass du gewisse Diskriminierung anzweifelst. Wenn ich dir damit Unrecht tue, tut mir das Leid. Es sind halt die gleichen Argumentationsstrukturen, die jedes Mal bei solchen Themen auftauchen.

Wir haben einen Sachverhalt: Es gibt weniger Frauen in hohen Positionen.
Daraus schließen jetzt viele Leute, dass das nur an Diskriminierung liegen kann.
Ich zweifle die Korrektheit dieses Schlusses an. Es gibt ja auch in vielen anderen Bereichen Ungleichverteilungen. Es gibt außerdem viele andere plausible Gründe, warum das so sein kann.

Und wenn Du das mit "Argumentationsstruktur" meinst, dann zeig doch mal auf, wieso die falsch ist. Nachfragen woher jemand etwas weiß und weshalb er so sicher ist, ist doch völlig anständig und vernünftig.
Ich würde mich ja von Deiner Position überzeugen lassen, wenn Du mir gute Gründe nennst.

Du hast unten andere mögliche Ursachen für Ungleichgewichte in Führungspositionen bzw Bezahlung angeführt. Aber ist das keine Diskriminierung?

Nein, keinesfalls. Wenn z.B. jemand für einen Job schlecht geeignet ist, dann wird er nicht diskriminiert, wenn er ihn nicht bekommt, sondern jemand besserer.

Das beschränkt sich doch nicht darauf, dass Frauen - vielleicht auch aus nachvollziehbaren Gründen - unterpräsentiert in gewissen Positionen sind.

Das ist auch so eine Sache. Unterrepräsentiert. Was bedeutet das? Wenn es 49% Männer und 51% Frauen gibt, dann müssen auch in allen Betrieben idealerweise 49% der Belegschaft Männer und 51% Frauen sein?
Was soll das? Woher kommt das?
Die Belegschaften von Firmen, die Mitglieder in Vereinen, die Besucher von Messen, Konzerten usw. repräsentieren nicht ihr Geschlecht.
Aus einer Ungleichverteilung leitet sich zunächst gar nichts ab. Und wieso soll irgendwas 50-50 verteilt sein? Oder genauso wie in der Bevölkerung?

Es kann ja sein, dass es ideal wäre, wenn das immer und überall so wäre. Aber wenn man das behauptet, muss man das auch begründen. Deshalb mal eine weiterführende Frage:
Auf welchen Gebieten außer den bestbezahlten Jobs spricht eine Ungleichverteilung noch für Diskriminierung? Und bei welchen Gebieten sind Ungleichverteilungen ok?

Das fängt von kleinauf an, wenn dem Mädchen ab dem Grundschulalter beigebracht wird, dass es in MINT-Fächer sowieso weniger begabt ist und hört bei der Bezahlung der verschiedenen Berufsgruppen auf.

Das hört man seit Jahrzehnten. Offenbar sind die Lehrkräfte einfach unbeirrbare Idioten, die das einfach nicht lassen können. Ist doch komisch, dass sich das einfach nicht ändert, oder?
Allerdings ist es auch hier so, dass die geringen Einschreibzahlen in MINT-Fächern auch einfach so auf Diskriminierung geschoben werden. Dabei könnte es auch einfach am Interesse liegen (nur zum Beispiel).

Überleg mal, was plausibler klingt:
1. Seit Jahrzehnten hämmern flächendeckend die Lehrkräfte (übrigens überwiegend weiblich!) trotz gegenteiliger Aufklärung kleinen Mädchen ein, dass sie bei MINT doof wären. Trotz Förderprogrammen, großer Kampagnen usw. Die Lehrer ändern sich einfach nicht, so dass die Mädchen keine Chance haben.

2. Mädchen und Jungs haben unterschiedliche Interessen. Mädchen interessieren sich seltener für MINT.

Ich finde, Punkt 2 hat durchaus was. Muss nicht stimmen, klingt aber plausibler als Punkt 1. Oder?

War schlechter Stil, das gebe ich zu.

Respekt, das können nicht viele! Bravo!

Und dann hast Du noch einen kleinen Logikfehler gemacht:
Selbst wenn Frauen überall benachteiligt werden, ist es nicht ok, wenn sie an anderer Stelle bevorzugt werden. Es gibt keine Gleichheit im Unrecht.


Sehe ich anders.

Glaub ich Dir nicht. Ganz einfach, weil es logisch falsch ist, das anders zu sehen. Tausch doch mal Diskriminierung gegen was anderes aus, z.B. verprügelt werden, ausgeraubt werden, vergewaltigt werden.
Wenn Du das echt fundamental anders siehst, lehnst Du den Rechtsstaat ab.

Wenn ich als Mann im Durchschnitt 18% (oder wegen mir 10%) mehr Geld verdiene, dann brauche ich mich nicht darüber beschweren, wenn irgendein Fußballverein die Tickets für Frauen günstiger anbietet. Ich sehe da absolut kein Unrecht.

Es ist zwar geschmacklos, aber bei den Tickets sehe ich auch kein Problem. Hattest Du auch geschrieben, dass sich das auf den Ausgangsbeitrag bezieht.

Aber das mit dem Verdienst ist so eine Sache. Ich weiß nicht, ob Du das meinst. Aber wenn Frauen für die gleiche Arbeit deutlich weniger Geld nehmen, warum stellen nicht alle Firmen Frauen ein, um Kosten zu sparen?
Diese Pay-Gap-Nummer scheint mir mehr ein PR-Stunt zu sein. Das passt alles nicht zusammen.
Wenn man gleichzeitig behauptet, Frauen kämen nicht an die Jobs, in denen man so richtig viel verdient, gleichzeitig aber, dass Frauen für die gleiche Arbeit deutlich weniger Geld bekommen.
Ja sind denn die Betriebe alle doof? Wieso stellen die so teure Männer ein? Die feuern doch auch sonst bedenkenlos Leute, wenn es was zu sparen gibt. Nur bei Frauen in Führungspositionen, da ist Geld egal, Hauptsache die Mädels dürfen nicht mitspielen?

Kurzer Blick ins Grundgesetz:
"Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden."

Das gilt immer und für alle!


Richtig, aber das interessiert eine große Bevölkerungsgruppe eben nur, wenn sie außnahmsweise mal nicht von ungleicher Behandlung profitieren.

Trotzdem ist sie in dem speziellen Fall im recht. Entweder etwas gilt, oder eben nicht.
Es mag ja emotional durchaus befriedigend sein, wenn es "den Richtigen trifft", aber es taugt halt nicht als Regel. Hach ja, ich und mein Kant.
Ernsthaft: Geht nicht. Auch Arschlöcher haben Rechte, um es mal ganz allgemein zu sagen.

Mal davon abgesehen, dass man das sowieso nie verhindern werden kann. Es wird immer Männer geben, die Frauen gewisse Tätigkeiten nicht zutrauen oder sie nicht ernst/für vollwertig nehmen und auf der anderen Seite wird dir als Frau in gewissen Situationen viel eher geholfen. Der größte Nutznießer von Diskriminierung ist in unserer Gesellschaft aber eben der "weiße, heteronormative Mann" und dann kann man der anderen Seite auch mal gewisse Bevorteilungen gönnen. Wenn nicht, dann soll man bitte auch das komplette Spektrum von Ungleichbehandlung kritisieren.

Nee, nicht wirklich. Ein Unrecht ist ein Unrecht, ganz egal, wieviel sonstige Unrechte es gibt. Verhindern sollte man sie alle, keine Frage.

Eine Sache stört mich noch: Du sagst oft "heteronormativer weißer Mann" und hast kein Problem damit, dieser Gruppe auch mal ein Unrecht zuzufügen, weil es denen ja so gut geht.
Das ist ein Paradebeispiel für Sexismus. Das kannst Du doch nicht wirklich ernst meinen. Oder?


Antworten auf diesen Eintrag:



gesamter Thread:


1518608 Einträge in 16325 Threads, 14353 registrierte Benutzer Forumszeit: 02.01.2026, 11:21
RSS Einträge  RSS Threads | Kontakt | Impressum | Nutzungsbedingungen | Datenschutzerklärung | Forumsregeln