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Es wird noch dauern Bellingham strukturell und spielerisch zu ersetzen (Spieltage)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Samstag, 26.08.2023, 23:17 (vor 873 Tagen) @ virz3

So wird das nix. Jeder sieht, dass unser Spiel vogelwild ist und wir permanent riesige Lücken zwischen Abwehr und MF haben.

Wir stehen uns im vorderen Drittel gegenseitig auf den Füssen, die Möglichkeit hinten rum zu spielen, den Gegner zu bewegen, haben wir nicht. So ist unser einziges Konzept momentan das "kontrollierte" Chaos. Wir laden den Gegner ein mitzuspielen und hoffen, dass er uns so Räume öffnet, was viel zu selten der Fall ist.

Als Öczan kam wurde es gefühlt etwas ruhiger, was uns nur gut tun kann.

Ich hoffe Edin kommt bald auch mal auf den Trichter... auch mit zwei Sechsern haben wir noch genug Offensiv Spieler auf dem Rasen.

Mit Can als Solo-6er hat der BVB nach der WM-Pause Stabilität ins Spiel bekommen, was eine wesentliche Voraussetzung für die Konstanz bis zum Saisonende und die herausragende Punkteausbeute war.

Wichtig für die überzeugende Performance Cans war, dass er seine Rolle nicht nach eigenem Gusto interpretiert hat, sondern sich gemäß der Ansage des Trainerteams auf seine defensive Kernaufgabe auf dieser Position konzentriert hat. Er hat das gemacht, was er kann und das gelassen, was er nicht kann.

Allerdings hatte das Team auf einer der nominellen 8er-Positionen Jude Bellingham. Und es zeigt sich jetzt zu Beginn der neuen Saison, was er (von seiner fußballerischen Klasse abgesehen) für das Team wert war. Und gerade hinsichtlich eines Aspekts, der ihm nicht selten negativ angekreidet und auch von mir das ein oder andere Mal kritisch gesehen wurde: Das Nicht-Halten der Position.

In einem anderen Zusammenhang (Bellinghams Offensivrolle bei Real) hatte ich dies kürzlich bereits angemerkt: Bellingham war in unserem Mittelfeld nicht deshalb ‚Mr. Überall‘, weil er taktisch undiszipliniert war. Sondern weil er die Defizite in den jeweiligen Zonen erkannte und das Heft des Handelns in die eigene Hand nahm.

Im defensiven Mittelfeld lief er viele Löcher und Passwege zu, im zentralen Mittelfeld brachte er den Ball nach vorne und leitete viele Offensivaktionen ein, im offensiven Mittelfeld war er entscheidend an der Chancenkreierung beteiligt.

Das machte er sicherlich nicht fehlerlos, aber insgesamt auf einem ausgesprochen hohen, weit überdurchschnittlichen Niveau. Vieles, was in unserer Spielstruktur taktisch defizitär umgesetzt wurde (oder eventuell sogar nicht wirklich durchdacht angelegt war) korrigierte er dank seiner Spielintelligenz, seiner Entscheidungsfindung und seiner Handlungsschnelligkeit. Jetzt wird es erst richtig klar, was er für unser Spiel bedeutet hat.

Davon abgesehen war Guerreiro bestimmt kein ebenbürtiger, aber beileibe kein schlechter Ersatz auf der 8er-Position für Bellingham, und das nicht nur in der Offensivbewegung.

Nun haben uns aber sowohl Bellingham, als auch Guerreiro verlassen. Dass ein Bellingham nicht zu ersetzen sein wird (und schon gar nicht 1:1), war wohl jedem klar. Der eingeschlagene Weg, Bellinghams fehlendes Wirken auf dem Platz durch eine neue Rollenverteilung im Mittelfeld zu kompensieren, ist vom grundsätzlichen Ansatz her mAn nicht verkehrt, nur bedarf dies einer äußerst präzisen Abstimmung, die nicht von heute auf morgen einstudiert werden kann. Zumal wenn dies im Mittelfeld mit zwei neuen Spieler geschehen soll, die dabei eine tragende Rolle übernehmen müssen.

Wir haben keinen Kader mehr mit Spielern, die über herausragendes taktisches Verständnis verfügen. Das muss auch nicht unbedingt so sein, um erfolgreich sein zu können. Es reicht im Prinzip, wenn jeder Spieler sich nicht nur darüber im Klaren ist, , was seine Aufgabe und Rolle ist, sondern auch ganz genau, was er wann wie zu tun hat und sich auch diszipliniert daran hält. Z.B. so wie Can letzte Saison nach der WM-Pause.

Es wird noch eine Weile dauern, bis die Zahnräder so ineinandergreifen, wie sie es sollen. Ob Terzić der richtige Trainer für die hier notwendige Präzisionsarbeit ist, weiß ich nicht. Aber er steht ja nicht alleine da, es ist ein ganzes Trainerteam mit dieser Aufgabe befasst.

Überbordender Optimismus ist momentan sicherlich fehl am Platze; Schwarzmalerei allerdings auch. Der BVB ist mit zwei sehr mäßigen Leistungen gegen qualitativ schlechtere Teams in die Saison gestartet, hat aber (wenn auch recht glücklich) vier Punkte geholt. Noch hat die CL nicht begonnen und es bleibt Zeit im Training an den (auch grundsätzlichen) Defiziten zu arbeiten. Was dringend nötig, aber eben auch möglich ist.


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