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Terzic-Fußball und die Konstanz (Spieltage)

Giuse87, Samstag, 26.08.2023, 22:38 (vor 873 Tagen) @ Redaktion schwatzgelb.de
bearbeitet von Giuse87, Samstag, 26.08.2023, 22:42

Ich betrachte unser Spiel der letzten 12 Monate mit gemischten Gefühlen.

Mich umgibt das Gefühl, dass dass die BVB-Gemeinde in drei Lager geteilt sind: Trainer ist ne Graupe vs. Spieler sind Graupen vs. die Vertreter im Management sind Graupen. Ich bin mir allerdings sicher, dass keine Variante stimmt. Eine Serie wie in der letzten Rückrunde, in der ca 9 Punkte mehr gesammelt wurden, als von den Bayern, schafft keine Mannschaft, in der einer der drei o.g. Faktoren zutrifft.

Ich glaube, dass wir mit folgenden Probleme konfrontiert sind:

Terzics Idee von Fußball ist gar nicht so dumm. Denn sie bietet einer Mannschaft, wenn es gut läuft, eine geordnete Defensive und gleichzeitig die Chance, jederzeit zuzuschlagen. Sogar wenn der Gegner mauert, verspüre ich nicht so ein hilfloses Gefühl, wie bei Favre und Rose (alles erstmal subjektiv, vmtl kann man sich auch Zahlen zurechtfummeln, die mir widersprechen).

Allerdings glaube ich, dass Terzic den psychologischen Faktor unterschätzt, mit dem BVB-Spieler (und Fans) zu kämpfen haben. Sie sind seit 10 Jahren in der deutschlandweit einzigartigen Konstellation, dass insgeheim nahezu ALLE Fußball-Fans in Deutschland (bis auf paar Blaue und natürlich die Bayern) sie mit der Hoffnung verbinden, dass sie die Bayern eines Tages doch stürzen und sie eine solche Sensation (inklusive der Medien) gebührend als Märchen feiern würden. Je länger die Serie der Bayern andauert, desto geiler wäre das Märchen. Und die internationale Presse würde es ebenfalls feiern. Die Meisterschaft erhält somit einen 20x höheren Wert, als für den durchschnittlichen Bayernspieler. Folglich sind die gefühlten Opportunitätskosten, die jeder verlorene Punkt mit sich bringt, bei weitem größer, als bei den Bayern. Dies wird natürlich dadurch verstärkt, dass wir wenige deutsche Meister in unseren Reihen haben.

Erschwerend kommt hinzu, dass jeder Spieler weiß, dass nicht nur die deutschlandweite Freude im Falle des Erfolges überproportional groß wäre, sondern auch die deutschlandweite Häme im Falle eines erneuten Versagens überproportional groß ist, da wir nunmal ein lebender Running-Gag sind.

Terzic Fußball scheint immer dann am besten zu funktionieren, wenn der bvb von der Öffentlichkeit gefühlt eh schon abgeschrieben ist. Dies lässt sich sowohl auf die Saison (wie bereits im ersten Terzic-Jahr), als auch auf ein einzelnes Spiel beziehen (deswegen gibt es auch so einen erschreckenden Unterschied zwischen unseren ersten und unseren zweiten Halbzeiten). Neben dem eigenen psychologischen Faktor, kommt vmtl in der zweiten Hälfte einer Saison bzw. eines Spiels noch erleichternd hinzu, dass konditionell angeschlagene Gegner, bei weitem anfälliger sind für unsere (wenn sie sich konzentrieren) Kombinationsstärke und Schnelligkeit.

Absolut symbolisch für meine Theorie stehen die großen Lücken zwischen den Reihen am Anfang des Spiels. Die Spieler scheinen die Anweisung zu haben, ordentlich zu pressen. Mir kommt’s aber teilweise so vor, als würde die Defensive dem Braten nicht trauen und stets paar Meter zu weit zurückzustehen. Teilweise liegt es aber auch an einem überhasteten Verteidigungsverhalten der offensivreihe. Es scheint, als würden alle Akteure stets denken: „Bloß keine scheisse bauen, bloß keine scheisse bauen, bloß……oh fuck.“

Ich würde mir von Terzic wünschen, dass er sowohl in die Saison, als auch vor allem, am Anfang jedes Spiels defensiv kompakt startet. Man muss sich auch nicht aus jeder Situation hinten heraus kombinieren. Dann seh ich lieber mal 1-2 lange spekulierte Bälle. Gegner a la Bochum, Darmstadt etc. werden damit eh nicht viel anfangen können. Aber es ist wichtig erstmal, kollektiv das Gefühl zu erhalten, dass hinten nichts anbrennt und wir uns dann immer mehr ins Spiel einfinden werden. Zwecks besserer Technik (ich weiß, trifft nicht auf jeden zu), werden wir gegen Gegner dieser Art auch bei defensiver grundformation genügend Möglichkeiten haben, vorne aufzutrumpfen.

Wie ich bereits anfangs erwähnte, bringe ich dem Terzic Fußball auch Sympathien entgegen. Da er wenn es einmal läuft, sehr schöne Kombinationen ermöglicht und eine große Flexibilität in der „Wahl der Waffe“ (Halbfeld-Flanke, Standard, schneller Konter, Distanzschuss etc.) bietet.

Terzic schafft es allerdings, dass unser Fußball zu konstanten und zugleich inkonstanten Leistungen führt. Denn die leistungsschwankungen sind riesig. Allerdings kommt sowohl die Blamage, als auch die meisterhafte Klasse meist im Block. Wir sind mMn weder psychologisch, noch von der Kadertiefe her in der Lage, um eine ganze Saison mit diesem Fußball wirklich zu überzeugen.


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