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Das nimmt langsam wirklich absurde Ausmaße an (BVB)

Habakuk, OWL, Montag, 26.06.2023, 17:04 (vor 1145 Tagen) @ d0g1am.

Was geht hier (und vor allem auch auf Twitter) eigentlich ab? Ich glaube ich habe noch nie zuvor so eine heftige Ablehnung gegen einen potentiellen (!) Neuzugang erlebt wie bei Nmecha.

Dass man die zwei Instagram-Stories ablehnt ist das eine, das kann man ja – völlig zurecht! – tun. Aber was für absurde Ausmaße das inzwischen annimmt, finde ich teilweise völlig übertrieben.

Nun, zum einen ist es sicher richtig und erforderlich, dass viele Menschen auf Nmechas Verhalten mit großer Ablehnung reagieren. Und natürlich wird die Diskussion darüber befeuert, sobald sich (so auch hier im Forum) Leute finden, die beginnen ihn zu verteidigen (geschieht in der Regel nicht offen, da man sich dann ja selbst als homophob outen müsste) oder sein Verhalten zu relativieren. Besonders diese Relativierer geben sich dann gern als besonders weltoffen und fordern "Diskussionsbereitschaft", "erst mal abwarten", "alles nicht überbewerten" oder ähnliches. Wenn man sich also darüber beklagen möchte, dass das alles zu sehr hochgekocht wird, dann sind das vielleicht auch mal die richtigen Ansprechpartner.

Ich gehöre selbst nicht den LGBTs an, kann aber gut nachvollziehen, wie es denen angesichts einer solchen Debatte geht. Bedenken sollte man, dass Homosexualität in der BRD noch bis 1994 unter Strafe stand. Einem Teil der User hier ist offensichtlich nicht bewusst, welches Leid diese Strafverfolgung in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland gebracht hat (und noch mehr in den Jahrzehnten vor 1945). Ebensowenig wissen vermutlich die wenigsten, dass ca. 5-10 Prozent der Bevölkerung zu den LGBTs gehören (in Deutschland also etwa so viele wie das Ruhrgebiet Einwohner hat). Wenn da von irgendwem die schwachsinnige Vorstellung verbreitet wird, dass es sich bei Homosexualität um eine Krankheit, eine "Sünde" oder gar ein Verbrechen handelt, dann kann der Aufschrei nicht laut genug sein.

Was die Causa Nmecha anbelangt, so kommt hier erschwerend hinzu, dass es sich um einen Prominenten handelt, der aktiv über die "sozialen Netzwerke" agiert und der zudem durch seine Verhandlungen mit dem BVB an medialer Aufmerksamkeit gewinnt. Und gerade diese Verhandlungssituation rückt nun auch die Verantwortlichen im Verein in den Fokus. Angesichts der gravierenden Ablehnung, die dieser Deal an der Basis gerade erfährt, hätte man noch genug Zeit gehabt, von diesem Abstand zu nehmen. Dass gerade in dieser Sitution, in der eine Verpflichtung noch nicht öffentlich vollzogenen ist, die Diskussion anhält, ist wohl wenig verwunderlich.

Die letzten Jahre haben zu einer zunehmenden Entfremdung zwischen dem Profifußball und ihren Fans geführt, das dürfte auch der Vereinsführung der Borussia nicht entgangen sein. Natürlich kann diese immer darauf bauen, dass eine Verpflichtung Nmechas vielen Fans am Allerwertesten vorbei geht, dennoch sollte auch klar sein, dass für einige von uns Fans die Beziehung zum Verein auf ein nachhaltig schlechters Niveau absinken wird. Das kann soweit gehen, dass man seine Mitgliedschaft beendet oder seine Dauerkarte abgibt, es kann aber auch einfach das Interesse am Verein langfristig weiter reduzieren. Nach dem Frust am letzten Spieltag hatten viele von uns große Hoffnungen in die kommende Spielzeit gesetzt. Der (vorausichtliche) Transfer von Felix Nmecha hat wohl nicht nur mir jegliche Vorfreude auf die neue Saison verhagelt. Wie lange das bei mir anhalten wird, weiß ich nicht, die ganze Sache ist für mich aber definitiv mehr als nur eine kleine Episode mit kurzzeitiger Verstimmung.


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