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Reportage der zwei einzigen Journalisten in Mariupol (Politik)

Ulrich, Donnerstag, 17.03.2022, 13:25 (vor 1386 Tagen) @ Sascha

Helft diesen armen Menschen. Mit Waffen, mit einer Flugverbotszone. Und der Ankündigung, dass Putin drei Tage Zeit habe, die Kampfhandlungen einzustellen und ernsthafte Waffenstillstandsverhandlungen mit der Ukraine zu beginnen. Ansonsten sehen sich die NATO-Staaten im Kriegszustand mit Russland.


Es ist schrecklich, was dort und in anderen Städten der Ukraine gerade passiert. Schon vor Tagen meldete man über 2.000 von den Russen ermordete Zivilisten. Seitdem haben russische Truppen Patienten und Personal eines Krankenhauses als Geiseln genommen und ein Theater zerbombt, in dem sich eventuell 1.000 Zivilpersonen befunden haben.

Wir haben es aber im Kreml mit einem sich selbst isolierenden Menschen zu tun, dessen Allmachtsfantasien gerade zerbröseln. Einem Menschen, der vermutlich abstrusen Mythen von der Verschwörung des Westens gegen Russland anhängt. Ein Bodo Schiffmann mit Befehlsgewalt über eine der größten Armeen dieser Erde. Ich bin mir leider sicher, der wird vor einem Nato-Ultimatum nicht einknicken. Das Ergebnis wäre ein zunächst konventioneller Krieg in Europa. Mit der Gefahr, dass der sich zu einem Krieg mit taktischen Atomwaffen ausweitet, und dann im schlimmsten Fall mit strategischen Atomwaffen.

Eine aktive Rolle der Nato würde Putins Rolle in Russland zudem deutlich stärken. Insbesondere bei den Militärs und in den Behörden würden die alten Mechanismen anlaufen. "Wir gegen den bösen Westen!".


Und die Alternative ist zugucken? Machen lassen? Danach in Moldawien? Ich finde das Geschehen lassen von Tag zu Tag unerträglicher.

Die Alternative ist zumindest nicht, in einen Krieg gegen Russland zu beginnen. Damit würde man die Paranoia von Putin und anderen mächtigen Männern in Russland bestätigen. Denn was Du forderst, ist völkerrechtlich der Eintritt der Nato in einen Krieg mit Russland.

Das Problem ist bereits jetzt, dass Putin und seine Regierung voll auf Sieg gesetzt haben. Auf eine Kompromisslösung, die einen Rückzug der russischen Armee einschließen würde, ist man nicht vorbereitet. Aus Sicht Putins ist das keine Option. Wir haben es hier anders als im Kalten Krieg nicht mit halbwegs rational handelnden Personen zu tun. Das darf man nie vergessen.

Die Situation ist komplett verfahren. Entweder es kommt noch schlimmer, oder es kommt noch sehr viel schlimmer. Putin alleine könnte den Krieg beenden. Aber er wird es aktuell nicht tun. Erst recht nicht, wenn ihm die NATO ein Ultimatum stellt. Es ist ein Szenario denkbar, in dem sich die russischen Streitkräfte gegen eine nur mit Waffenhilfe von außen kämpfende Ukraine völlig erschöpfen, und in der Druck auf Putin entsteht, das Gemetzel zu beenden. Aber dann hätte Putin seine innenpolitische Position deutlich stärker geschwächt als bei einem schnellen Kriegsende. Und nicht zuletzt fürchte ich, dass er Mann zu Recht große Angst davor hat, entweder einem Putsch zum Opfer zu fallen und dann getötet zu werden oder in Den Haag zu landen.


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