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Höhere Strafen sind nur ein kleiner Baustein der Prävention (Fußball und Sport allgemein)

Litze, Donnerstag, 29.04.2021, 17:28 (vor 1723 Tagen) @ Ballschieber007
bearbeitet von Litze, Donnerstag, 29.04.2021, 17:34

Ich habe mir länger überlegt, ob ich diesen Post mache, denn ich befürchte einen großen Shitstorm. Aber, ich versuche es trotzdem einmal...

Mir geht es im folgenden nicht darum, Täter zu Opfern zu machen. Erst recht nicht, will ich das unfassbare Leid, dass Kindern durch pädophile Täter zugeführt wird, auch nur ansatzweise verharmlosen. Ich habe selbst drei Kinder. Die Vorstellung, dass sich ein Mann (oder eine Frau) an einem meiner Kinder vergreifen würde, ... Ich mag gar nicht weiterdenken.

Nach einer Studie hat jeder 20 (!!!) Mann Fantasien zu sexuellen Handlungen mit Kindern im Alter von zwölf Jahren und jünger hat. Von mehr als 2200 befragten erwachsenen Internetnutzern hatten 5,3 Prozent im Internet zu Minderjährigen Kontakt, bei dem es um sexuelle Inhalte ging (mikado Studie).

https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/sexualforschung-paedophile-fantasien-bei-jedem-20-mann-a-1053724.html

Fantasien sind jedoch nicht gleichzusetzen mit der Diagnose Pädophilie. Hier gibt es Studien, die davon ausgehen, dass 1% aller Männer in Deutschland pädophil sind. Andere Studien gehen von niedrigeren Zahlen aus. (siehe auch wikipedia).

Wir reden hier über ein Thema, was Mitten in unserer Gesellschaft ist, über dass aber viel zu wenig gesprochen wird. Wird in den Medien wieder über ein schrecklichen Fall von sexuellem Missbrauch an einem Kind berichtet, hört man häufig nur die Forderung nach höheren Strafen.

Genauso wenig wie man eine sexuelle Neigung „abtrainieren“ (therapieren) kann, werden höhere Strafen davor abschrecken, diese Neigungen auszuleben. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Beitrag in der Süddeutschen, der von einem Pädophilen handelt:

https://www.sueddeutsche.de/leben/paedophilie-was-ist-das-fuer-ein-schwein-was-ist-das-fuer-ein-mensch-1.3639211

Der Beitrag zeigt, wie schwer es für einen Pädophilen sein muss, gegen seine Neigungen anzukämpfen. Ich glaube, dass es daher wichtiger ist, als immer wieder nach höheren Strafen zu schreien, mehr Präventionsarbeit zu leisten. Therapien können den Betroffenen helfen, ihr Verlangen nach Kindern zu kontrollieren und keinesfalls auszuleben. Ich möchte dort als Beispiel das Präventionsnetzwerk "Kein Täter werden" (https://www.kein-taeter-werden.de/) nennen.

Eine hohe Strafe mag einem das Gefühl von "Gerechtigkeit" geben. Nur eine hohe Strafe macht das Leid eines Kindes nicht ungeschehen.

Neben höheren Strafen sollte daher viel mehr in eine gute Prävention gesteckt werden. Menschen mit entsprechenden Neigungen müssen durch Öffentlichkeitsarbeit auf Möglichkeiten der Therapie hingewiesen werden. Nicht die Neigung muss stigmatisiert werden, sondern die Taten. Populistische Forderungen wie: Pädophilen gehört der Schw... abgeschnitten, helfen nicht weiter.

Ich bin grundsätzlich auch dafür, dass man den Strafrahmen bei Sexualdelikten erhöhen sollte. Das ist aber nur ein kleiner Baustein der Prävention.

Grüße Litze

P.S.: weitere Interessante Links:

http://www.mikado-studie.de/tl_files/mikado/upload/MiKADO_Zusammenfassung.pdf

https://www.zeit.de/wissen/2016-10/paedophilie-sexuelles-verlangen-kinder-missbrauch

https://www.deutschlandfunkkultur.de/ueber-den-umgang-mit-paedophilie-stigmatisierung-ist-kein.976.de.html?dram:article_id=397760


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