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Marco Rose wäre eine Toplösung (BVB)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Dienstag, 15.12.2020, 00:18 (vor 2145 Tagen) @ Poeta_Doctus
bearbeitet von Will Kane, Dienstag, 15.12.2020, 00:22

Eben das meine ich. Mit keiner Silbe habe ich was von "100% Vollgasveranstaltung" geschrieben. Aber das scheint für manche die erste (und einzige) Assoziation zu sein, sobald der Begriff "Pressing" fällt. Dabei geht es ja erstmal um das Verhalten bei Ballverlust.

Pressing und Gegenpressing sind schlicht taktische Mittel im Fußball.

Wobei es das eine Pressing oder das eine Gegenpressing nicht gibt. Es gibt da diverse Varianten, die auch mehr oder weniger intensiv Anwendung finden.

Wenn Du das Gegenpressing ansprichst, dann ist auch hier mMn der Vergleich zwischen Peps Barça und Kloppos BVB (jeweils auf dem entsprechenden Höhepunkt) äußerst interessant. Damit meine ich nicht das, was nach der Rückeroberung des verlorenen Balles passiert, sondern die Art und Weise des Gegenpressings.

Während bei Kloppo der ballführende Gegenspieler sofort von zwei, meistens drei Spielern aggressiv angelaufen wurde, um ihn seinerseits zu einem Abspielfehler zu zwingen oder ihm den Ball direkt quasi wieder vom Fuß zu nehmen, wurden bei Pep sofort die Passwege des Gegenspielers zugestellt. Sicherlich kam beides auch jeweils bei beiden Varianten vor, Aber es gab da schon klare Schwerpunkte. Die wiederum auch mit den Fähigkeiten und Stärken/Schwächen der jeweiligen Spieler zusammenhängen.

Jetzt kann man natürlich der Meinung sein, dass unsere Spieler das überhaupt nicht können (spekulativ, aber ok, ist ja zulässig für eine Meinung) und das eh zu kraftaufreibend ist. Dann würde ich aber als Gegenfrage einfach mal stellen: Hat unsere passive, abwartende Art zu verteidigen denn die große Stabilität gebracht? Haben wir zuletzt etwa nicht ausgelaugt gewirkt?

Ganz gleich, wie man die Defensivarbeit aufzieht, einige grundlegende Dinge müssen schlicht immer gewährleistet sein. Dazu gehören u.a., dass die Defensivarbeit vorne beginnt und sämtliche Spieler sich daran beteiligen müssen. Durchaus ein Manko bei uns. Vollkommen wurscht, wie nun zukünftig gespielt werden soll, dies ist für jeden Trainer bei jedem Spielstil eine Herausforderung.

Weitere Punkte sind Konzentration und technische Fertigkeiten. Einen Pressing-/Gegenpressingstil zu pflegen heißt nicht, dass gebolzt wird. Dass Spiel muss auch dann von hinten aufgebaut werden. Lange Bälle über die Pressinglinien des Gegners hinweg können durchaus ab und an eine adäquate Variante sein, als dauerhaftes Stilmittel sind sie schlicht zu berechenbar.

Ein weiteres Thema ist Geschwindigkeit. Man muss schon sehr kompakt verteidigen, um bei den heutigen tempostarken Offensivspielern nicht einmal ins Laufduell zu müssen. Je höher man steht, desto eher die Wahrscheinlichkeit, dass es so kommt. So perfekt kann auch kein Team pressen, dass es nicht dazu kommen kann. Und da sehe ich durchaus Risiken in unserer Defensivreihe und auch im defensiven Mittelfeld.

Laut Herrn Reus liegt dem Team das reine Verteidigen, wenn's nicht aggressiv gegen den Ball geht, jedenfalls nicht. Das kann man als vereinspolitische Aussage werten, um den Trainer abzusägen. Oder auch als zutreffende Kaderbeschreibung.

Für mich ersteres.

Es ist ein anderes Thema, dass der Kader aus diversen Gründen unrund zusammengestellt ist. Ich persönlich sehe uns gerade im Bereich der Defensivspieler qualitativ nicht adäquat aufgestellt. Was sich unabhängig vom präferierten Spielstil auswirkt.

Gerade deshalb ist es für mich wichtig, dass wir nicht einfach von Stil X auf Stil Y umswitchen, sondern dahin kommen, situationsgerecht agieren zu können, also abwartende und attackierende Phasen alternierend anwenden zu können.

Davon abgesehen ist die Kaderzusammenstellung beim BVB sicherlich nicht Trainersache. Ganz gleich, welche Spielweise angewandt werden soll, manche Spieler sind mMn fußballerisch für ein Team mit Ambitionen einfach eine Fehlbesetzung.

Letztlich - und das gebe ich gerne zu - finde ich diese Art zu verteidigen auch einfach deutlich (!) attraktiver. Das kann natürlich für Watzke und Co kein Kriterium sein, klar. Für mich als Fan ist die Attraktivität des Fußballs neben den Ergebnissen aber schon ein erhebliches Kriterium. Und ist ein Grund, warum ich den Fußball unter Favre zum Einschlafen fand. Aber wie gesagt, subjektiv.

Ja , das liegt immer im Auge des Betrachters. Und es ist gut, darum zu wissen.


Ob jetzt Rose unbedingt der richtige Trainer ist, kann ich dann letztlich auch nicht beurteilen. Ich halte ihn aber auch nicht für die Nulpe, als die er hier teilweise dargestellt wird. Ebenso wenig wie ich glaube, dass unser Team kein Pressing kann (hat es diese Saison mit 4er-Kette sogar mal ganz brauchbar gespielt). Wenn er kommt, wird er von mir eine faire Chance erhalten.

Jeder hat eine faire Chance verdient. Ob jeder sie beim BVB (wie bei anderen Clubs ebenso) auch bekommen hat, ist eine andere Frage.


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