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Kinder offenbar genauso ansteckend wie Erwachsene (Corona)

Sascha, Dortmund, Donnerstag, 30.04.2020, 06:53 (vor 2183 Tagen) @ hardbreak

Ich versuche mal sachlich auf deinen völlig unsinnigen Ferienvergleich zu antworten:

Kinder haben einen natürliche Bewegungdrang, den sie aktuell nicht ausüben können. Klettergerüste auf Spielplätzen, Sportvereine, Fußballspielen mit anderen Kindern oder schwimmen gehen - all das ist gerade nicht möglich und "spazieren gehen" nur ein höchst unzureichender Ersatz.

Kinder lernen irre viel vom spielen mit anderen Kindern. Sie denken sich (Rollen-)spiele aus, erfinden Regeln, teilen die Rollen unter sich aus und das auf eine Art, die man als Erwachsener einfach verlernt hat. Als Erwachsener, auch wenn man sich noch so viel Mühe gibt, spielt man ganz anders mit einem Kind als Kinder untereinander.

Kinder haben ebenso den Wunsch nach sozialen Kontakten wie Erwachsene. Ihnen fehlen ihre Freunde und Telefonate sind da nur ein sehr unzureichender Ersatz. Ihre einzigen Bezugspersonen sind gerade die Eltern und die sind, egal wie viel Mühe man sich gibt, nicht immer auf Augenhöhe mit den Kindern. Im Gegenteil, es sind genau die Menschen, mit denen sie Reibungspunkte haben und Konflikte austragen, um langsame Abnabelungsprozesse einzuleiten. Da fehlen Kontakte mit gleichaltrigen, mit denen sie sich auch gleichranging fühlen und mit denen sie vertraut sind.

Kinder brauchen ein Gefühl der Sicherheit. Und dieses Sicherheitsgefühl können ihnen am ehesten die Eltern vermitteln. Dieses Grundvertrauen, dass Mama und Papa alles im Griff haben und sie in einem gesicherten Umfeld leben, bekommt aber auch Risse. Für die Eltern selber ist es irritierend, auf einmal vor leeren Regalen im Supermarkt zu stehen, Masken tragen zu müssen, ebenfalls Freunde und Eltern nicht mehr treffen zu können und dazu kommt bei vielen auch eine Zukunftsangst, weil sie nicht wissen, ob sie noch ihren Arbeitsplatz erhalten. Kinder haben sehr gute Antennen für sowas und sie spüren die Unsicherheit ihrer Eltern, die sich dann auch auf sie überträgt.

Unsere "Große" macht das im Alter von 6 Jahren eigentlich richtig klasse. Sie spielt mit ihrem kleinen Bruder und versucht, nicht nörgeliger und ungezogener zu sein als üblich - aber dann gibt es Momente, in denen man einfach merkt, dass auch sie das alles total stresst. Ein falsches Wort, das nicht einmal böse oder meckernd gemeint ist, reicht dann schon, um sie wirklich heftig in Tränen ausbrechen zu lassen.

Die Situation ist für die Kinder echt belastend - und auch die Eltern treibt diese 24/7-Unterhaltungsanforderung an die Grenzen, wenn die Möglichkeiten, Abwechselung zu bieten, so begrenzt sind. Das ist alles ganz, ganz anders als stinknormale Ferien, in denen man es sich einfach unbelastet gutgehen lassen und tun kann, worauf man Lust hat.


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