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VAR - Challenge (Fußball allgemein)

Will Kane @, Saarbrücken, Samstag, 15. Februar 2020, 13:17 (vor 8 Tagen) @ Weeman

Also wenn man Challenges einführt kann man es auch direkt lassen.

> Das würde den Sport nun wirklich überhaupt nicht gerechter machen und die Schiedsrichter geben nur ihre Verantwortung an die Trainer ab.

Nachdem der VAR mit relativ viel Aufwand und begleitenden Diskussionen eingeführt wurde, dürfte er meiner Einschätzung nach nicht wieder abgeschafft werden. Argumentativ hat man sich dabei selbst eine Falle gestellt. Man wolle ‚den Fußball gerechter machen‘. Was ja im Umkehrschluss heißt, der Fußball sei ‚ungerecht‘ ohne den VAR oder zumindest nicht so ‚gerecht‘, wie es erforderlich sei.

Nur was ist denn überhaupt ‚gerecht‘ oder eben auch ‚ungerecht‘? Da wird wohl jeder seine eigene Auslegung haben. Es dürfte kaum einen Begriff geben mit einer größeren Bandbreite in der Interpretation. Gleichzeitig wird die Einführung einer simplen technischen Methode zur Minimierung von Schiedsrichterfehlentscheidungen mit einer moralisierenden Begründung völlig überhöht. Diese Argumentationslinie wieder zu verlassen dürfte daher sehr schwierig sein.

Dass die Schiedsrichter „nur ihre Verantwortung an die Trainer“ abgeben würde bei der Einführung einer ‚challenge‘, sehe ich persönlich nicht. Dem Schiedsrichter obliegt die Spielleitung, daran ändert sich nichts. Bei den dabei zu treffenden Entscheidungen liegt er in den meisten Fällen richtig, bei einzelnen Entscheidungen können ihm aber verständlicherweise Fehler unterlaufen. Das ist soweit ich weiß Konsens unter allen Beteiligten. Wenn nun in einem definierten, engen Rahmen eine betroffene Mannschaft bzw. deren Trainer eine Entscheidung des Schiedsrichters überprüft haben möchte, dann gibt der Schiedsrichter hierbei keine Verantwortung ab, sondern seine Entscheidung wird lediglich mittels VAR auf Korrektheit gecheckt.

Wenn man sich einmal daran erinnert, welche Anlässe die Forderung nach Einführung des VAR immer wieder haben laut werden lassen, dann waren dies schwerwiegende Fehlentscheidungen aufgrund von Wahrnehmungsfehlern, die leider vorkommen können, aber die betroffene Mannschaft definitiv benachteiligen und letztlich auch die Reputation des Schiedsrichters schädigen. Die z.T. Jahrzehnte zurückliegenden Fälle wie die ‚Phantomtore’ von Helmer oder Kießling haben auch durch die unbefriedigende sportrechtliche Situation zur Einführung der Torlinientechnik beigetragen. Und übersehene oder vermeintliche Handspielsituationen mit gravierenden Folgen (Thierry Henry, Marcel Schmelzer) oder ähnlich spektakuläre Fälle waren es in der Vergangenheit, welche die Diskussion hinsichtlich einer Überprüfungsmöglichkeit von Schiedsrichterentscheidungen immer wieder angefacht haben. Und nicht die Abseitsentscheidung, bei der es um nur wenige Zentimeter geht. Bei letzterer dürfte sich kaum eine Mannschaft benachteiligt wähnen, ja häufig würde es überhaupt nicht wahrgenommen werden, dass es sich tatsächlich um eine minimalste Abseitssituation gehandelt hat (z.B. die Hacke von Reus). Wenn eine solche Situation von keinem Beteiligten wahrgenommen wird und es sich nicht um eine Tätlichkeit o.ä. Handelt, warum sollte dann wie jetzt üblich der VAR von sich aus aktiv werden?

Der italienische Verband ist mit seinem Vorschlag deshalb aktiv geworden, weil die bisherige Praxis einer prinzipiell von allen Beteiligten begrüßten Einführung des VAR zu einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Unzufriedenheit bei diesen Beteiligten geführt hat. Wenn man sich auf diesen Vorschlag einer Erprobung der ‚challenge‘-Variante einlassen und diese Erprobung eine gesteigerte Zufriedenheit bei allen Beteiligten ergeben sollte, dann wäre dies in meinen Augen ein wichtiger Schritt hin zur Optimierung in der Anwendung dieses Mittels. Jeglicher Versuch allerdings, jede eigentlich mit bloßem Auge nicht wahrnehmbare Situation auf dem Platz millimetergenau aufschlüsseln zu wollen und daran Entscheidungskorrekturen zu knüpfen, halte ich persönlich für den falschen Weg.

 

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