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Was ist in der Halbzeit passiert? (BVB)

Jones, Lippstadt, Samstag, 12.11.2022, 15:01 (vor 1383 Tagen) @ Will Kane

Nicht, dass die erste Hälfte eine Glanzleistung war, aber wir hatten Chancen für vier Tore in einem rasanten Spiel.
Während die Ponys nach der Pause entsprechend umgestellt haben und von der wiederholten Schlafmützigkeit profitiert haben, haben wir in der zweiten Hälfte defensiv UND offensiv kompletten Mist zusammen gespielt.

Den vorne durchaus engagierten Reyna durch den gestern völlig wirkungslosen Hazard zu ersetzen dürfte das Spiel auf unserer Seite mit abgewürgt haben und irgendwie drängt sich mir der Eindruck auf, dass Edin immer mal auch Ideen hat, die einfach nicht gut sind, wie auch die Auswechslung von Özcan in Köln, die quasi postwendend das Gegentor eingeleitet hat.


Vielleicht sollte man in der Analyse einmal fort von der Betrachtung der Leistung einzelner Spieler. Jeder dieser Spieler hat bereits unter Beweis gestellt, dass er überzeugende Leistungen erbringen kann. Beim BVB, bei anderen Clubs, in den Nationalmannschaften. Dass in dieser Saison nach 15 Spieltagen bereits 6 Niederlagen zu Buche stehen, manche Siege nur sehr glücklich zustande gekommen sind und die Mannschaft zu selten überzeugt (manchmal tut sie es allerdings) hat nach meiner Beobachtung andere Gründe. Die dann auffallen, wenn man die Spiele, in denen man nicht überzeugt hat, mit denen vergleicht, in denen man überzeugt hat.

Gestern konnte man dies ebenfalls feststellen, wenn man beide Teams in beiden Halbzeiten miteinander verglichen hat. Wie Du richtigerweise sagst, während bei den Gladbachern in der 2. Halbzeit durch Umstellungen eine Verbesserung festzustellen war, ergab sich bei uns sogar eine Verschlechterung. Vielleicht war diese Verschlechterung auch ‚nur‘ eine optische Täuschung, weil sich bei uns wenig, dafür bei Gladbaxh einiges (und vor allem das richtige) geändert hat.

Um es konkret zu benennen:

Unser Hauptmanko gestern war (wieder einmal), dass wir die Ordnung nicht gehalten haben. Und zwar nicht nur die Ordnung gegen den Ball, sondern auch die Ordnung mit dem Ball.

Bei Gladbach war es ähnlich, zumindest in der 1.Halbzeit. Wobei es sich hier in erster Linie um die Ordnung gegen den Ball gehandelt hat.

Und genau aus den jeweiligen Defiziten heraus entstanden die Tore auf beiden Seiten. Fünf Tore in der ersten Halbzeit lassen schon aufhorchen, und es hätten auf beiden Seiten noch mehr sein können.

Häufig war es der gleiche Spielzug der Gladbacher aus dem Mittelfeld heraus, der unsere Defensive filetiert hat. Zwei, drei kurze, direkte und schnelle Pässe mit leicht seitlicher , etwas diagonaler Verlagerung und dann der direkte schnelle Vertikalpass (meist auf Thuram). Dies passierte sowohl, wenn wir in Ballbesitz waren und den Ball verloren haben, als auch bei Ballbesitz der Gladbacher.

Während Gladbachs Umstellungen in der 2. Halbzeit effektiv waren (man stand deutlich besser gegen den Ball bzw. hat besser verschoben), hat sich durch unsere Umstellungen keine Verbesserung gegen den Ball ergeben und eher eine Verschlechterung mit dem Ball.

Es ist mEn nicht so gewesen, dass unser Trainerteam das Problem nicht erkannt hätte; das war auch in früheren Spielen nicht so. Nur haben die eingeleiteten Umstellungen nichts bewirkt oder sogar eher das Gegenteil. Was daran liegt, dass personelle Önderu gen solange nichts bewirken, wie sich das taktische Fehlverhalten nicht verändert. Anders ausgedrückt müsste man (theoretisch) gar nicht wechseln, wenn man sich von vorneherein taktisch besser (disziplinierter, konsequenter) verhielte.

Wenn Can und/oder Bellingham ihre Positionen im Mittelfeld verlassen, dann ist das zunächst einmal nichts Schlimmes. Die jeweilige Spielsituation erfordert dies oft genug. Nur müssen ihre Positionen bzw. die entsprechenden Räume dann besetzt werden. Und daran hapert es. Nicht immer und nicht in jedem Spiel, aber zu oft. Der Gegner erkennt dies, spielt schnell in den unbesetzten Raum und kann dann nach vorne spielen.

Jetzt kann man natürlich nicht zu Unrecht einwenden, dass Bellingham taktisch ohnehin vogelwild agiert und Can mitunter den Eindruck erweckt, als würde er sich keinerlei Gedanken darüber machen, dass eigenes Handeln immer auch Konsequenzen für das Handeln anderer hat. Aber zu selten sind Bewegungen zu erkennen, verlassene Positionen wieder zu besetzen. Weder aus der Innenverteidigung heraus nach vorne, noch von der Seite von den Außenverteidigern, noch von vorne durch das offensive Mittelfeld.

Dass wir es anders können, haben insbesondere die Spiele gegen ManCity gezeigt. In diesen haben wir auf hohem Niveau taktisch agiert und dies konsequent und diszipliniert über das gesamte Spiel hinweg. Allerdings waren wir in diesen Spilen der Underdog und es ging a priori darum, nicht in Rückstand zu geraten und durch gelegentliche Konter vielleicht und ein Tor zu erzielen. Die Ordnung gegen den Ball war also entscheidend.

Was in (zu) vielen anderen Spielen fehlt ist das Halten der Ordnung sowohl gegen, als auch mit dem Ball. Es scheint fast so, als würde die die Mannschaft überfordern. Allerdings ist dieses Halten der Ordnung originäre Traineraufgabe. Das ist etwas, was eingebimst werden muss.

Mannschaften wie Union und auch Freiburg sind (auch) deshalb so erfolgreich, weil sie eben ihre Ordnungen konsequent halten. Gelingt ihnen dies einmal nicht, dann bekommen sie auch gleich die Hütte voll. Union konzentriert sich dabei voll auf die Ordnung gegen den Ball, Freiburg ist schon weiter.

Christian Streich hat einmal über Maxi Eggestein gesagt, als der von Werder zum SCF gewechselt war, dass er noch etwas Zeit brauchen würde, um „unseren Fußball zu verstehen“. Da er aber ein sehr intelligenter Spieler sei, würde ihm das sicherlich schnelL gelingen. Was dann auch so kam. Relativ schnell wurde Eggestein Startelfspieler im zentralen Mittelfeld der Freiburger.

Es ist extrem wichtig, dass jeder Spieler weiß, was er zu tun und zu lassen hat. Und genau daran hapert es mEn zu oft.


Wir werden die Hinrunde mit maximal 31 Punkten abschließen, wofür wir aber auch mal wieder auswärts Punkten müssten. Das ist am Ende eventuell genug für die Champions League, aber auswärts regelmäßig aufzutreten, wie ein mittelmäßiger Zweitligist ist dann doch irgendwie ein wenig dürftig.

Ich mag Edin und würde mir wünschen, dass er erfolgreich ist, grade damit wir die Baustelle Trainerposten einfach mal schließen können, aber wirklich überzeugt bin ich aktuell nicht.


MAn benötigen wir einen fußballerischen Neuanfang insofern, dass wir einige grundlegend Dinge (vor allem das Positionsspiel) von Grund auf einüben müssen. Ob Terzić dafür der Richtige wäre, weiß ich nicht.

Eine tolle Analyse, vielen Dank!


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