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Geschwindigkeitsdefizite und fehlende Handlungsschnelligkeit (BVB)

Blarry, Essen, Samstag, 08.02.2020, 23:37 (vor 2167 Tagen) @ Will Kane
bearbeitet von Blarry, Samstag, 08.02.2020, 23:40

Hummels ist extrem langsam, wenn es ins Sprintduell geht. Das ist nicht neu. Aber es war schon immer eine Schwäche bei ihm. Nur ist die Ausprägung dieser Schwäche heute gravierender als noch vor 5 Jahren. Akanji und Zagadou sind ebenfalls keine Sprintkönige.

Unpopuläre Meinung...

Ist ja eine ganze Kette von Umständen und daraus resultierenden Effekten, die bei uns zusammenkommen.
Man hat schnell gemerkt, dass unsere Innenverteidigung auf der linken Seite ein eklatantes Geschwindigkeitsdefizit hat. So gravierend, dass es das Abdecken einer Spielfeldhälfte in einer Viererkette im Prinzip verunmöglicht. In einer Fünferkette lassen sich vereinzelte Tempodefizite in der Regel leichter kaschieren; die abzudeckende horizontale Fläche ist nun einmal signifikant kleiner. Also Kommando Fünf Mann hinten.

Damit fiel ein 4-4-2 oder 4-2-3-1 natürlich weg, und der zusätzliche Innenverteidiger kam nicht nur auf Kosten eines zentralen Angreifers, sondern unter alles andere als optimalem Einsatz der Spieler, die wir für diese Position haben. Reus spielt nicht gerne und auch nicht gut als einsame Spitze. Alcacer und Haaland sind von der Spielweise her beides Stürmer, die lieber einen Kombinationsspieler in ihrer Nähe haben. Brandt war plötzlich der ideale Spieler für eine Position, die es im 5-2-3 gar nicht mehr gab. Und weil Weigl und Delaney wegfielen, musste er auf die Doppelsechs, für die er bei aller Liebe noch nicht reif genug ist; das ist eine Position, die man von der Picke auf lernen muss.

Somit blieben als direkte Konsequenzen der (zugegeben notwendigen) Absicherung durch einen dritten Innenverteidiger
- eine Sturmspitze, die formbedingt nicht mehr reinkam und als einzige Spitze nicht wirklich funktioniert,
- ein Zehner, der plötzlich Sturmspitze spielen musste, was ihm nicht liegt,
- ein zweiter eigentlich idealer Zehner, der auf eine komplett fremde Position zurückrutschen musste (und sich dort zugegeben den Umständen entsprechend akzeptabel gegeben hat)
- eine Doppelsechs, die (in jeder personellen Besetzung) die Balance und gegenseitige Absicherung nach vorne nicht hinbekommt , und dadurch
- große leere Räume zwischen Abwehrkette und Mittelfeldzentrum, die dem Gegner gerade im Umschaltspiel immer wieder alle Zeit der Welt gelassen haben, unsere drei Innenverteidiger zu sezieren.

Eine eigentlich minimale Änderung in der Grundformation schmeißt alles durcheinander. Kleiner Denkanreiz, wenn wieder wer weiß was für panische Panikreaktionen gefordert werden.

Eine Mannschaft, welche diese Schwäche zu ihren Gunsten nutzen will, muss sich in Situationen bringen, welche dies ermöglichen. D.h. konkret, den entscheidenden Schnittstellenpass zu spielen, wenn unsere letzte Reihe in Höhe der Mittellinie oder anderweitig aufgerückt steht. [...] und vor allem freien Raum vor unserer letzten Abwehrreihe.

Es ist fast, als hätten wir vor wenigen Wochen noch einen Mittelfeldspieler im Kader gehabt, dessen Paraderolle eben darin bestand, dieses Loch im Zehnerraum zu besetzen und besetzt zu halten wie eine Herde Punks einen leerstehenden Altbau in St. Pauli. :P

Eine Doppelsechs ist in Sachen Balance und Absicherung immer etwas fragiler als ein Mittelfelddreieck mit klaren Spezialisierungen. Gerade im Umschaltspiel, wenn beide Mittelfeldspieler den Weg nach vorne antreten und die Abwehrkette nicht rechtzeitig aufrückt um den Raum zu komprimieren, entstehen solche Löcher, wie wir sie unseren Gegnern regelmäßig anbieten. Aber, ach, was soll man tun, wenn man nicht mehr mit drei Mann im Zentrum spielen darf, weils hinten sonst brennt?

An der Geschwindigkeit unserer Defensivreihe kann nichts geändert werden. An der Entstehung freier Räume vor der Abwehrreihe schon. Primär eine Aufgabe unseres defensiven Mittelfeldes, das in dieser Hinsicht zu oft nicht schnell genug agiert/reagiert. Aber auch eine Aufgabe unserer Offensivkräfte, die oft genug nicht ausreichend nach hinten arbeiten. Lediglich Reus und Hazard tun dies auch mit dem taktisch notwendigen Geschick.

Muss man differenzieren zwischen Angriffen gegen uns über die Außenbahnen und durchs Zentrum. Wir selbst greifen im 5-2-3 ja fast ausschließlich über die Außen an, weil dort ein Ballverlust statistisch am harmlosesten ist. Mein subjektives Empfinden ist auch, dass wir Ballverluste außen relativ gut in den Griff bekommen, weil da i.d.R. ein Außenverteidiger, ein Außenstürmer und ein Sechser im unmittelbaren Dunstkreis herumturnen und auch einer der äußeren Innenverteidiger keine allzu weite Anreise hat. Gefährlich wirds in der Regel, wenn diese drei oder vier Spieler ausgespielt sind und der Ball ins vielbeschworene Zentrum kommt.

Ist die Frage, wie viel man daran machen kann. Jede defensive taktische Formation hat ihre Lücken. Gibt eben nur beschränkt viele Möglichkeiten, zehn Spieler auf einem Stück Rasen aufzustellen.


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