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Wenn LF sich weiterentwickelt (BVB)

Ulrich, Freitag, 01.11.2019, 14:28 (vor 2491 Tagen) @ Will Kane


Ein Problem ist, dass wohl 99,9 Prozent oder mehr von uns nicht wissen, wie Favre (oder auch ein anderer Trainer) intern agiert. Man sieht nur, wie er öffentlich auftritt. Das sagt aber wenig bis gar nichts darüber aus, wie er seine eigentliche Arbeit macht. Und gerade über Favre gibt es wohl einige Klischees, die schon seit Jahren von den Medien immer wieder aufgegriffen werden.


Wobei es nur sehr wenige Medienvertreter gibt, die sich intensiv und differenziert mit Favre und spezifisch mit seinen Vorstellungen von Fußball und seiner Arbeit auf seinen einzelnen Trainerstationen auseinandergesetzt haben. Die allermeisten übernehmen schlicht das, was irgendwie irgendwann kolportiert wurde. Das gilt für den sog. Boulevardjournalismus genauso wie für die sog. Qualitätsmedien.

Es gibt sicherlich Ausnahmen, aber ich habe den Eindruck, speziell mit dem Thema Fußball beschäftigen sich in Deutschland bei den Medien häufig eher einfacher gestrickte Charaktere. Waldemar Hartmann beispielsweise lässt da grüßen.

Ich habe mich vor Jahren einmal mit einem Fotografen unterhalten, der auch für die Presse arbeitete. Der war zu der Zeit, als es finanziell lichterloh brannte einige Male bei BVB-Pressekonferenzen. Damals haben die Redaktionen nicht nur die Sportreporter geschickt, sondern auch die Leute aus dem Wirtschaftsressort. Und denen fiel dann gleich zweimal der Unterkiefer herunter. Einmal angesichts des Desasters beim BVB, und einmal angesichts des extrem niedrigen Niveaus ihrer eigenen Kollegen aus dem Fußballressort.


Über Favres Arbeit in Nizza z.B. habe ich keinen einzigen etwas tiefergehenden Artikel oder Beitrag in deutschen Medien gelesen, gesehen oder gehört. Ich kann da sicherlich etwas übersehen haben, klar. Aber ich finde es schon erstaunlich, dass zwar immer wieder nachweislich nicht korrekte oder aus dem Zusammenhang gerissene Stories aus seiner Gladbacher oder vielleicht auch noch Berliner Zeit in den Medien wiedergekäut werden, wie er aber konkret unter welchen Umständen auf seiner letzten Trainerstation unmittelbar vor Antritt seiner Tätigkeit bei der Nr. 2 im deutschen Clubfußball gearbeitet hat, scheint völlig uninteressant zu sein.

Das ganze ist auch eine Frage der Ökonomie. Um fundiert über Favres Arbeit in Nizza zu berichten, müsste man intensiv recherchieren, Gespräche führen, vor Ort sein. Um einen Artikel aufbauend auf dem zu schreiben was über Favre immer wieder weiter erzählt wird, braucht man ein, zwei Stunden. Maximal.


Und was die Medien regelmäßig wiederkäuen, das hört man dann am Thresen oder liest es in den Foren als unumstößliche Wahrheit. So ist das halt, in vielen Dingen.

Favre ist kein everybody‘s darling, schon gar nicht bei den Medienvertretern. Auch weil er nicht deren Nähe sucht. Wobei er ausgesucht höflich im Umgang ist und in kleiner Runde sehr wohl sehr aufgeschlossen über Fußball spricht und vor allem auch zuhören kann.

Wir werden sehen, wo wir nach dem Bayernspiel und am Ende der Hinserie stehen werden. Das wird darüber entscheiden, ob Favre bis zum Saisonende Trainer bleibt oder nicht.

Ich wage da keine Prognose. Dazu gibt es zu viele Unsicherheiten. Und letztlich entscheidet vieles auch der Zufall. Aber ich halte es leider für recht wahrscheinlich, dass wir falls Favre entlassen werden oder gehen sollte eine "kaputte" Saison erleben werden.


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