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Erwartungsgemäß: Derbe Trump-Tirade nach dem Super Bowl (Spieltage)

Pfostentreffer, Montag, 09.02.2026, 15:29 (vor 5 Stunden, 4 Minuten) @ Gargamel09

Auch hier erst einmal danke für die sachliche Antwort und jetzt verstehe ich auch besser, was du meinst und wo es herkommt. Leider benötigt die Antwort etwas Platz.

Was du hier zitierst sind Vorwahlumfragen über das, was aus Sicht der Wähler die wichtigsten Themen sind, Mehrfachnennunngen möglich.

Dazu muss man erstmal inhaltlich sagen, dass sich die Punkte 1 und 2 der Umfrage widersprechen. Weniger Migration und stärkes Wirtschaftswachstum sind zwei gegeneinander laufende Effekte, da Migration einer der wichtigsten Faktoren für Wirtschaftswachstum ist, wenn nicht mittlerweile der wichtigste, zumindest bei alternden Gesellschaften wie unserer. Bei uns in Deutschland bspw. kommt der Zuwachs an Arbeitskräften ausschliesslich aus der Migration - und damit auch das Wirtschaftswachstum.

Ich wollte nicht auf den inhaltlichen Punkt hinaus, sondern darauf, dass es nicht stimmen kann, da sich beides widerspricht.

Diese Vorwahlumfragen sind also - auf inhaltlichem Level - eine sachliche Abfrage, was denn wohl die wichtigsten Themen sind, bei beschränkter Auswahl. Die Menschen sind aber längst so emotionalisiert und verwirrt was stimmt und was nicht, dass Sachfragen immer weniger Einfluss auf Wahlen haben. Zudem würde ich davor warnen, einzig die Vorwahlumfragen als indikator zu nehmen, denn sie bilden vor allem ab, was in den letzten Monaten vor der Wahl mediales Thema war (was natürlich ohne Frage relevanten Einfluss auf die Wahlen hat). Das ist deutlich tiefer erforscht.

Es geht um Emotionen. Deswegen schaue dir mal die Untersuchungen an, warum Leute Trump wählen. Die Antworten sind dramatisch unterschiedlich.

Nicht wegen Wirtschaft, Inflation oder Migration. Sondern: Er setzt sich für uns ein, er ist einer von uns, er verteidigt uns, endlich sagt mal einer was und endlich zeigst mal einer dieser korrupten, schwulen linksgrünen Elite da oben, endlich macht mal einer was und redet nicht nur so nett daher. Endlich zeigt es diesen anderen mal einer.

Das mehr frustriert sind, wenn hohe Inflation herrscht und sie arbeitslos werden / ihr Haus verlieren etc. und deswegen Rechts wählen stimmt natürlich trotzdem und schliesst sich nicht aus.

Das sind dann aber Auslöser, nicht Ursachen. Der Gedanke, dass "mir mehr zusteht als anderen" muss da aber schon jahrelang gepflegt und legitimiert worden sein.

Die Ursache ist, dass den Menschen jahrelang eingeredet wird sie seien Opfer, dass rechtfertigt anschliessend alle Massanahmen, auch gegen den politischen Gegner. Deswegen ist die Opferpose so existentiell wichtig für die Rechtsextremen. Damit können sie alle Massnahmen rechtfertigen.

War auch im Nazireich schon so. "Die Juden sind kriminell und zersetzen den deutschen Volkskörper" rechtfertigte alle Massnahmen bis zum KZ (zuerst wollten die Nazis öffentlich übrigens: Abschieben). Exakt das gleiche bei der Kolonialiserung (bei denen es bereits die ersten Deutschen KZ's gab, was auch vielen nicht klar ist). Die Anzahl der Beispiel dafür ist schlicht endlos und das die Anschuldigungen nix mit der Realität zu tun hatten - egal. Genau wie heute, wenn es um Migranten geht.

Das ist absolut nix neues, nur mit Social Media kann man die Narrative noch tiefer und schneller in die menschlichen Gehirne ballern und die klassischen Medien machen fröhlich mit (Und fangen jetzt oft erst an das zu checken) bzw. sind direkt von Fossilfaschisten übernommen worden wie Springer. Man muss nur 2 Minuten auf bild oder welt.de gehen und einem werden die entsprechenden Narrative garantiert über den Weg laufen. Oder Markus Lanz und Dieter Nuhr zuhören, was zugegegegebnermassen wirklich schwierig ist, 2 Minuten am Stück durchzuhalten.

Göbbels würde sich heute darüber noch mehr freuen als er sich damals über das Radio gefreut hat.

"„Der Rundfunk hat unter allen Künsten, die zur Beeinflussung der Massen zur Verfügung stehen, die unmittelbarste und die tiefste Wirkung, weil er nicht wie die anderen Künste auf den Menschen wartet, sondern zu ihm kommt, weil er in sein Haus tritt, weil er an seinem Bett steht, weil er in seine Familie hineinruft.“

Das ist das Ziel.

"„Wenn wir die Partei intakt halten, dann müssen wir jetzt wieder an die primitivsten Masseninstinkte appellieren"

-exakt das sehen wir heute. Und es funktioniert wieder.

Rassisten ist es egal, wie was ausschaut, siehe Steve Bannon, Hauptsache es wird gemacht, das ist aber nicht im Sinne unabhängiger Wähler, zu denen auch Schwarze und Latinos gehören, die auch zu Trump mehr als früher tendiert haben.

Sorry, aber da muss ich hart widersprechen.

1. Es ist Rassisten nicht egal, sondern das Ziel ist Normalisierung (und damit sind sie schon sehr sehr weit vorangeschritten). Das sehen wir ja zum Beispiel bei Merz. Jedes Mal, wenn er was rassistisches sagt, versucht die Partei es nachher wieder einzufangen, um keinen grossen Schaden entstehen zu lassen. Selbst bei Trump passiert das noch manchmal. Das Signaling an die entsprechende Gruppen ist aber längst passiert und durch die "ach das war doch gar nicht rassistisch gemeint" Diskussion im Nachgang wird der Diksurs wieder weiter nach Rechts verschoben. So geplant wie vorhersehbar. Dann kann man sich auch mal über das Grundgesetz hinweg setzen, wenn es gegen dies schlimme Migrtantenflut geht, kein Problem. Alexander Dobrindt gefällt das.

2. Ja, es gehören Schwarz und Latinos dazu, auch Homosexuelle und Transexuelle. Auch in der deutschen AFD sind Juden, sogar Homosexuelle Juden, ich durfte selbst mal ein reizendes Exemplar davon treffen, dass war schon sehr bizarr, ausgerechnet an John Kippur.

Da habe ich aber verstanden, dass man den dümmsten unter den Mitgliedern von allen Gruppen nur eine identitären Anknüpfungspunkt bieten muss, damit sie sich von den anderen - in Augen der rechten Minderwärtigen - Mitgliedern dieser Gruppe absetzen können.

Z. B. bei den Schwarzen in den USA: "Du gehörst zu den guten, du bist ja nicht kriminell wie so viele andere SChwarze." Exakt der Satz funktioniert auch bei Menschen mit Migrationsgeschichte in Europa, wenn man das Wort "Schwarze" durch Migranten ersetzt. Auch deswegen ist die Kriminaliserungserzählung für die Rechten so wichtig.

Die Menschen lernen durch Wiederholung. Je öfter sie mit diesem Narrativ gefüttert werden, desto mehr übernehmen es, bis zu einem bestimmten Grad. Wir werden in Deutschland in Zukunft auch mehr Menschen mit Migrationsgeschichte in der CDU und AFD sehen, denn die wollen sich von den "kriminellen Ausländern" absetzen und nicht mit denen in Verbindung gebracht werden. "Wir haben es noch geschafft, aber jetzt wird es wirklich zu viel" wäre vermutlich ein extrem effektiver Wahlspruch für die CDU bei dieser Wählergruppe.

Man nennt das in der Soziologie internalisierten Rassismus. Den gibt es in allen gesellschaftlichen Minderheiten ("Wir Frauen sind auch immer so emotional, da kann man das schon verstehen" / Wir Schwulen übertreiben es vielleicht auch manchmal ein bisschen und sollten lieber ruhiger und nicht so extravagant sein, da verstehe ich schon, dass es die Normalen nervt etc.) und ist ebenfalls kein neues Phänomen, jetzt fallen nur wieder die Schranken und da mittlerweile Propaganda das neue normal ist, werden wir das auch bei uns in Zukunft verstärkt sehen. Man denke nur mal an Alice Weidel oder Jens Spahn ( "Ich bin schwul, nicht queer" etc.)

Schon da erkennt man, dass die den bestimmt nicht aus radikalen, rassistischen Gründen gewählt haben können, vor allem nicht deswegen.

Rassismus und Diskriminierung wird aber nicht mehr als Radikal gesehen, es ist mittlerweile wieder absoluter Mainstream, sowohl unter Politikern als auch unter vielen Wählern, zumindest ausserhalb der Städte und auch wenn viele es gar nicht verstehen.

Unser Bundeskanzler ist offener Rassist, der amerikansiche Präsident ist offener Rassist. Und so viele mehr. Beide wurden gewählt. Trump sogar 2x. Die AFD wird auch kaum wegen ihres Wirtschaftsprogammes gewählt.


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