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Wir lassen uns nicht vor euren Karren spannen -Borussia ohne Rheinmetall! (Südtribüne Dortmund) (BVB)

Sascha, Dortmund, Mittwoch, 21.08.2024, 07:14 (vor 543 Tagen) @ Granatapfel

Ich persönlich hätte diesen Aufruf auch nicht unterschrieben, sehe aber trotzdem einige valide Punkte der Gegner eines solchen Sponsorings.

Da ist zum einen wirklich die Frage, in wie weit die vom BVB postulierten Werte passend zu Rheinmetall als Firma sind. Unten steht ja schon ein Link zur Eigendarstellung von Rheinmetall in der NS-Zeit, in der mehr oder weniger ein Bedauern geäußert wird, dass man den Einsatz von Zwangsarbeitern gar nicht richtig nutzen konnte, weil man von der Bürokratie gebremst wurde. Das ist nicht nur eine ziemlich krude Sichtweise, sie passt eben auch wenig mit dem Wertekonzept zusammen, die der BVB u.a. im eigenen Nachhaltigkeitsbericht aufführt.

Jetzt kann man anführen, dass man dann diese "Werteprüfung" auch bei vielen anderen Sponsoren durchführen müsste und das vermutlich in vielen Fällen auch nicht deckungsgleich ist - aber das Wertethema wurde doch selber vom BVB in diesem Fall aufgemacht. Man hat dieses Sponsoring in der Verlautbarung als Beitrag zum Kampf für Demokratie und Freiheit dargestellt. Wenn man diese Geschäftstätigkeit selber auf diesen hohen Schild hebt, dann ist es natürlich statthaft, in diesem Fall auch zu prüfen, wie valide dieser Werteschild wirklich ist.

Zum anderen ist diese Zuspitzung auf den Ukrainekrieg und den Kampf gegen Putin doch auch komplett unsachlich. Rheinmetall produziert nicht ausschließlich Waffen für die Ukraine und Rheinmetall versucht sich auch nicht, zumindest nicht ausschließlich, über dieses Sponsoring ein besseres Image zu verschaffen, um mehr Arbeitskräfte zur Produktion von Munition und Kanonen für die Ukraine zu gewinnen. Rheinmetall hat gerade eine günstige Lage zur Expansion und zur Gewinnung von Marktanteilen und diese Chance will man nutzen. Unter anderen will man aktuell ganz offen mehr Anteile am amerikanischen Rüstungsgeschäft. Das ist aus unternehmerischer Sicht voll ok und ein wachsendes Unternehmen braucht mehr Personal. Ebenso ok ist es aus BVB-Sicht, über die Gewinnung eines großen Neusponsoren Mehreinnahmen zu generieren. Das ist doch auf beiden Seiten der Antrieb an diesem Sponsoring. Der Kampf für Freiheit und Demokratie sind einfach zu einem großen Stück Legendenbildung, weil die Ausrüstung der Ukraine und der Bundeswehr eben auch nur ein Teilgeschäftsfeld von Rheinmetall ist und nicht deren ausschließlicher Unternehmenszweck. Deshalb ist nicht jeder, der gegen das Sponsoring ist jetzt ein Zuarbeiter für Russland und man muss das Sponsoring nicht befürworten. Man muss es aber auch nicht ablehnen.

Zuletzt dann der Punkt, den ich wirklich voll und ganz unterstütze ist der Ärger über die unterschwellige Darstellung, dass das Sponsoring unter Zustimmung des Fanrats geschah. Das ist eine altbekannte Taktik aus DFB- und DFL-Gesprächsrunden. Der Fanrat ist eine auf Antrieb des BVB geschaffene Institution, mit der Borussia Dortmund die in den Lizenzbedingungen vorgegebene Bedingung zu einem strukturierten Fandialog erfüllt. Mitnichten also ein Club größenwahnsinniger Fans, die den Verein zur Mitsprache nötigen. Es ist eine notwendige Institution. In diese Institution wurde die Information über Gespräche mit Rheinmetall von Seiten des BVB herangetragen. Das hätten sie gar nicht tun müssen, schließlich wird der Fanrat auch bei anderen Neusponsorings nicht hinzugezogen. Ist auch gar nicht seine Aufgabe. Das ganze dann so kurz vor Wembley und der Verkündigung des Deals, dass die Anwesenden gar keine Zeit hatten, in ihren Fanclubs ein Stimmungsbild einzuholen. Dann ging der BVB an die Öffentlichkeit und erwähnte dabei, dass man vorher mit Fans darüber gesprochen habe. Auch der Zusatz, ob vorher mit Fans über einen neuen Sponsoren gesprochen wurde, oder nicht, ist einfach nicht üblich. Niemand hat in einer Verlautbarung über eine Verlängerung des Sponsoringetrags mit Evonik, Puma oder Brinkhoffs erwähnt, dass darüber vorher mit Fans nicht gesprochen wurde. Diese Information ist neu und erfüllt damit einen Zweck. In diesem Fall einfach den Zweck, dass es so klingt, als hätten Fans nichts dagegen gehabt. Dieser rhetorische Kniff erzeugt beim Leser den Eindruck der Legitimation.
Dass so ein Verhalten die Fanvertreter ärgert, verstehe ich voll und ganz, weil sie damit öffentlich in eine Position geschuppst werden, die sie gar nicht eingenommen haben.

Das mal meine Gedanken dazu.


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