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Der VfL Bochum - BVB - Analysethread (Spieltage)

Born-to-run, Samstag, 29.04.2023, 11:47 (vor 991 Tagen) @ BloodsuckingZombie

> Ich bin enttäuscht und angefressen, wie die meisten hier wohl auch.
[quote]Aber die Häme und den Spott, der hier über der Truppe ausgegossen wird, den kann ich nicht nachvollziehen. Ich meine, wir hatten schon richtige Scheißauftritte, bei denen die Spieler und der Trainer völlig zurecht heftig kritisiert wurden. Hinspiel Bremen, Rückspiel Stuttgart, Pokal Leipzig, da bin ich sofort dabei, dass das richtig mies war.

Aber heute? Ich habe nicht gesehen, dass die Jungs sich nicht den Arsch aufgerissen haben. Ich habe nicht gesehen, dass wir nach vorne zu wenig Chancen erarbeitet haben.
Mit einer normalen Effizienz machen wir heute zwischen 2-4 Toren, dazu noch die "kreative" Elfmeterentscheidung. Aber manchmal will der Ball halt nicht rein. Das ist absolut frustrierend, das nervt hart. Aber das wird z.B. einen Adeyemi auch übelst ankotzen, dass er den Ball heute zweimal aus bester Lage neben das Tor gesetzt hat. Ich finde den Hohn und Spott nach diesem Spiel ziemlich unpassend.

Für mich ein Paradebeispiel, dass das übliche "Man kann ja Punkte verlieren, aber es kommt auf die Art und Weise an"-Geschwätz eben nur das ist: Geschwätz. In Wahrheit ist es den meisten nämlich egal, wie man Punkte liegen lässt. Sobald kein 3er steht, hagelt es was von Versagern, Schisshasen und Möchtegerns.[/quote]

Schön, dass es zwischen all dem nach Niederlagen üblichen "Ausgekotze" über eine vermeintlich Willen- oder Charakter-lose Stümpertruppe, auch noch etwas differenziertere Meinungsbekundungen gibt.

Auch ich sehe, dass wir gestern (wie auch schon zum wiederholten Male im Laufe dieser Saison), scheinbar leichtfertig Chancen haben liegen lassen. Es gab leider in vergangenen Spielen auch zu viele Situationen in denen die Körpersprache verschiedener Protagonisten unserer Truppe wütend machen konnte.

Aber noch mehr regt mich diese "Lust am Niedermachen" von Allem und Jedem, die hier nach fast jeder Niederlage breit macht auf. Was dann jeweils darin gipfelt Mannschaft und Trainer (und natürlich auch der Vereinsführung) in einer Absolutheit und Maßlosigkeit jegliche Fähigkeiten, Qualitäten, Willen und Charakter abzusprechen.

Was unserer Truppe meiner Meinung nach primär abgeht, ist ein ausreichendes Maß an Überzeugung in die eigene Leistungsfähigkeit. Dieser Glaube in die eigene Stärke, die einen die entscheidenden Situationen mit der notwendigen Konsequenz und Entschlossenheit angehen lässt.

Diese Entschlossenheit, die Losilla bei seinem Torschuss gezeigt hat (Ball annehmen und sofort draufzimmern), hat gestern bei uns in fast allen Offensiv-Situationen gefehlt. Das war zumeist zögerlich und halbherzig. Auch und besonders dann in den Abschluss-Situationen, und mündet dann auch in den zunehmend verzweifelten Reaktionen auf die vergebenen Chancen.

Diese Verzweiflung war dann auch leider bei Edin mit zunehmender Spieldauer immer deutlicher ins Gesicht geschrieben. Je verzweifelter die Truppe dann angerannt ist, umso unsauberer wurden die Spielzüge zu Ende gespielt. Statt der Attitüde "Scheiß drauf, der nächste Schuss sitzt" bleibt dann nur noch das Jammern über die vertanen Chancen und die Unzulänglichkeiten vom Schiedsrichter.

Dennoch mag ich der Mannschaft nicht den "Willen" absprechen. Die wollten gestern schon, haben sich dann aber, auch von der Atmosphäre, zumindest soweit einschüchtern lassen, das die Überzeugung, dass was man sich vorgenommen hatte auch funktioniert immer weiter flöten ging. Für mich ist das eher ein Merkmal eines "unreifen" Teams, denn eines willenlosen.

Wir sind als Mannschaft (inclusive des Trainerteams), bei aller individuellen Begabung, immer noch auf der Suche nach einer "mannschaftlichen Identität". Einem spielerischen Selbstverständnis. Die Gründe hierfür sind, glaube ich mannigfaltig und dadurch auch nicht so leicht abzustellen.

Daran werkeln wir auch schon einige Jahre herum. Das es nicht gelingt, liegt aber auch hier, nach meiner Einschätzung nicht primär daran, dass wir, neben haufenweise charakterlosen Spielern, nur Stümper in der Vereinsführung oder als Trainer haben. Das ist überwiegend eine Folge der Umwälzungen, die der Profi-Fußball im letzten Jahrzehnt hat über sich ergehen lassen.

Wieviele Vereine fallen Euch denn ein, bei denen eine klare Vereinsphilosophie, gepaart mit einer eindeutigen erkennbaren Spielidee, und einem daraus entstehenden Selbstverständnis als Mannschaft erkennbar ist? Das Ganze dann am besten noch über einen längeren Zeitraum.

In der Bundesliga sehe ich da nur die Bayern, deren Selbstverständnis gerade aber auch auf dem Prüfstand ist, sowie, ja tatsächlich, Freiburg und Union. Die performen auf Grund der genannten Attribute zumindest seit einigen Jahren, gemessen an ihren wirtschaftlichen Möglichkeiten mit Abstand am Besten.

International ist da halt ManCity, welches wegen fast unbegrenzter finanzieller Mittel und einem Pep Guardiola, der diese Mittel gut einzusetzen weis, und Real aus ähnlichen Gründen. Barca wird dort möglicherweise auch wieder mitmischen. Paris SG kann seinen unerschöpflichen Reichtum bislang auch nur zu einer dominanten Rolle in der Ligue-1 nutzen. Der LFC mit Klopp kämpft, nach den erfolgreichen Jähren gerade darum hier wieder Anschluss zu finden.

Ansonsten ist sehe ich sehr wenig Konstanz auf höherem Niveau. Manche können sich zwar sehr viel zusammenkaufen. Nur wenige erzielen damit auch einen nennenswerten sportlichen Ertrag. Viele (kleinere) Vereine müssen dafür ständig den Verlust ihrer Leistungsträger hinnehmen, und müssen sich ihre Mannschaft jedes Jahr neu zusammenbauten, was auch nur einigen gut, manchen so lala und den meisten eher schlecht gelingt.

Sorry, jetzt bin ich ein wenig abgedriftet. Aber was genau machen wir im Vergleich zu den meisten Anderen nur so unglaublich schlecht, das es diese immer wiederkehrenden Tiraden rechtfertigt???


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