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Versuch eines Pro-Contra - Favre (BVB)

Djerun, Freitag, 04.12.2020, 10:13 (vor 2151 Tagen) @ Cthulhu

Ich muss sagen, perspektivisch würde ich mir tatsächlich einen anderen Trainer wünschen weil ich glaube, dass die sehr abwartende Spielweise ihren Beitrag zu den sich doch klar wiederholenden Niederlagen gegen Kellerkinder leistet - wenn du mit der Spielweise noch mit mal nur 80% auftrittst ist das halt eine katastrophale Mischung, dann kommen nach einer Phase der Scheinüberlegenheit zwei Standards und das Spiel ist gegessen und diese Punkte werden uns für die Meisterschaft im Zweifelsfall auch fehlen.

Yep.

Trotzdem weiß ich nicht, wie man bei Favres bisheriger Punktausbeute so extrem unzufrieden sein kann, dass man ihn nach jeder Niederlage feuern will. Das ist eigentlich nur durch eine Überhöhung der Leistungsfähigkeit der Mannschaft zu erklären, quasi der Annahme, dass unsere Mannschaft zwingend deutscher Meister werden würde, wenn nur der Lucien nicht alle in ihrer Spielweise behindern würde.

Ach ja die Punktausbeute. Ist ein gern genommenes statistisches Gimmick, aber selbstverständlich kann man die erreichten Punkte von 2020 nicht mehr mit 2010 oder 2000 vergleichen. Eine Saison mit 69 Punkten ist schlicht unterdurchschnittlich heutzutage für den BVB. Die Leistungsfähigkeit der Mannschaft sollte am Ende auf 75-80 Punkte hinauslaufen - nicht mehr und nicht weniger - unabhängig vom Trainer. Zur Meisterschaft wird das eher nicht reichen, aber für 85 Punkte braucht es dann eben noch das i-Tüpfelchen an der Seitenlinie...

Klar, es gibt Dinge, bei denen der Trainer auch seine Schuld hat, die Startelf gegen Köln war mit Sicherheit nicht ideal - trotzdem standen da 11 Spieler auf dem Platz, die in der Lage sein müssen, die vermutlich zweitschlechteste Bundesligamannschaft 2020 zuhause zu schlagen.

Aber auch gute Spieler (die z.T.außer Form sind) können schlecht zusammengestellt sein...;-)

Unterm Strich sollte man aber auch nicht vergessen, dass Favre als erster Trainer nach Klopp in der Lage war, zwei mal hintereinander die grundsätzlichen Saisonziele frühzeitig und souverän zu erreichen.

Das hat Tuchel auch (auch wenn zu dessen Zeit der 4. noch in die CL-Quali musste)...

Vielleicht sollte man nicht vergessen, dass wir vor Favre auf einem prima Weg waren, das was man ab 2009 aufgebaut hat, langsam wieder einzureißen mit falschen Entscheidungen bei der Trainerwahl und im Bereich "etablierte Spieler" desolater Transferstrategie. Man hat, bei allen tollen Transfers im Nachwuchsbereich, leider zwischenzeitlich mit Götze, Rode, Yarmolenko, Toprak und Schürrle massiv Geld verbrannt, insbesondere das "Weltmeister-Duo" war finanziell eine Katastrophe, die Marcio Amoroso abgelöst hat.

Absolut. Leider aber auch mit Ansage...

Zeitgleich hat man es 2017 und 2018 nur auf den letzten Metern geschafft, sich für die Champions League zu qualifizieren und das jeweils am letzten Spieltag gegen 17:15 und 2018 auch nur haarscharf. Favre hat den Laden stabilisiert, 2019 eine ernste Chance auf die Meisterschaft gehabt und 2020 bis zum direkten Duell gegen Bayern in der Rückrunde auch.

s.o. 2017 waren wir sehr sehr frühzeitig zumindest für die CL-Quali qualifiziert. Das war alles in allem vergleichbar souverän (am Ende mit dem letzten Titel)...

Wie gesagt, Favre bietet durchaus Raum für Kritik und die Frage, ob er der ideale Trainer für die Zukunft ist, sollte man sich auch stellen, grade wenn man nun mal vor der Vertragsfrage steht, da sollten beide Seiten überlegen, was das beste ist, aber die Vehemenz mit der manche Leute ihn los werden wollen finde ich in Anbetracht der Frage, wo wir standen, als er kam und wo wir jetzt stehen, deutlich drüber.

Es fehlt halt die Fantasie und das überlagert dann vielleicht mit der Zeit den Alltag, der durchaus ok ist für den Verein und die Finanzen - nicht aber für die Emotionen...


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