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PK mit Tuchel vor Frankfurt (BVB)

Blarry, Essen, Donnerstag, 13.04.2017, 22:47 (vor 3229 Tagen) @ Professor-van-Dusen

Ganz ehrlich? Mit jeder vergangenen Stunde beschleicht mich mehr und mehr das Gefühl, dass es das Beste gewesen wäre, das Spiel noch am Dienstag stattfinden zu lassen.

Durch die Verschiebung auf Mittwoch hat sich doch überhaupt nichts verbessert.

- Die Sicherheitslage blieb unverändert. Haben isolierte Angriffe halt so an sich, dass danach nichts mehr passiert. Das Stadionumfeld war ohnehin abgesichert, so dass die vorm Stadion wartenden Fans ohne Mühe ins Stadion geleitet hätten werden können.

- Es hätte keine sportliche Verschiebung in dem Ausmaß gegeben, wie es die ersten 45 Minuten am Mittwoch offenkundig war. "Ich bin doch keine Maschine", weint Tim Bendzko alle drei Femtosekunden im Radio, aber solange die gewohnten Pre-Game-Abläufe laufen, sind Fußballer ebendies. Man hat den Jungs bis, keine Ahnung, 22 Uhr sowieso nichts Konkretes sagen können. Ein "Hört mal, es gab eine Explosion in der Nähe des Busses, wir wissen nichts Genaueres, Marc ist im Krankenhaus, ihm geht es den Umständen entsprechend gut. Macht euch keine Sorgen, euch wird nichts zustoßen, wir ziehen unser Ding jetzt erst recht durch" hätte die Konzentration von den Ängsten des soeben Erlebten abgelenkt. Der Mannschaft das Gefühl geben, alles sei unter Kontrolle, hätte ihr Geborgenheit und Sicherheit vermittelt. Die bekannten und x-mal durchexerzierten Abläufe abzurufen hätte der Mannschaft geholfen, ihrerseits Routine abzurufen. "Muscle Memory" gibts in gewisser Weise auch für den Kopf, Routine und checklistenartiges Abarbeiten des Bekannten ist es, was (sorry für den martialischen Vergleich) schwer verletzten Kampfpiloten ermöglicht, zu ihrem Stützpunkt zurückzukehren.

- Diese unsägliche Pause zwischen Explosion und Anpfiff ist es doch, die sportlich alles ruiniert hat und mental eine absolute Katastrophe. Die Jungs hatten viel zu fucking viel Zeit, um nachzudenken. Bei dem Einen greifen die weiter oben beschriebenen Abläufe der Verarbeitung von Krisensituationen schneller, beim Anderen, der vielleicht schon Frau und Kinder und dementsprechend empfindet "mehr zu verlieren zu haben", dauert es länger. Ist alles vollkommen normal. Aber in den 20 Stunden zwischen Anschlag und Anpfiff lässt sich exakt gar nichts verarbeiten. Man hat n-tv laufen, schnappt mehr und mehr auf, fragt sich wie das alles passieren konnte und wieso ausgerechnet Marc jetzt im Krankenhaus liegt, und was alles hätte erst passieren können. Schlaflose Nacht, man erfährt, am nächsten Tag trotzdem spielen zu müssen, obwohl man mittlerweile mit dem Kopf überall ist außer beim Fußball.

Diese 20 Stunden Lücke waren weder Fisch noch Fleisch. Keineswegs hilfreich für die Opfer der Tat, organisatorisch wie sicherheitstechnisch total überflüssig, und haben die Heilung der seelischen Wunden bei den Spielern unnötig verzögert. Wenn man schon spielen muss, dann am besten sofort durchboxen. Was man hinter sich hat, hat man hinter sich.


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