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Neu auf schwatzgelb.de: BVB & die Folgen der Verpflichtung: Eine zweite Chance…die letzte Gelegenheit. (BVB)

stfn84, Köln, Mittwoch, 05.07.2023, 09:43 (vor 1133 Tagen) @ Redaktion schwatzgelb.de

Ich möchte vorweg festhalten, dass ich der Autorin und Allen, welche die Situation so empfinden wie es im Artikel formuliert wurde, keinesfalls etwas erklären möchte. Mir tut es aufrichtig leid, dass ihr Euch so betrogen fühlt und vernehmt, dass euer BVB nun kein safe space mehr ist.

Gleichzeitig möchte ich aber zumindest mal meine Wahrnehmung kund tun. Da ich nur mittelbar von der LGBTQIA+-Feindlichkeit betroffen bin, ist es aber womöglich für alle Betroffenen komplett irrelevant wie ich es empfinde. Ist für mich alles ok. Schließlich will ich eigentlich nur andere Blickwinkel auf die Situation aufzeigen, auch wenn mir das (hier) gerne in den letzten Wochen in diversen Diskussionen zu verschiedenen Themen deutlich anders ausgelegt wurde. Ich habe daher auch kein tiefgreifendes Interesse mehr die Situation dezidiert zu diskutieren, gleichwohl möchte ich meine Sicht darlegen. Inwieweit das nun eben Relevanz hat, muss jeder selbst entscheiden.

Zunächst möchte ich festhalten, dass das Fehlverhalten Einzelner oder von Gruppen im Stadion so oder so zu ächten ist. Dabei geht es auch nicht nur um LGBTQIA+, sondern um Alle. Wenn Jemand meint, dass er Euch beleidigen oder Euren Besuch des Spiels abfällig kommentieren darf, liegt dieser Jemand komplett falsch. Da ist es unwesentlich mit welcher Person er spricht und ob diese einer Minderheit zugehörig ist. Es ist immer abzulehnen. Und ich bin mir sicher, dass dies sowohl seitens des BVB als auch des Großteils auf den Tribünen fast immer auch entsprechend beantwortet würde. Ich nehme es zumindest für den Bereich an, in dem ich mich während der Spiele aufhalte. Wenn da nun einer meinen würde, dass er jemanden böse beleidigen darf weil er dieses oder jenes ist/macht, würde da schon ordentlich Gegenwind kommen. Da dies dem persönlichen Wesen der jeweiligen Fans entspricht, hat das meines Erachtens wenig mit der "Politik des BVB" zu tun, sondern eher mit einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung.

Der BVB versuchte hier in den letzten Jahren dann insbesondere bei aggressivem Verhalten ggü. Fans für mehr Sicherheit zu sorgen #Panama
Das Engagement des BVB, egal ob nun gegen das Vergessen oder für eine offenere Gesellschaft, wird meines Erachtens nicht durch die Verpflichtung eines Spielers in Stücke gerissen oder Scherben gehauen. Das mag man anders beurteilen, aber ich halte es für einen Fehler, dass man nunmehr den Kodex und alle positiven Errungenschaften der letzten Jahre dadurch klein redet und im Grunde ausführt wie unnütz doch alles wäre.

Man muss doch festhalten, dass der BVB hier auf die Kritik reagierte. In einem Ausmaß was fern von jeder Normalität war.
In meinen Fan-Jahren kann ich mich an keinen Transfer erinnern, bei dem der potentielle Neuzugang sowohl von Seiten der Geschäftsführung als auch des Präsidenten "beäugt" wurde und man das Thema mit der Person direkt besprochen hat. Das finde ich extrem ungewöhnlich. Vor allem war es - falls ich die Nachrichtenlage in meinem Kopf richtig abgespeichert habe - ja bei Weitem nicht das einzige Gespräch, nachdem wohl auch schon die sportlich Verantwortlichen (Kehl und Terzic) mit Nmecha sprachen.

Für mich zeigt es, dass der BVB das Thema eben sehr ernst nahm. Auch wenn das eben nun in Teilen anders gesehen wird und man dem BVB vorwirft "business as usual" zu betreiben.

Und - auch hier möchte ich vorab nochmals betonen, dass man das gerne anders sehen kann - ich sehe deshalb keineswegs, dass der BVB die Wahl zwischen Werten und Qualifikation getroffen hat. Stattdessen hat der "Hüter des Kodex" mit dem Spieler gesprochen und kam, wie viele andere welche mit Nmecha direkt sprachen. zu dem Schluss, dass Nmecha eben nicht ausdrücken wollte, dass er bspw. Homosexuelle die Daseinsberechtigung abspricht oder sie als Menschen gering schätzt.

Das kann ich zumindest hinnehmen, da es eben nicht heißt, dass dem BVB egal wäre wie sich ein Spieler/Vertreter des Clubs verhält. Aber natürlich wird Nmecha daran auch zu messen sein.

Der nächste Aspekt ist für mich dann eben auch social media und die aus meiner Sicht falsche Wahrnehmung einer sich selbsterfüllenden Prophezeiung.
Fakt ist, dass insbesondere Jene, die in den sozialen Netzwerken auf (empfundene) Missstände hingewiesen haben oder die Veröffentlichung des Transfers nun kritisch einordneten, zu diskriminierenden Replies oder DMs kam. Die sind nicht hinzunehmen. Ich sehe es aber nicht so, dass man sich nun mehr dieser Trolle ins Boot beim Club geholt hätte. Stattdessen wissen eben genügend Spinner, dass sie mit ihren Beleidigungen und Diskriminierungen ein größeres Echo erhalten. Das ist und bleibt schlimm, aber es ist doch meines Wissens kein Ausnahmefall. Soweit ich mich erinnere gab es auch bei jedem öffentlichen Statement des BVB bisher derartige Replies - vermutlich gingen derartige Nachrichten auch früher schon bei Betroffenen ein. Das Fehlverhalten Einzelner wird aber doch nun nicht durch den BVB legitimiert und als richtig eingestuft.

Wenn der BVB nun von diesem Transfer Abstand genommen hätte, wäre dies sicherlich auch medial begleitet worden. Es hätte womöglich sogar ein öffentliches Statement des BVB gegeben, dass man nunmehr zur Ansicht gelangt wäre, dass ein Spieler nicht die Werte des BVB erfüllt und deshalb nicht verpflichtet werden könnte. Ich stelle die These auf, dass das zu deutlich schlimmeren Reaktionen (in den sozialen Medien) geführt hätte und insb. die Kritiker des Transfers mehr in die Schusslinie genommen hätte. Da mag ich mich irren, ich wollte es als Denkanstoß aber mal einwerfen.


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