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Nepal (Fußball und Sport allgemein)

istar, Dienstag, 20.12.2022, 10:14 (vor 1134 Tagen) @ Dortmunder Jung

Ich antworte etwas ausführlicher. Es lesen ja noch andere mit.


Natürlich hättest du auch inhaltlich antworten können. Aber ist halt schwieriger.

Mein Tipp für dich: wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Sieh hierzu deinen letzten Satz unten.

Selbst mein letzter Satz war inhaltlicher als dein Ausfangspost, zumindest wenn man Ironie erkennen kann.
So hat man sich nach dem Ausscheiden in Katar derbe über die „Mund zu halten“-Geste lustig gemacht, allerdings war die Geste gegen die FIFA gerichtet, eher nicht gegen Katar.

Das Kafallasystem wurde übrigens auf betreiben der ILO abgeschafft, ebenso wurde auf betreiben der ILO eine Arbeitsgerichgsbarkeit eingerichtet, an die sich Arbeiter wenden können, die kein Geld bekommen haben.
Auch wurde die Ruhezeit über Mittag in den heißen Monaten ausgeweitet.


Es ist gut, wenn es Verbesserungen gab. Das halte ich aber nicht für das Verdienst der ILO, sondern ist m.E. dem weltweiten Medien-Fokus zu verdenken, in dem Qatar mit der Ausrichtung der WM stand. Und dass die Medien soviel darüber geschrieben haben, hängt mit dem Interesse der Öffentlichkeit zusammen.

Die ILO hat diese Verbesserungen aber vorgeschlagen, die Medien haben sich mehrheitlich erst kurz vor der WM auf das Thema gestürzt, in den zwölf Jahren davor lief bestenfalls mal irgendwo eine Doku kurz vor Mitternacht.
Letztendlich ist das aber auch egal, wenn die Änderungen Bestand haben.

Aber es auch nicht alles Gold, was glänzt. Der Tagespiel schreibt noch am 18.11.2022: „Zeitgenössische Form der Sklaverei“: Katar, das Kafala-System – und das Leben der Arbeitsmigranten. Um das Image vor der Fußball-WM zu verbessern, hat das Emirat das Leibeigenen-System abgeschafft. Doch Arbeiter werden weiterhin ausgebeutet und unterdrückt."

Ich hab nie behauptet, in Katar wäre alles super, ich hab lediglich auf Verbesserungen hingewiesen. Die wichtigste davon ist die Abschaffung des Kafallasystems.

Und ja, dickes Luxusproblem, nachdem die deutsche Industrie gute Geschäfte gemacht hat und unser Wirtschaftsminister um Gas gebettelt hat, boykottieren deutsche Sofamoralisten (Zitat aus dem Kicker)mit Gratismut ein paar Fußballspiele.

Das Einzige, was du korrekt aus dem Kicker-Kommentar zitierst ist das Wort "Sofamoralisten". Aber der Kicker-Kommentar lohnt sich. Hier ist für alle der Link auf den gesamten Kicker-Kommmentar. Es wird unter anderem geschrieben, dass es weitere, unaufschiebare Themen gibt. Konkret geht es um einen "Entschädigungsfonds für Gastarbeiter und Hinterbliebene", sowie eine transparante Vergabe von Sportgroßereignissen. Kann jeder selbst nachlesen in dem Abschnitt mit der Überschrift „Aufgaben“. Also das Gegenteil von es hat ja Verbesserungen gegeben, jetzt gebt doch mal Ruhe. Eher, Leute, bleibt dran.

Ja, ist alles vollkommen richtig, aber wenn in Deutschland Leute Spiele nicht gucken, weil es zu kalt zum grillen ist,dann verändert das nichts,höchstens das eigene Wohlbefinden. Und die Gründe,warum man aus deutscher Sicht von Doppelmoral sprechen kann wiederhole ich jetzt nicht.

Davor zittert jetzt die Welt.

Diese sarkatische Antwort von dir spricht Bände.

Siehe oben, wir haben uns sportlich und haltungstechnisch blamiert, Katar und Infantino haben nach Punkten gewonnen.
Infantino, weil er auf Faesers Binde zeigen konnte und Katar,weil sie genüsslich noch während der WM den Gasdeal verkünden konnten.

Das war mehr als nur "Sofamoralisten". Warst du bei Bundesligaspielen? Ich glaube, dass die WM-Boykott-Aufrufe der Fans in den deutschen Fußballstadien (also nicht nur vom "Sofa" aus), viel dazu beigetragen haben, dass das Thema in Deutschland so diskutiert wurde, und das Interesse in Deutschland an dieser WM deutlich geringer war, als bei anderen WMs. Für andere Länder kann ich es nicht beurteilen. Deutschland alleine hat nur geringen Einfluss. Der auf Profit getrimmten FIFA würde ein größerer Protest durchaus weh tun. Die deutsche Politik und der DFB waren sicherlich manchmal ungeschickt. Aber hinterher ist man immer klüger.

Für das geringere Interesse dürfte es auch noch andere Gründe geben,z. B. der Zeitpunkt im Winter. Dafür darf der Weltmeister diesmal im Sommer feiern, gönne ich denen.
In deutschen Stadien wurden Banner hochgehalten mit „15.000 Tote für 5.600 Minuten Fußball „, ich hab mich dann damit befasst, was da dran ist. Mittlerweile dürfte jedem bekannt sein,der es wissen will, dass diese Zahl bezogen auf auf Baustellen gestorbener Arbeiter völlig unhaltbar ist. Auch die einstmals vom Guardian veröffentlichte Zahl 6.500 ist es,dafür kann der Guardian aber nichts.

Wie schon weiter oben geschrieben: ohne dem großen, weltweiten (nicht nur in Deutschland) Interesse an den Arbeitsbedingungen in Qatar hätte es die bisherigen Verbesserungen nicht gegeben. Da sind sich Befürworter und Gegner der WM tatsächlich einig. Bei der Bewertung der Verbesserungen teilen sich allerdings die Meinungen. Der Kicker (und andere) halten sie nicht für ausreichend. Ob sich bei WM-Vergaben in den nächsten Jahren etwas ändern wird, weiß ich nicht. Aber hoffen tue ich immer.

In Katar ist vieles aus unserer Sicht nicht ausreichend. Will man da was erreichen geht das nur langsam und mit Dialog, nicht mit dem erhobenen Zeigefinger,schon gar nicht, wenn man gerne Geschäfte macht oder gerne deren Kohle nimmt.

Interesse und Medienaufmerksamtkeit haben auch mit Protesten zu tun. Was einen selber betrifft, muss letztendlich jeder für sich selbst wissen, ob und wie er sich informiert und verhält.

Für mich war das Thema Boykott durch, nachdem ich mich mit dem Gesamtkontext aus deutschen Geschäften,tatsächlichen bzw. nachweisbaren Todeszahlen und dem Verhalten vom Rest der Welt bzgl. det WM auseinander gesetzt habe.
Für mich ist eine WM aber auch ein großes Ding, ein Verzicht wäre mir schwer gefallen.


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