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Resümee der WM-Boykottierer (Fußball und Sport allgemein)

padre.serata, Alicante, Montag, 19.12.2022, 16:55 (vor 1134 Tagen) @ Chill-Instructor

Vielen Dank für diesen Thread zunächst. Schön, die vielfältigen Gedanken zu lesen, und auch die Fans dahinter etwas kennenzulernen.

Ich hatte für mich nie einen klaren Katar-Boykott formuliert, sondern wollte mich selbst überraschen lassen. Also die absolut falschen Voraussetzungen für ein entschiedenes Vorhaben. Dennoch bin ich zufrieden.

Für meine Verhältnisse ist diese WM an mir vorbeigerauscht wie kein grosses Turnier seit 1992, als ich zu kucken begann (mit 10 Jahren). Ich habe absichtlich das Einschalten zu den Spielen und die meisten WM-Nachrichten gemieden und mich auch immer wieder selbst korrigiert.

Dass wir dennoch einige Spiele kuckten, hat mit den Kindern zu tun. Ich habe gesehen, wie sie mit den Mitschülern Freude und Enthusiasmus entwickelten (das war der Vorteil der WM, die mitten im Schuljahr stieg). Diese doch noch präsente gute Kraft des Fussballs wollte ich gerade dem Sohn (jetzt 10) nicht nehmen.

In unserem familiären Fall verfolgen wir mehrere Länder, weshalb ich immer noch einen Mehrwert im Anschauen von Nationalmannschaften sehe: Die Kinder lernen die Hymnen kennen, die Namen, das Aussehen, Verhalten, auch etwas von den Sprachen.

Bei der Katar-WM und dem Tamtam drumrum konnte man mit den Kindern auch Menschenrechte und globale Politik ansprechen. Das fand ich sinnvoll. Warum haben wir die WM 2022 nicht total boykottiert? Auch, weil ich bei der grossen Empörungswelle nicht ganz mitgehe.

Seit jeher ist vieles im Hintergrund des Weltfussballs unsauber. Seit jeher gehen WMs in Länder, in denen schwere Menschenrechtsverletzungen passieren. 1982, als ich geboren wurde, stieg die WM in Spanien, die 1966 an den Diktator Franco vergeben worden war. 1978 stieg die WM in Argentinien, als gäbe es keine folternde und mordende Militärdiktatur.

Das ist kein Grund dafür, heutige Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu tolerieren. Aber es hilft, bestimmte Dinge auch relativ zu sehen, und vielleicht zu hoffen, dass beim Fussball doch ein gewisser Funke Fair-Play auf ein Gastgeberland überspringen kann.

Gruss!


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