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Ich freue mich ja auch über die Null, aber... (BVB)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Sonntag, 01.11.2020, 18:15 (vor 2182 Tagen) @ TerraP

Ich finde das übrigens krass. Als ich das irgendwann kapiert hatte - vor zehn Jahren? - dachte ich: Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis in allen Mannschaften alle Offensivkräfte konsequent mitarbeiten. Absolute Superstars vielleicht mal ausgenommen.

Und heute? Ist das Problem gefühlt immer noch so groß wie früher, aller Professionalisierung zum Trotz.

Hierzu ein kleiner Blick zurück in die Fußballhistorie.

Als Hennes Weisweiler Mitte der 70er von Barça als Nachfolger von Rinus Michels verpflichtet wurde, hatte er von Beginn an Johan Cruijff als Gegner. Dieser hatte unter Michels eine carte blanche auf dem Platz und hatte keine Defensivaufgaben zu übernehme. Diesen Sonderstatus fürchtet er unter Weisweiler zu verlieren. Und in der Tat richtete Weisweiler das Spiel dergestalt neu aus, dass auch die Offensivkräfte, darunter eben auch Cruijff, Defensivarbeit zu erledigen hatte. Dem widersetzte sich Cruijff, der sich u.a. öffentlich gegen Weisweiler positionierte. Als wegen mangelnder Defensivleistungen Cruijffs in einem Spiel zwei Gegntreffer fielen, Barça dass Spiel verlor und Cruifff nach seinen Fehlern ausgewechselt worden war, eskalierte die Situation. Es lief auf ein ‚Er oder Ich’ hinaus. Cruijff stand vor einer Vertragsverlängerung, die Clubführung wollte ihn halten und entschied sich, ihm den neuen Vertrag zu geben. Was Weisweiler als Schwächung seiner Position verstehen musste und um Auflösung seines yvertrages bat.

Direkt im Anschluss verpflichtete der EffZeh Weisweiler. Und auch dort fand er mit Wolfgang Overath einen Starspieler vor, der keine Defensivaufgaben übernehmen wollte. Was am Ende dazu führte, dass Oberath seine Karriere beendete und Weisweiler den EffZeh zum Double führte. Es gab damals allerdings bereits Stimmen, die darauf hinwiesen, die Clubführung hätte sich in diesem Konflikt nicht unbedingt hinter Weisweiler gestellt, wenn Overath nicht ohnehin in der Endphase seiner Karriere gewesen wäre.

Es gäbe sicherlich Hunderte solcher Beispiele, interessant an gerade diesen finde ich folgendes:
Oberath begann seine Profilaufbahn, als es in Europa noch üblich war, dass Verteidiger und Stürmer die Mittellinie nicht überschritten. Die einen nicht nach vorne, die anderen nicht nach hinten. Aber der Fußball änderte such im Laufe seiner Karriere und in der Nationalmannschaft hat er durchaus auch Defensivaufgaben übernommen. Nur im Club beanspruchte er immer eine Sonderrolle, die ihm auch zugestanden wurde. Und Cruijff war ja mittendrin, als der niederländische ‚totale Fußball‘ entstand. Und dieser Fußball sieht vor, dass alle Spieler offensiv wie defensiv agieren. Außer König Johan, der sich seines Ausnahmetalentes immer bewusst war und immer auf seine Sonderstellung pochte. Wobei er später als Trainer die Dinge anders gesehen hat.

Seitdem sind so einige Jahrzehnte vergangen. Neue Erkenntnisse haben sich im Fußball durchgesetzt, alte wurden bestätigt. Das Problem der mangelnden Defensivarbeit der Offensivkräfte jedenfalls ist geblieben. Vielleicht in anderer Form als in den früheren Jahrzehnten, auch nicht immer und überall, aber prinzipiell ist es nicht verschwunden. Was mAn daran liegt, dass sich menschliche Verhaltensweisen auch nicht inbedingt ändern. Im Zweifelsfall steht die Clubführung halt nach wie vor nicht hinter dem Trainer, der von seinen Offensivstars die Übernahme von Defensivaufgaben fordert.

Klopp hat beim BVB einen Fußball etabliert, der die Übernahme von Defensiv- wie Offensivaufgaben von Offensiv- wie Defensivspielern zwingend erfordert. Er konnte dies, weil er diesen Fußball in einem Team voller junger no-names implementiert hat und sich von nicht geeigneten/gewillten Spielern getrennt hat. Entsprechende Konflikte kamen daher gar nicht erst auf und im Fall des Falles hätte die Clubführung auf seiner Seite gestanden.

Anders sah es da vielleicht schon aus, als wir unser neues ‚Geschäftsmodell‘ ins Leben gerufen haben. Jeder wusste, dass wir einen Dembélé irgendwann teuer verkaufen wollten. Viele wollten ihn haben, wir haben ihn bekommen. Weil,wir ihm Spielzeit geboten haben. Jeder hat auch gesehen, was für ein Offensivkünstler Dembélé ist. Allerdings hat auch jeder gesehen, dass Dembélé und Defensivarbeit eine absolutes Gegensatzpaar ist. Letztlich blieb Tuchel nichts anderes übrig, als auf dem Feld hinter Dembélé einen Spieler zu installieren, der in erster Linie dessen Defensivaufgaben erledigen sollte.was uns viele tolle Aktionen und so manches Traumtor Dembélés beschert hat, die Mannschaft als Ganzes aber in ihrem Spiel eher limitiert hat. Tuchel hätte Dembélé auch auf die Bank setzen können. Ob die Clubführung dies allerdings über einen längeren Zeitraum und bei entsprechendem Gemotze des Spielers mitgetragen hätte, weiß ich nicht..Dembélés Marktwert wäre sicherlich nicht gestiegen.

Es ist dabei auch nicht so, dass dieses Phänomen nur bei auf solche ‚Starspiler‘ begrenzt wäre. Demnélés finden sich (in Relation selbstverständlich) durchaus auch bei andern Clubs in jeder Liga. Und da kann der Trainer halt nicht immer mit der vollen Rückendeckung dér Clubführung rechnen. Was fast schon der Normalfall ist. Außer der Club ist nicht auf Transfererlöse angewiesen Und gibt seinem Trainer freie Hand. Was nicht so häufig der Fall ist. Guardiola bei ManCity, Klopp bei Liverpool, so viele mehr fallen mir da ad hoch nicht ein. Tuchel beim PSG gehört sicher nicht dazu. Der muss Meymar, Mbappé oder Di María bei Laune halten. Was sicher weniger mit der Forderung nach Wahrnehmung von Defensivaufgaben einhergeht.


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