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Nur kein Neid… (BVB)

Dimmsonen, tiefste Eifel, Mittwoch, 19.02.2020, 21:38 (vor 2396 Tagen) @ QUOTI

Ich habe auf der Ost, Unterrang, Höhe 16er Linie gesessen.
Naja, sehr oft auch gestanden und ich fühle mich für das 2:1 ein bisschen mitverantwortlich.
Nach dem verf##### Ausgleich gab es ca. 30 Sekunden Schockstarre, dann ging die Süd ab und das Stadion stand auf...und Erling, der total verrückte Junge, knallte den Ball in die Maschen.
Wie viele um mich herum packte ich mich an den Kopf und fragte lauthals: was macht der denn da?

Einen Großteil der Nacht habe ich mit meiner Borussia verbracht. Das alte Luder hat mich wieder total begeistert und um den Schlaf gebracht, so dass ich hundemüde aber überglücklich jetzt meine Arbeit im Büro erledige.

Block 41? War zum ersten mal dort und ich muss sagen dass ich den Abend bombastisch fand. Ich muss gestehen ein sehr lautes Organ zu haben und immer noch das Gefühl habe es als Privileg zu empfinden einen Platz besetzen zu dürfen. Darüber hinaus bin ich eher der Bier-ruhige Typ, sofern ich ausgelastet bin. Würde ich jedoch ein Video meiner 90 Minuten sehen, wäre sehr wahrscheinlich Scham das dominierende Gefühl. Aber gestern waren um mich rum ähnliche Chaoten. Ich glaube eh dass das Potential der Tribünen viel größer ist als meist abgerufen, aber es braucht eine Initialzündung damit man sich als lautstarker Unterstützer nicht wie der Vollassi von nebenan fühlt. Wenn ich ein Spiel beobachten will würden mir Typen wie ich es bin ziemlich auf den Sack gehen. Aber gestern, eventuell auch in dem Block, war es eine gottverdammte Pöhleratmosphäre die einfach unendlich gut tat.

Jetzt ein paar Stichworte die mir durch den Kopf gehen.

Neymar: der ist schon ein ziemlich geiler Zocker. Auch wenn ich mich mehr auf Mbappe gefreut habe, so war sein Auftritt wohl nachhaltiger. Weitestgehend aber nicht im positiven Sinn. Der Kollege ist so begnadet, sein Potential ist ziemlich selten. Und seine Darbietung war ziemlich konsistent. Vor dem ersten Freistoß definierte er gekonnt die Messlatte für seine zukünftigen darstellerischen Improvisationen. Der Blick für die Situation ist entscheidend. Neymar sah ein Bein, das Bein sah Ihn. Obwohl es beim Blickkontakt blieb und es somit kaum Kontakt gab, sah ich zuletzt so viel Schmerz im Gesicht von Ewald Lienen. Bei der Dynamik reicht solch ein Kontakt natürlich für einen Freistoß. Aber ab da gab es für ihn keinen Weg zurück und trotz der hohen Messlatte wusste er mit jeder Stufe der Schmerzeskalation zu überzeugen. Vermutlich half ihm der alte Trick sich Szenarien zu visualisieren um glaubwürdig rüber zu kommen. ( Hat mir mal eine Exfreundin verraten die sowas vor mir machen musste). Diente bei besagtem Foul noch die Vorstellung einer Selbstpenektomie als Rollenvorbild, so müssen spätere Schmerzen deutlich üblere Ursachen haben. Kein Plan was in dem Hirn von dem Typen vorgeht, aber so lange er es sich dadurch rechtfertigt mehr Schutz genießen zu müssen und es auf diesem Wege erreichen möchte, wird er niemals dort hin kommen wo er sich selber sieht. Was hat er sich den Hass des Stadion erarbeitet und man sah dass es ihm was bedeutet. Er reagierte sogar mehrfach und somit wohnten wir gratis in seiner Birne.

Die Tribüne(samt Choreo): Wie oben beschrieben war es um mich rum ziemlich geil. Angefangen bei der Choreo, wo ich mich dabei erwischte mich kurz zu fragen, welche von Beiden(Freitag/Gestern) ich geiler fand. Dann stellte ich aber fest dass ich mich auch noch nie fragte ob ich Currywurst oder Schnitzel geiler finde, weil es einfach keinen Sinn ergibt zwei perfekte Sachen zu vergleichen. Für mich ist unser BVB so etwas wie ein Schrittmacher, aber wenn ich die Liebe der aktiven Fanszene sehe muss da sogar noch mehr sein. Ich bin verdammt stolz auf den gestrigen Abend. Ich fühlte mich wieder als Zahnrad, nicht als Statist. Kein Kunde, sondern Bestandteil. Kurz zurück zu Neymar: die Pfeifkonzerte waren pure Fußballromantik. Eine Ode an das Proletariat. Ein Fingerzeig für jeden gegnerischen Spieler der glaubt was besseres zu sein.

Die Mannschaft: ich will jetzt keinen Spieler besonders herausheben weil solch eine Leistung nur zu erbringen ist, wenn vieles im „Hintergrund“ richtig läuft. Daher werde ich mich hüten einen Namen zu nennen. Emre Can! Fuck, ich konnte nicht anders. Als ich ihn in den ersten Interviews sah war ich merkwürdig optimistisch. Ich begann den Transfer zu verstehen als er seinen Mund öffnete und einfach Pöhlersachen sagte und ich merkte dass er vermutlich nicht viele richtigen Antworten im Leben hat, aber diese genau zu unseren Problemstellungen passen. Offensichtlich versteht er die Mechaniken des Spiels sehr gut, kann antizipieren, ist reaktionsschnell und er kann geil spielen UND Verantwortung für Andere übernehmen. Und wo wir schon dabei sind niemanden einzeln hervorzuheben denke ich an Guerrero. Gibt es in Dortmund ein neues spanisches Bordell? Haben Tappas Currywurst verdrängt( zweimal Currywurst in einem Post sind kein Zufall)? Erinnerte der ziemlich warme Sommer am Phönixsee an die Costa Brava? Ich weiß es nicht, aber er scheint sich offensichtlich wohler zu fühlen. Ich dachte mir immer wie geil er wäre wenn er konstant spielen würde. Aber, liebe Grüße an Dunning-Kruger, konnte ich mir nicht vorstellen wieviel mehr sogar noch geht. Über Haaland braucht man ja kein Wort zu verlieren. Er läuft halt so mit und fällt nicht weiter negativ auf. Witsel ist auch wieder zurück. Arsch raus und zur Not fallen lassen ist eine Vereinigung der beiden Robbenschen Signature Moves. Arsch Raus ist wie am 16 er reinziehen und mit links schlenzen. Kannste nix gegen machen. Das auf den Ball fallen ist die avantgardistische Form der Schwalbe. Auf der 8 zeigt er auch eine ziemlich krasse Übersicht.

Die Verteidigung: Alle, also wirklich jeder im Stadion, hat mit verteidigt. Dadurch kamen die entsprechenden Geschwindigkeitsvorteile der Stürmer selten zur Geltung. Don-Axel Zagadou sah beim Gegentor als letztes Glied nicht besonders gut aus, aber unter dem Strich ist das schon ziemlich verrückt was er so spielt. Dass wir einen Teil der Lösung in den eigenen Reihen hatten und ihn nicht einsetzen, rechne ich Favre nicht als Fehler an. Mit der Defensivanlage der Hinrunde hätte er auch nicht immer so souverän gewirkt. Trotzdem ist er eine Granate.

Der perfekte Abend endete um 5 Uhr bei mir zuhause mit einer Currywurst von der Tanke und dem Grinsen bei dem Gedanken über das Grinsen am nächsten Morgen. Da mein Nachbar um 8 Uhr begann fünf Meter von meinem Schlafzimmer entfernt Holz zu zerkleinern, hat ausnahmsweise das mit dem Grinsen zum Aufwachen nicht geklappt.


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