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Klopps letzte bvb hinrunde mit xg statistik (BVB)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Dienstag, 10.04.2018, 13:33 (vor 2831 Tagen) @ virz3

Ich hatte über diese statistische Auswertung, aus der sich dann xG entwickelte, seinerzeit gelesen und gehört. Irgendwo würde das thematisiert. xG hat vieles für sich, weil es als Grundlage vieles erfasst. Allerdings kann es nicht alles erfassen, und darunter befinden sich diurchaus wichtige Dinge, die gerade beim Klopp-Fußball entscheidend sein können.

In diesem Zusammenhang wäre es mMn einmal interessant, die Saison 11/12 im Vergleich zu sehen. Warum? Nach dem sehr durchwachsenen, enttäuschenden Start änderten Klopp und Buvac die Spielweise. Nicht so viel, als dass es sehr augenfällig geworden wäre. Aber entscheidend. Man kann es als einen Schritt in Richtung Ballbesitzfußball bezeichnen. Die ersten Spiele hatten gezeigt, dass sich die Gegner verstärkt zurückzogen und die Gegenpressingsituationen für den BVB weniger wurden. Was das Spiel des BVB erschwerte, insbesondere wenn de Gegner Gegnpressingsituationen verstärkt nur in in ungefährlichen Zonen zuließ. Das typische beim Gegenpressing des BVB im Gegensatz zu dem des FC Barcelona war es, dass direkt nach der Rückeroberung des Balles vertikal oder Diagonal nach vorne gespielt wurde, um zu einer Torchance zu kommen, einen Torabschluss zu erzielen. Das ganze mit einen sehr hohen Geschwindigkeit, um die Vorwärtsbewegung des Gegners und die damit verbundene schwierige Rückorientierung auszunutzen. Das wirkt alles sehr dynamisch, es besteht aber auch die Gefahr, dass aus Dynamik Hektik wird. xG erfasst, aus welcher Position die Schüsse auf das Tor abgegeben werden. Aber erfasst es auch, ob der Schütze nicht aus einer noch besseren Position hätte abschließen können? Oder ob ein Mitspieler vielleicht besser positioniert war, den Ball aber nicht erhalten hat? xG erfasst auch nicht die Situation des Schützen beim Schuss. Würde er von der Defensive des Gegner bewusst in eine eher ungefährliche Zone abgedrängt? Mit welcher Ruhe und Überlegtheit erfolgt der Abschluss? Der FC Barcelona hhhat das Gegenpressing unter Guardiola nahezu zur Perfektion entwickelt. Aber anders als bei der Kloppschen Variante nicht zur direkten Einleitung eines Gegenangriffs, sondern um wieder in Ballbesitz zu kommen und weiter in Ruhe die gegnerische Mannschaft auszukombinieren und vom eigenen Tor fernzuhalten. Leider ist es damals nie zu einem Aufeinandertreffen des BVB mit Barça gekommen, das wäre wohl das damals spannendste Aufeinandertreffen nicht nur aus taktischer Sicht gewesen. Jedenfalls hat Klopp in 11/12 nach den ersten Spielen die ‚Wildheit‘ aus dem Gegnpressing genommen und mehr Ruhe und Abgeklärtheit ins Spiel gebracht, mehr Überlegtheit in Verbindung mit mehr Ballbesitzphasen. für mich war dies, insbesondere in der Rückrunde der beste Fußball, den Klopp beim BVB hat spielen lassen. In den darauffolgenden Spielzeiten entwickelten Klopp und Buvac diesen Ansatz nicht weiter, sondern kehrten eher (zumindest tendenziell) zu der ursprünglichen Ausprägung zurück.

In der Hinrunde 14/15 kamen viele Dinge zu einer unglücklichen Mischung zusammen. Verletzungen spielten eine Rolle, verspäteter Einstieg der WM-Teilnehmer, Formkrisen einzelner Spieler kamen hinzu, Abgänge wichtiger Spieler konnten nicht annähernd kompensiert werden.neue Spieler erwiesen sich als nicht tauglich, Unkomzentriertheiten in der Abwehr häuften sich, Pech war auch im Spiel. Auch waren die Gegner wesentlich besser eingestellt auf den BVB. Sie verstanden es immer besser, das Gegenpressing des BVB in ungefährliche Zonen auf den Flügeln abzuleiten, man stand sehr kompakt und tief. Zumindest viele Gegner. Der BVB erhielt hohe Ballbesitzanteile, verfügte aber über kein adäquates Ballbesitzspiel. Je länger ein Spiel dauerte, umso nervöser würde man, umso mehr wurde aus Dynamik Hektik. Was wiederum Einfluss auf die Konzentration beim Torabschluss hat. Erst als Klopp in und nach der Winterpause daran gearbeitet hat, das Gegenpressing wieder in die gefährlichen Zonen zu bekommen, würde es wieder wesentlich besser.

Das Kloppsche Pressing-/Gegenpressingspiel beinhaltet immer auch in der Gefahr, das zu früh oder zu unkonzentriert abgeschlossen wird. Aber die Rechnung, dass aus einer Vielzahl von Chancen, die sich ergeben, auch eine ausreichende Anzahl Tore zum Gewinn des Spiels resultieren, erweist sich ja oft genug als richtig. Andere Teams setzen nicht so sehr auf die Kreiierung vieler, dafür aber besonders guter Chancen, die in Ruhe herausgespielt werden und mit höherer Konzentration abgeschlossen werden. Beides kann erfolgreich sein. Die Gefahr des Fußballs à la Klopp liegt eben darin, dass aus Dynamik Hektik wird. Und genau dies war im Laufe der Hinrunde in vielen Spielen gegen tief stehende Gegner der Fall und entwickelte sich zu einer Abwärtsspirale. Die Winterpause hätte nicht später kommen dürfen. Nach der Winterpause dauerte es zwar noch etwas, bis sich Klopps Änderungen positiv auswirkten, aber mit den ersten Erfolgserlebnissen wich die Hektik auch wieder der Dynamik. Manchmal tut Ruhe ganz gut.


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