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Landtagswahl in Sachsen-Anhalt (Politik)

Ulrich, Sonntag, 06.09.2026, 12:06 (vor 2 Stunden, 11 Minuten) @ Sascha

Ich habe in den letzten Wochen mehr Zeit damit verbracht, Meldungen, etc. zu Sachsen-Anhalt zu lesen, als ich eigentlich vorgehabt hatte, hier einige Eindrücke.

Vorweg, damit es für die AfD relativ sicher nicht reicht, müssen neben der CDU sowohl SPD und Grüne in den Landtag einziehen, das BSW muss scheitern. Danach sieht es nach den aktuellen Umfragen auch aus. Allerdings gibt es hier natürlich Unsicherheiten.

Sven Schulze, Ministerpräsident, CDU-Landesvorsitzender und Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, ist meiner Meinung nach schwach gestartet, hat aber im Verlauf des Wahlkampfs an Statur gewonnen. Auf mich macht er zudem den Eindruck, dass er menschlich zu den angenehmeren unter den Politikern gehört. Sein Problem ist, dass er aller Wahrscheinlichkeit in irgendeiner Form auf die Linke angewiesen sein wird, falls er erneut zum Ministerpräsidenten gewählt werden will. Ab dem dritten Wahlgang reicht in Sachsen-Anhalt die relative Mehrheit im Landtag zur Wahl. Falls sich die Linke enthalten würde, hätte nach allen bisherigen Umfragen die AfD diese relative Mehrheit. Angesichts des Unvereinbarkeitsbeschlusses der CDU zur Linken ist das ein echtes Problem. Das war deshalb auch das einzige Thema, bei dem Schulze in Interviews, TV-Duellen, etc. massiv ausgewichen und ins Schleudern geraten ist.

Leider haben in Schulzes eigener Landespartei mittlerweile einige Parteifreunde in den Selbstzerstörungsmodus geschaltet. Der bekannte Bundestagsabgeordnete und führende Vertreter des rechten Parteiflügels, Sepp Müller, hat erklärt, Ulrich Siegmund mit der AfD einen Regierungsbildungsauftrag hätte, falls sich die Umfragen bestätigen würden.

https://www.stern.de/news/moeglicher-afd-wahlsieg-in-sachsen-anhalt-sorgt-in-bundes-cdu-fuer-diskussionen-38207410.html

Im Grunde hat Müller damit die Weiße Fahne gehisst. Das war nicht nur ein Schlag in das Gesicht des eigenen Spitzenkandidaten, sondern auch der Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer an den Infoständen, etc. die bis zuletzt unterwegs waren. Ähnlich geäußert hat sich auch der Landtagsabgeordnete Alexander Räuscher, der während seiner politischen Karriere in eine ganze Reihe von Skandale verwickelt war. Auch er ein Rechtsausleger, der unter anderem gefordert hatte, die Grünen vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen und der einem damaligen Landesvorsitzenden per Mail Fotos zukommen ließ, die man durchaus als Bedrohung interpretieren konnte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_R%C3%A4uscher#Kontroversen

In einer Situation, in der es um die Mobilisierung von Wählerinnen und Wählern geht, ist so ein Verhalten im hohen Maße kontraproduktiv.

Was die AfD angeht, so hat sie wohl bewusst bei der Auswahl ihres Spitzenkandidaten auf den äußern Schein gesetzt. Ulrich Siegmund würde ich als das "freundliche Gesicht der AfD" bezeichnen. Er ist das zunächst einmal sympathisch herüberkommende Aushängeschild, hinter ihm stehen aber knallharte Neonazis. Der Mann kennt weder das eigene Parteiprogramm noch das eigentliche Wahlprogramm, bei Sachfragen ist er sofort komplett blank.

Im Hintergrund zieht vor allem Hans-Thomas Tillschneider die Fäden, ein völkischer Rechtsradikaler aus dem Umfeld von Götz Kubitschek. Tillschneider gilt als "Vordenker" und als "Mastermind" der AfD Sachsen-Anhalt, er besitzt zudem sehr enge Verbindungen zu Russland, unterstützt den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und war auch nach dem Beginn der Invasion noch als Gast in Russland.

Tillschneider war vor etwa zwei Wochen Gast im Podcast der Journalistin Melanie Amann und wurde von der durch konsequentes Nachfassen immer dann, wenn Tillschneider einer Frage mal wieder ausgewichen war komplett zerlegt. Am Ende warf er das Handtuch und flüchtete aus der Aufnahme, um dem Knockout auf offener Bühne zu entgehen.

https://www.youtube.com/watch?v=2f7WXiASfvw

Auffällig war, dass Tillschneider zunächst Kreide gefressen hatte. So bestätigte er beispielsweise, dass die Heimattreue Deutsche Jugend, deren ehemalige Vertreter man zuhauf in der AfD Sachsen-Anhalt findet, offen neonazistisch war. Allerdings warf er ein, dass die allesamt seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr dort aktiv seien, und sich geändert hätten. Er "vergaß" allerdings zu erwähnen, dass diese Personen bei der HDJ keineswegs ausgetreten waren, stattdessen war die Vereinigung verboten worden. Kurz bevor er flüchtete, sprach er davon, dass die rechtsterroristischen "Sächsischen Separatisten" lediglich eine Wandergruppe gewesen seien, die abends am Lagerfeuer ein Bier getrunken hätten.

Das ist diese Gruppe: https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%A4chsische_Separatisten

Wenn Tillschneider "Mastermind" und "Vordenker" ist, wie unterbelichtet muss dann erst der Rest der Truppe sein?


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