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U23: Justin Njinmah (MS) kommt auf Leihbasis (mit KO) von Werder Bremen II (BVB)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Donnerstag, 06.01.2022, 14:49 (vor 1738 Tagen) @ Reviewer

Zwei Fragen an Will Kane, falls er das liest.

Hätte JN auch Potential für unsere Profis?
Und weißt Du, warum Werder ihn schon nach so kurzer Zeit verleiht bzw. verkaufen würde?

Danke!

Grundsätzlich würde ich diesen Transfer nicht zu hoch hängen.

Die Ausgangssituation scheint mir hier wichtig zu sein. Werder II spielt in der Regionalliga Nord, die momentan in eine Nord- und Südgruppe mit 11 bzw. 10 Teams aufgeteilt ist. Man hat in der Gruppenphase fast durchweg mir dem VfB Oldenburg an der Spitze gelegen und befindet sich mittlerweile in der Meisterschaftsrunde, die aus den jeweils besten 5 Teams beider Gruppen gebildet wird. Es geht also um Regionalliganiveau, wenn auch im Spitzenbereich.

In dieser Regionalligamannschaft Werders stechen zwei Spieler in dieser Saison heraus. Das sind die beiden Stürmer Tim van de Schepop und Justin Njinmah. Beide weisen in dieser Saison bislang fast identische Scorerwerte auf, wobei Werder II unter Trainer Konrad Fünfstück in dieser Saison in einem Zweistürmersystem spielt.

van de Schepop wurde bei Twente Enschede ausgebildet und kam bereits in der Vorsaison zu Werder II. In dieser Saison kam er aber wegen Rückenproblemen kaum zum Einsatz. Dennoch verlängerte Werder den Vertrag mit ihm, weil man von seinen Qualitäten überzeugt war/ist. Die Ursache der Rückenprobleme ist zwischenzeitlich gefunden worden und scheint nach einer Reha auch auskuriert zu sein.

Justin Njinmah kam ablösefrei vor dieser Saison aus der U23 von Holstein Kiel zu Werder. Der neue Cheftrainer Werders, Ole Werner, kennt ihn aus Kieler Zeiten im Nachwuchsbereich. Allerdings hat er kaum mit ihm arbeiten können, da Njinmah verletzungsbedingt häufig ausfiel. Bei Werder II blieb er bislang von Verletzungen verschont

Beide Stürmer zeigen in dieser Saison bislang sehr ansprechende Leistungen und scoren erfolgreich (jeweils 14 Tore in 18 Saisonspielen und 5 bzw. 6 assists. Beide Spieler sind technisch beschlagen, Njinmah dürfte hier etwas stärker einzuschätzen sein. van de Schepop hingegen ist der robustere Stürmer der beiden, der sich im direkten Zweikampf vielleicht besser durchsetzen kann. Schnell sind beide. Njinmah wirkt dabei etwas wendiger, weicht in seinem Spielstil gerne auch auf die Flügel aus, um dann wieder nach innen zu ziehen. Er geht auch gern eins Dribbling. van de Schipop hingegen ist derjenige, der die Box besetzt. Er ist ein Jahr älter als Njinmah.

Bei der Einschätzung des (neuen) Trainerteams in Absprache mit der sportlichen Leitung, wen man von den U23-Spielern zum Training mit den Profis hochziehen könnte, fiel die Entscheidung für van de Schepop. Beiden Spielern wird attestiert, eigentlich Drittliganiveau zu haben. Eine Weiterentwicklung beider Spieler müsste folgerichtig in einem Drittligateam erfolgen.

Für die 2. Bundesliga dürfte es für beide Spieler aus Sicht der Verantwortlichen momentan noch nicht reichen; ob dies überhaupt je der Fall sein wird, muss sich ohnehin zeigen. Für das Training mit der Zweitligamannschaft hat man van de Schepop als als geeigneter eingestuft; vielleicht auch weil er etwas älter ist und robuster erscheint und eher zu den Stürmern des Profiteams passt. Füllkrug, Ducksch und auch der junge Woltemade sind eher die robusteren Typen, welche die Box besetzen und eher durch die Mitte und nicht über die Flügel kommen.

Bedenken sollte man auch, dass Ole Werner wie auch sein Vorgänger Markus Anfang eigentlich ein offensives 4-3-3 (Anfang ein Mix aus 4-3-3 und 4-1-4-1) bevorzugen. Für dieses System und die entsprechende Spielweise benötigt man aber schnelle Flügelstürmer und einen durchsetzungsfähigen Mittelstürmer, der die Box besetzt. Nur hat Werder zwar entsprechende Mittelstürmer, aber keine adäquaten Flügelstürmer. Was schon Anfang dazu zwang, in den letzten Spielen vor seiner Demission auf ein 3-5-2/5-3-2 umzustellen. Mit Erfolg, und Ole Werner that dieses System auch bislang beibehalten, mit noch größerem Erfolg. Aber ebenso wie Anfang die Verpflichtung von Flügelstürmern gefordert hatte (war ihm wohl auch zugesagt worden), dürfte auch Werner spätestens zur neuen Saison auf ‚sein‘ 4-3-3 umstellen und dafür schnelle Flügelspieler benötigen. Der Versuch, auf den Flügeln Spieler aufzustellen, die eigentlich eher zentrale Stürmer sind und auch auf die Flügel ausweichen, ist zumindest mit dem ausgeliehenen Roger Assalé gescheitert.

In dieser Situation gab es (auch durchaus folgerichtig) Anfragen von Drittligisten (Magdeburg, Viktoria Berlin) für Justin Njinmah, die einen solchen Stürmertypen suchten. Und eben die U23 des BVB. Unsere U23 muss sich nach meiner Einschätzung hinsichtlich der Stürmerbesetzung für die nächste Saison eben auch Gedanken machen. Njinmah hat sich für die U23 des BVB entschieden, weil er sich hier einen möglichen ‚Doppelschritt‘ in seiner Karriere erhofft. Ein Stürmertyp wie er es ist dürfte für unsere Profimannschaft schon interessant sein und entspricht auch in etwa den Stürmertypen, die mit uns aktuell in Verbindung gebracht werden. Ob Njinmah diesen Schritt aber jemals schaffen wird, kann heute niemand beurteilen. Zunächst muss er erst einmal den Schritt in die Dritte Liga schaffen.

Mit den Werderverantwortlichen hat es bei diesem Transfer eine wohl zügige und gute Verständigung gegeben. Zu dieser Vertragskonstruktion hatte ich an anderer Stelle einiges zu erläutern versucht. Auch aus Werdersicht ist dieser Deal nachzuvollziehen. Der Spieler bekommt Spielpraxis auf dem notwendigen höheren Niveau. Entscheidet sich der BVB am Ende der Leihe dafür, den Spieler nicht zu verpflichten, dann erhält Werder auf jeden Fall einen Spieler zurück, der seine Weiterentwicklung in der dritten Liga versucht hat, mit welchem Ergebnis auch immer. Für Werder könnte dieser Spieler dann dennoch von Interesse sein, auch wenn man ihn beim BVB nicht in der Bundesligamannschaft sehen sollte. Will man beim BVB die Kaufoption für den Spieler ziehen, dann erhält Werder zumindest eine Ablöse in siebenstelliger Höhe, die man in diesen Zeiten immer gut gebrauchen kann.

Potential hat Njinmah in meinen Augen auf jeden Fall; ob es irgendwann für die Bundesliga reicht, kann heute niemand ernsthaft beantworten. Je höher die Liga, desto höher das Tempo. Alles was ein Spieler kann, muss er in extrem erhöhter Geschwindigkeit zeigen. Daran sind schon Legionen junger Spieler gescheitert. Wie sich das bei Njinmah entwickeln wird, werden wir in den nächsten 1,5 Jahren in Ruhe verfolgen können.


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