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EM-Finale 2020 (Fußball und Sport allgemein)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Montag, 12.07.2021, 20:14 (vor 1650 Tagen) @ guy_incognito

Das Elfmeterschießen gestern hat wieder einmal gezeigt, dass diese Form der Entscheidungsfindung eine Nervensache ist und Glück und Zufall ebenfalls eine große Rolle spielen.


Aber sind Glück und Pech nicht gerade der zentrale Bestandteil des Fußballs, insbesondere dann, wenn sich die Teams so neutralisieren wie die beiden gestern?

Shaws Direktabnahme hätte auch an Pfosten, Außennetz oder mit viel Pech in der Themse landen können. Und das Stochertor der Italiener fällt nun auch eher selten in der Form.

Die Einzelaktionen von Chiesa hätten hingegen zumindest ein Tor verdient gehabt.

Generell finde ich das Elfmeterschießen schon gerecht. Beide Teams haben exakt die gleichen Voraussetzungen und es zeigt sich, wer hinten raus noch die Nerven hat.


Ich wollte eigentlich nur anmerken, dass das Elfmeterschießen auch anders hätte ausgehen können.

Zufall oder Glück und Pech dominieren den Fußball in der Tat. Sogar mehr als wir es gemeinhin zugestehen wollen. Ganz gleich wie ich als Trainer an den Fußball herangehe, am Ende geht es darum, die Komponente Zufall/Glück/Pech zu minimieren.

Was das Elfmeterschießen anbelangt, so bin ich ein absoluter Befürworter dieses Weges zur Entscheidungsfindung. Und zwar deswegen, weil ich die vorher üblichen oder vorgegebenen Wege erlebt habe. Weder Wiederholungsspiele, noch der Münzwurf waren für die Entscheidungsfindung der passende Weg. Wiederholungsspiele waren bereits früher unzumutbar und überdies Wettbewerbsverzerrung. Die Bayern z.B. kamen 1974 nach dem Wiederholungsspiel gegen Atlético noch volltrunken vom Feiern in Mönchengladbach an und konnten nur noch über den Platz stolpern. Und Münzwürfe wie der von Rotterdam, der für das Ausscheiden des EffZeh gegen Liverpool nach 3 Unentschieden im Europacup der Landesmeister sorgte, haben immer den Makel, keine sportlich herbeigeführte Entscheidung zu sein.

Da ist das Elfmeterschießen in meinen Augen die bessere Lösung. Die als Showdown obendrein für Dramatik, Tragik und Triumph in komprimierter Weise führt. Es ist vielleicht nicht die beste Lösung, aber ich sehe keine bessere.

Pickford lenkt einen Elfmeter mit der Hand an den Innenpfosten; von dort springt er ins Feld zurück. Genauso gut hätte dieser Ball vom Innenpfosten ins Tor rollen können.

Die Elfmeter der italienischen Spieler waren insgesamt im Prinzip nicht besser geschossen als die der englischen Spieler und beide Keeper haben ihre Sache gut gemacht.


Also bei Pickfords Rumgehampel war der Ansatz von Bernadeschi, in die Mitte zu schießen, eigentlich gar nicht so verkehrt. Ich hätte es vermutlich ähnlich gemacht (auch aufgrund fehlenden Talentes und Technik ;) ).

War dieser Elfmeter tatsächlich so beabsichtigt? Ich bin mir da nicht sicher.


Donnarumma hat durch sein langes Warten ohne jegliche Bewegung die Spieler deutlich mehr verunsichtert als Pickford mit dem Rumgetanze.

Beide halten zwei Elfmeter.

Ich bin ihr auch nicht sicher, ob sich die englischen Schützen vom Verhalten Donnarummas haben verunsichern lassen. Auf mich wirkten Sancho und Saka von vorneherein verunsichert. Selbstbewusstsein strahlten sie jedenfalls nicht aus, wie auf italienische Seite die Fehlschützen auch nicht. Der verschossene Elfmeter Rashfords war da noch einmal eine andere Kategorie.


Rashford hat verzweifelt versucht, eine Reaktion durch seinen langen Anlauf zu erzwingen, und dann 5 m vor dem Punkt vergessen, was er eigentlich wollte. Sancho und Saka hatten sich vorab eine Ecke ausgesucht (so schien es), was recht vernünftig ist. Trotzdem wäre es sinnvoller gewesen, dann mit Vollspann draufzuhauen.

You never know.

Und das ist ja das schöne am Fußball. Auch am Elfmeterschießen…;-)


Deutschlands Abwehrspieler (Hummels, Boateng, Kimmich) haben das 2016 gegen Italien zumindest so praktiziert.

Einmal klappt das, dann wieder nicht.

Es gibt Zonen im Tor, an die kann der Keeper bei regelkonformem Verhalten nicht herankommen. Hoch, über der gedachten mittigen Querlinie, eher den Torpfosten genähert. Die simple und dennoch so schwere Kunst besteht darin, im entscheidenden Moment auch genau dorthin schießen zu können. Das trauen sich viele Schützen schlicht nicht zu und so versuchen sie den für sie einfacheren Schuss mit der Innenseite flach in die untere Ecke. Kommt der auch wirklich flach und genau neben den Pfosten und mit genügend Geschwindigkeit, dann hat der Keeper es hier sehr schwer, an den Ball zu kommen. Aber so kommen die Schüsse häufig genug halt nicht. Weshalb nicht wenige Schützen versuchen, den Torwart ‚auszugucken‘. Was aber das gleiche Risiko aufweist.

Dieselben Schützen, welche die für den Keeper nicht erreichbaren Zonen immer treffen, wenn kein Torwart auf der Linie steht, trauen sich einen solchen Schuss oft genug nicht zu, wenn da ein Keeper steht.

‚Augen zu und mit Vollspann drauf‘ ist da mitunter für einen unsicheren Schützen die beste Wahl. Aber diese beste Wahl muss man erst einmal treffen, ganz gleich wie sie aussieht. Theorie und Praxis sind hier so weit auseinander wie selten.


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