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Hummels bei sky (BVB)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Donnerstag, 24.10.2019, 11:34 (vor 2408 Tagen) @ Sascha

Der Plan war ok und sinnvoll.

Da bin ich hin- und hergerissen.

Inter musste gewinnen. Conte lässt zwar in unguter alter Intertradition massiv defensiv spielen, lässt den angreifenden Gegnern keinerlei Raum im Verteidigungsdrittel, lauert auf gelegentliche Konter und Fehler des Gegners. Und das nicht nur auswärts, sondern durchaus gegen starke Gegner auch zuhause. Die Spieler setzen die Vorgaben auch taktisch sehr diszipliniert um und ‚arbeiten’ in der Rückwärtsbewegung auch gerne einmal mit einem Foul (nicht brutal, aber es kann schon etwas zermürbend sein). Aber wenn der Gegner keine Fehler macht und eben keine Konter zulässt, dann reicht das alles nicht, dann muss Inter sich öffnen, um ein Tor erzielen zu können. Was dem Gegner wiederum Kontermöglichkeiten und die notwendigen Räume hierfür verschafft. Insofern ist eine entsprechend abwartende Herangehensweise durchaus logisch und kann auch gut funktionieren. Wenn, ja wenn man keine Fehler macht. So wie Schulz halt. Und dieser Fehler hat dann auch gleich die Krux mit diesem Plan aufgezeigt. Führt Inter nämlich Boninsegna-like recht früh mit 1:0, dann geht nämlich deren Plan zumeist auf. Denn dann besteht keinerlei Grund mehr, irgendetwas in die Offensive zu investieren, es wird im Gegenteil noch intensiver verteidigt (wenn da eine Steigerung überhaupt möglich ist). Fußballhistoriker können da genügend Beispiele aufzählen.

Eine andere Möglichkeit gegen Inter zu agieren, ist der sofortige Versuch von Beginn an, Inter intensiv unter Druck zu setzen, um ein schnelles Tor zu erzielen. Das ist gegen ein solches Team natürlich leichter gesagt als getan. Wenn es aber gelingt, so wie es Slavia in Mailand geschafft hat, dann muss Inter sich zwangsläufig öffnen und der Gegner kann sich auf die Defensive und ein Konterspiel konzentrieren. Prag hat so zumindest einen Teilerfolg erzielt, Inter ist erst in der Nachspielzeit zum Ausgleich gekommen. Dass eine solche Spielweise ebenfalls nicht ohne Risiko ist, hat man beim Spiel Inters in Barcelona gesehen. Da ist Barça den Mailändern nämlich zunächst ins offene Messer gelaufen und hatte dann gegen ein erbittert verteidigendes Inter allergrößte Mühe. Es bedurfte schon zweier genialer Geistesblitze der Weltklassespieler Suàrez und Messi, um doch noch zwei Tore erzielen zu können und somit das Spiel zu drehen.

Insofern bin ich da wie gesagt zwischen Baum und Borke, was den ‚Plan‘ angeht. Wie auch immer, alle
Pläne bergen Risiken und Fehler werden nicht nur in der CL gnadenlos bestraft.

Nur am Rande: Barça muss wohl auf ein gleichwertiges Slavia getroffen sein und nur etwas glücklich mit 1:2 gewonnen haben. Die bisherigen Spiele in dieser Gruppe zeigen von Verlauf und Ergebnis her, wie eng alles ist. Entschieden ist da noch gar nichts. Insofern kann das zweite Gegentor gestern nach schlampigem Pass von Guerreiro noch bitter für uns werden.

Was mir die Sorgen macht ist, dass man den Schalter nicht umlegen konnte, nachdem der Plan durch das 0:1 hinfällig wurde. Kein Druck, kaum Geschwindigkeit, kaum Tempo. Das schleppte sich einfach so dem Ende entgegen.

Dazu möchte ich einen Punkt herausgreifen, den ich hier bereits das eine oder andere Mal thematisiert habe und der mir gestern erneut negativ aufgefallen ist: unser Spiel ohne Ball.

Besonders auffällig ist unser diesbezügliches Manko bei Kontersituationen. Nicht wenige beklagen, dass Kontersituationen oft abgebrochen würden und vermuten eine Vorgabe dahinter. Das sehe ich nicht so. Denn in diesen Situationen erfolgt der Abbruch durch den ballführenden Spielern meistens deshalb, weil niemand bzw. nicht genügend Spieler mitlaufen, sich anbieten, kreuzen (um die zurückeilenden / verbliebenen Defensivspieler auseinanderzuziehen). Das sind etliche Meter, die man oft genug vergeblich läuft, die schmerzen. Aber sie sind notwendig, um einen dieser Konter dann auch erfolgreich abschließen zu können. Das kann keine Vorgabe sein, wenn hier ein teilweise miserables Nachrückverhalten zu sehen ist.

In einigen Situationen ist und gestern ein Durchbruch auf dem Flügel diagonal Richtung Grundlinie gelungen (wenn, dann meist über rechts). Die dann erfolgten Hereingaben waren dabei nicht immer glücklich, zumal Inter diese dann in der Endverteidigung noch gut abschirmen konnte. Aber zurecht wurde bemängelt, dass niemand in das Strafraumzentrum vorgerückt ist. Schulz hat es von halblinks das eine oder andere Mal ersucht, aber der Weg war für ihn länger als für z.b. Brandt, dessen Aufgabe dies eigentlich gewesen wäre. Bedauerlicherweise war aber auch in solchen Situationen unser Rückraum erneut nicht besetzt, was Aufgabe von Delaney gewesen wäre. Und fehlt sicherlich ein spielstarker 8er, aber aus meiner Sicht wurde gestern deutlich, wie sehr uns Reus und Alcácer tatsächlich fehlen, selbst wenn sie überspielt und nicht in Bestform sind.

Aber auch in Ballbesitz gegen eine derart tiefgestaffelte Abwehr ist unser Spiel ohne Ball nicht zufriedenstellend. Viel zu wenige ‚Fintenspurts‘, um Lücken zu ziehen. Manche Spieler scheinen auch nicht begriffen zu haben, dass Passgeber und Passadressat sich entgegenkommen müssen, wenn man eine solche ‚Mauer‘ bespielt. Nicht nur um die Sicherheit des Passes und gleichzeitig das Tempo der Passfolge erhöhen zu können. Sondern auch, um einen Gegenspieler aus der Kette herausziehen zu können. Für einem Moment ergibt sich eventuell eine Lücke, die noch nicht ganz geschlossen werden kann. In diese Lücke muss dann hineingepasst werden. Vorausgesetzt, ein Mitspieler stößt auch in diese Lücke.

Ich möchte da jetzt beileibe nicht alles schlecht reden. Es existierte ein Plan, der natürlich hätte aufgehen können. Wenn man über 90 Minuten konzentriert spielt. Im Nachhinein ist man immer klüger. Favre hat dann in der zweiten Halbzeit auch sinnvolle und zweckmäßige Veränderungen vorgenommen. Man kann darüber streiten, ob z.B. ein Einsatz von Götze sinnvoller gewesen wäre oder ob Dahoud früher hätte gebracht werden können. Spieler, die wir nicht haben, können wir uns aber aber auch nicht schnitzen. Und bestimmte Spieler, die verletzungs-/kkranheitsbedingt fehlen, sind ganz offensichtlich nicht adäquat zu ersetzen. Nichtsdestoweniger bleiben für mich Defizite z.B. im erwähnten Spiel ohne Ball, die es anzustellen gilt. Hier sind sicherlich der Trainer, aber auch und vielleicht zuvorderst bestimmte Spieler gefordert.

Noch eine Anmerkung bzgl. Schulz uns seinen Versuchen der Strafraumbesetzung: In diesen Situationen hätte ich mir persönlich Hakimi auf dieser Position gewünscht, da er als Rechtsfuß mit einem ganz anderen Schusswinkel agieren kann. Außerdem hat er mMn in diesen Situationen die ausgeprägtere Fähigkeit, sich in adäquate Anspielposition zu bewegen, sei es für ein flaches oder ein hohes Anspiel. Er hat ja auch in solchen Situationen durchaus schon Tore erzielt.


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