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Kompakt stehen, einfach spielen (Spieltage)

koom, Mittwoch, 12.02.2025, 16:58 (vor 342 Tagen) @ Will Kane

Es ist ja nicht nur im Fußball oder allgemein im Sport so. In vielen Lebensbereichen, sei es im Beruf oder im Privatleben, ist ein wichtiger Problemlösungsansatz die Rückbesinnung auf das Grundlegende.

Du kannst kein stabiles Haus bauen ohne Fundament. Absolute 08/15-Regel, aber es ist so.

Auf den Fußball gemünzt - durchaus aufwändig: Baue eine Grundformation, bei der jeder ein klares Aufgabengebiet hat, das er erfüllen kann und muss. Und von der keiner ausbricht, zu keiner Zeit. Dadurch schaffst du eine Basis für Zusammenspiel: Defensiv, weil du weißt, das hinter/neben dir noch einer ist, dessen Aufgabe es ist, dich abzusichern. Offensiv, weil du blind weißt, wo dein Mitspieler sein sollte und er sich auch versucht freizulaufen.

Hat man sowas etabliert, kann man kompliziertere Dinge machen.

Ich wiederhole mich zu gerne: Guardiola kommt zum CL-Sieger und Triple-Winner FC Bayern und etabliert ein 4-1-4-1 nach Lehrbuch und bimst Paßspiel und Freilaufen. Er erklärt quasi jedem Spieler damit, auf welcher Basis seine Ideen aufbauen.

Stichwort Nuri Sahin: Ich hatte nicht den Eindruck, dass er eine solche Basis aufgebaut hat, sondern irgendwie erwartet hat, das die sich automatisch findet. Der BVB hat aber spätestens seit Favre keine solche Basis mehr gehabt und mittlerweile waren kaum Spieler, die Favre noch hatte noch im Kader von Sahins BVB.

Bei Favre in Gladbach kann es aber auch schlicht so gewesen sein, dass er nicht mehr der Richtige war, aus dem über lange Zeit funktionierenden Ansatz heraus den Lösungsansatz zu finden. Wir kennen das von Kloppo und seiner letzten Saison bei uns. In Mainz war er ja in seiner letzten Saison ebenfalls zu dieser Erkenntnis gekommen, und nun in Liverpool auch. Guardiola bei ManCity erlebt momentan Ähnliches.

Ohne exakte Analyse: Manchmal ist es einfach so, dass man (Trainer, Spieler) an den Punkt kommt, wo man vielleicht bestimmte Dinge nur noch denkt, aber nicht mehr tut. Und sich dann wundert, warum es nicht funktioniert oder keiner verstanden hat.

Ein bisserl wie das "Schiff des Theseus". Du tauschst immer wieder mal Teile aus, aber nur Stück für Stück. Es bleibt das gleiche Schiff. Aber wenn du jedes Teil ausgetauscht hast, ist es wirklich das gleiche Schiff? Auf eine Mannschaft bezogen: Jedes Jahr gehen 2-3 Spieler, kommen 2-3 Spieler. Im Laufe der Zeit ist vielleicht kein Spieler mehr da, mit dem du begonnen hast. Wissen dann alle Spieler noch, welche Basis du ihnen einst vermittelt hast? Kommt nur mal 1-2 Spieler, dann schnappen die das noch auf durch das normale Training. Sie "gliedern" sich einfach ein. Aber irgendwann gehen dir vielleicht die Spieler aus, die diese Struktur nachsortiert haben. Rodri bei ManCity scheint dieser Spieler zu sein, der Guardiolas "Schiff des Theseus" gerade so zusammengehalten hat. Ohne ihn zerfällt das gerade. Und Guardiola ist scheinbar zu "blind", das festzustellen, da die gleiche Truppe doch jahrelang mega erfolg hatte.

Wenn du verunsichert bist, ist es wahrscheinlich einfach nicht hilfreich, ganz viel den Ball zu haben, viele statische Situationen aufzuschlüsseln und vor allem, sicher hinten raus spielen zu müssen, auch hier kann man ja durchaus mit Guirassy und ggf. auch Beier und Adeyemi (mit seiner Sprungkraft zählt er auch als 1,90 Mann)


Ich war nicht gerade begeistert über Nuri als unseren neuen Trainer, aber es lief ja von Anfang an darauf hinaus und ich habe ihn bis zuletzt unterstützt. Von seinen (theoretischen) fußballerischen Vorstellungen des Ballbesitzspiels war ich angetan und habe eine Entwicklung in diese Richtung auch befürwortet.

Ich bleibe dabei: Nuris Ansatz war nicht falsch. Die erste Halbzeit gegen Real war ziemlich cool. Viel sicherer Ballbesitz, gute Nadelstiche. Viel Ballbesitz muss nicht gefährlich sein, aber du darfst keinen Blödsinn damit machen und riskante Dinge müssen abgesichert sein. Diese Qualität fehlt dem BVB.

Am Ende ist er damit gescheitert, und ich bin der Auffassung, dass er ‚pädagogisch-didaktisch‘ den falschen Ansatz gewählt hat, unabhängig von der Eignung des Kaders. Ich kann nicht einem Kader ein neues Konzept überstülpen und erwarten, dass sich die Spieler dann innerhalb dieses Konzepts entwickeln. Die Mehrheit der Spieler war damit überfordert, was zur Fehlervermeidung und somit zur Verkrampfung und Verunsicherung geführt hat.

Ja, als das mit Real passierte, war das der Knackpunkt. Man führte cool in dem Spiel, hatte alles im Griff. Dann stellt man unpassend um, Real dreht ein bisserl auf und man wird abgeschlachtet. Das hat Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Selbstbewusstsein gekostet. Bei den Spielern und beim Trainer.

An der Stelle hat Klopp einst dann kur darauf immer "den Tannenbaum" rausgeholt, also sein 4-3-2-1, was er immer installiert hat, wenn er der Mannschaft Sicherheit geben musste. Klare Zuordnungen, hohe Defensive.


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