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Der Versuch einer Bilanz (nach 9 Pflichtspielen), Teil 1 (BVB)

Bembele, Münster, Mittwoch, 16.10.2024, 11:33 (vor 487 Tagen)

Wie der Sport-Geschäftsführer Ricken am Sonntag nach dem Spiel bei Union zugab, könne man nun schon mal eine erste Bilanz ziehen („Nach 6 BL-Spielen ist das nicht nur eine Momentaufnahme“). Doch wie sieht die bisherige Bilanz aus? Die Ratlosigkeit ist doch auf allen Ebenen zu greifen. Nicht nur im Verein selbst, da genügt schon ein Blick während der Spiele (besonders in Brügge, in Bremen, in Stuttgart, gegen Bochum und in Berlin) auf die Tribüne und die dort aneinandergereihte Führungsriege Watzke, Ricken, Sammer. Ricken verriet im Sportstudio nach dem Bochumspiel, dass er während der indiskutablen Leistung in der ersten Hälfte gegen den VfL (und nur wenige Tage nach dem Debakel in Stuttgart) daran dachte, wie er die wiederholt dürftigen Leistungen seines Teams im bevorstehenden Sportstudio-Besuch erklären solle.

Doch auch die Presse schwankte in ihrem Urteil hin und her. Charakteristisch der Kicker: dessen Reporter M. Dersch lobte den Trainer nach dem (allzu glücklichen) Sieg in Brügge und titelte „Sahins Start mit Mut und Konsequenz“, um 2,5 Wochen später (nach dem Union-Spiel) zu einem ganz anderen Urteil zu kommen: „Auch unter Sahin, der den schwächsten Saisonstar seit der Spielzeit 2014/15 zu verantworten hat, ist Konstanz ein Fremdwort.“

Meine Bilanz nach 9 Pflichtspielen betrifft nun den Trainer und den Kader.

Zunächst zum Trainer, seinem Spielstil/Matchplan und seiner Kommunikation:
Schon beim ergebnismäßig klaren Sieg im Pokalspiel in Hamburg gegen den Viertligisten Lübeck, als der BVB „besonders im zweiten Durchgang aber oftmals zittern musste“ (Kicker), wurden viel Probleme schon offenbar. Besonders die Defensive mit den drei Nationalspielern Süle, Schlotterbeck und Anton ganz hinten wackelte einige Male bedenklich. Die Kritik daran versuchte Sahin abzutun, indem er stolz auf 85% Ballbesitz und „mehr als 1000 Pässe“ seines Teams verwies.

Schon da konnte man hellhörig werden: Ballbesitz und viele Pässe spielen, gehören offenbar zu seinem Matchplan. Dass sich der Viertligist mit nur 15 % Ballbesitz dennoch (nahezu gleich) viele Chancen erspielen konnte (darunter drei Aluminiumtreffer) und die Korrelation von Ballbesitz und erfolgreichem Fußball ad absurdum führte, war für den Trainer scheinbar nebensächlich. Wenige Tage später bereitete Jule Brandt die Stadionbesucher beim Brinkhoff’s- Geflüster darauf vor, sich in dieser Saison schon mal auf sehr viele Pässe einzustellen. Seine Spielidee machte der Trainer noch einmal auf der PK vor dem Stuttgartspiel deutlich als er dozierte: "Meistens ist ja so, dass die Mannschaft, die den Ball hat, darüber entscheidet, in welche Richtung es geht." Und (nach dem Bochumspiel): „Wir wollen den Ball haben, wir wollen dominant in der gegnerischen Hälfte spielen.“

Nun ging es leider in Stuttgart, aber auch in anderen Spielen doch wieder trotz viel Ballbesitz (zu) oft in die falsche Richtung, zuletzt in Berlin (Ballbesitz dort 67:33 für den BVB, aber Großchancen 6:3 für Union). Hier, bei Union, verriet er nach dem Spiel (im Sportstudio) auch, mit welchem Matchplan er die Elf auf den Rasen geschickt hatte: „Wir haben uns nur 1-2 mal an den Plan gehalten, vernünftig von Außenverteidiger zu Außenverteidiger zu spielen.“

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Trainer mit der Mannschaft gern ein erfolgreiches und nicht unattraktives Ballbesitzspiel aufführen würde, beginnend schon mit ruhigem Aufbau vom Torhüter. Soweit die Theorie. Doch was ist dabei rausgekommen? Ein sehr zähes 'Ballbesitzspiel', das den Namen nicht verdient, mit wenig Tiefe und - bis auf vereinzelte Aktionen (Gittens, Adeyemi) - wenig Dynamik.
Schon beim Aufbau über Torwart und Verteidiger gehen aufgrund ihren technischer Unzulänglichkeiten die Unsicherheiten los, und so mancher Ball zuviel verloren. Das ist also auch eine Qualitätsfrage. Man hält fast immer den Atem an, wenn Kobel bei Pressing des Gegners auf Anton oder Schlotterbeck spielt.
Auch im Mittelfeld und Angriff gehen die Bälle zu schnell verloren und dann kommt zu oft der zu Torchancen des Gegners führende Konter.
Diese Art Fußball zu spielen, kennen wir vor allem schon aus Terzic-Zeiten. Und da war Sahin als Co-Trainer schon in der ganzen Rückrunde (samt deren Vorbereitung) schon maßgeblich an dem Spielsystem mitverantwortlich. Das war auch schon viel Sahin-Fußball dabei. Er selbst sagte vor der Saison, dass er in der Rückrunde nicht nur Hütchenträger war, sondern viel Einfluß auf Training, Taktik und Aufstellung genommen habe.

Und so verwundert es nicht sonderlich, dass die Ballbesitzzeiten und Passquoten nahezu die gleichen geblieben sind, wenn man dieselben Gegner (von letzter und bisheriger Saison) zugrunde legt (habe die Zahlen hier vor kurzem aufgelistet)!

Erstaunlich aber ist, dass Sahin den großen Vorteil seiner nun schon 10 Monate währenden BVB-Trainerzeit nicht ausreichend genutzt hat. Seit 10 Monaten hat er den Kader bis auf die 4 Neuzugänge tagtäglich beobachten und sich so ein klares Bild über den (mentalen) Charakter, die Stärken und Schwächen aller Spieler machen können! Es gibt hier also keine Ausreden („Muß den Kader/die Spieler erst noch kennenlernen“, „die Manschaft muss sich erst noch einspielen“), keine Schonfrist, wie sie von Trainern, die bei einem neuen Klub einsteigen, in Anspruch genommen werden kann.
So stand beim Debakel in Stuttgart z.B. nahezu dieselbe Elf auf dem Platz, die bereits 1 Jahr zuvor dort schon genauso vorgeführt wurde. Es hatte sich nichts geändert.
Es ist also festzuhalten: eine 'Handschrift' des Trainers Sahin ist bisher überhaupt nicht zu erkennen. Anders als bei den Mannschaften von Union und München mit ihren ganz neuen Trainern (und das jeweils schon seit dem ersten Spieltag).

Was bei Sahin angesichts seiner 10monatigen Kenntnis der meisten Spieler des Kaders erstaunt, ist seine Aufstellung von einigen Spielern auf Positionen, die sie nicht oder kaum ausfüllen können. So Adeyemi als Mittelstürmer im Heimspiel gegen Frankfurt; nahezu alle BVB-Fans befürchteten, dass er das nicht ausfüllen kann, weil ihm das technische Rüstzeug fehlt, um sich im Zentrum und mit dem Rücken zum Tor gegen mehrere Gegenspieler nachhaltig durchsetzen zu können. Auch die seltsamen Positionierungen (und dann auch noch wiederholt) von Sabitzer und Schlotterbeck brachten dem Team eher Instabilität als Sicherheit.


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