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durchaus erwartbares Zwischenfazit (Sonstiges)

Ghombre, Donnerstag, 25.07.2024, 13:45 (vor 545 Tagen) @ MarcBVB

Spannende Diskussion, die in etwa genauso bisher verlaufen ist wie jede bisherige in meinem Freundes- und Arbeitskreis. Je nach Parteipräferenz ist man entweder glühender Verfechter der ÖRR – auch in seiner aktuellen Verfassung – oder man ist für starke Einschnitte bis hin zum populistischen "ganz abschaffen". Die Frage scheint mir weniger eine der tatsächlichen finanziellen Belastung zu sein als vielmehr der Frage danach, ob ich mich als Individuum im Programm gesehen und repräsentiert fühle. Und da scheint die Abbildung eigener politischer Präferenzen respektive die gefühlte Übervorteilung des politischen Gegenübers mehr zu emotionalisieren als die Frage, ob mich jetzt Fußball- oder Winterspiele, Kulturradio oder Silbereisen persönlich ansprechen.

Meine Vermutung, warum dem ÖRR mehr und mehr Gegenwind entgegenschlägt: Er ist weitaus "größer" als vor einigen Jahrzehnten, also mehr Sender und kein Testbild mehr in der Nacht, sondern Programm rund um die Uhr. Dabei ist ihm meiner Wahrnehmung nach jedoch das nüchtern-neutrale und vor allem Verbindende abhanden gekommen. Der ÖRR war vielleicht mal wie eine Sendung "Wetten Dass". Da war für die Kinder, Eltern und Großeltern etwas dabei, und man konnte ohne Schmerzen gemeinsam schauen, da alle irgendwie mitgenommen wurden. Tommi Schmidt nennt das immer recht passend "Lagerfeuerfernsehen".

Dieses verbindende Element sehe ich nicht mehr. Das Programm mag vielfältiger sein, aber politisch wird ein beträchtlicher Teil der Gesellschaft nicht mehr abgeholt oder empfindet es jedenfalls so. Es kann ja kein Zufall sein, dass die Umfragen unter der Parteipräferenz bei Volontären (keine Ahnung, bei welchem Sender das war) eine durchaus beträchtliche "Linkslastigkeit" ergeben und Kritik an einer vermeintlich unausgewogenen Berichterstattung primär von Wählern der Union/FDP/AfD kommt, eher selten von Wählern der Grünen/SPD. Das wird wohl daran liegen, dass deren "Geschmack" öfters getroffen wird. Das zeigt sich etwa in den Straßenumfragen, wo Mitglieder exakt dieser beiden Parteien als vermeintlich zufällige Passanten befragt werden. Anders herum scheint das eher nicht zu geschehen.

Formate wie früher Frontal existieren meines Wissens nach nicht mehr, stattdessen hat bei einigen diese merkwürdige Form des "Haltungsjournalismus" Einzug gehalten, selbst Nachrichtensendungen verkommen in Teilen zu einer Art betreutem Denken, wenn einem durch die Blume mitgegeben wird, was man von einer Nachricht halten möge. Haltung ist absolut lobenswert, aber eigene politische Überzeugungen gehören doch eher in journalistische Formate des freien Marktes (wenn die Leute es wollen, kaufen sie es – wenn nicht, dann nicht), nicht in ein über Gebühren finanziertes System. Und wenn sie doch dort auftauchen, dann sollte es halbwegs ausgeglichen sein.

An dieser Ausgeglichenheit wird es vielen hapern. Ob das berechtigt ist, müsste man evaluieren, soweit das möglich ist. Der Schnellcheck bei sich selbst zwischen Kreuz in der Kabine und spontaner Beantwortung der Frage, ob der ÖRR aktuell ausgewogen berichtet oder nicht ist dabei vielleicht ein Hinweis darauf, ob man hinreichend eigene Überzeugungen gespiegelt bekommt.


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