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Deutschland verdiente Geld mit 30 jährigen Staatsanleihen (Fußball und Sport allgemein)

markus, Mittwoch, 19.06.2024, 15:32 (vor 594 Tagen) @ Timo_89

Das setzt aber voraus, dass man im Vorfeld die Zinsentwicklung vorhersehen kann. Bis vor dem Ukraine Krieg ist man eher von weiter sinkenden Zinsen ausgegangen (es gab sogar Spekulationen über Negativzinsen) und dann wären 0,5% ein sehr schlechter Deal gewesen. Außerdem löst man damit das Problem ja nicht, sondern verschiebt es nur in die Zukunft. Die von dir genannte Anleihe würde 2054 auslaufen und dann stellt sich die gleiche Problematik wie bei den Finanzierungen, die dummerweise ausgerechnet jetzt auslaufen, weil man zum damaligen Zeitpunkt nicht wissen konnte, was zwischen 2022-2024 los ist.


Der Kupon für 30 jährige Bundesanleihen ist seit 1994 (8%) kontinuierlich gesunken, schau mal hier (Klick unten in der Grafik auf MAX) und lag dann 2019 - 2022 nicht nur "unter 0.5%" wie ich es oben aus Faulheit zusammengefasst habe, sondern sogar negativ. Von Mai 2019 bis Dezember 2022 lag er nicht nur immer unter 0.30%, sondern in mehreren Monaten sogar im Negativzinsbereich, z.B. Oktober 2020 (-0.20%). Damals schrieb der Spiegel entsprechend:

Bund verkauft erstmals 30-jährige Anleihen mit Negativzins: Anleger investieren in deutsche Staatsanleihen, selbst dann, wenn sie draufzahlen müssen: Erstmals ist es dem Bund gelungen, mit der Versteigerung einer 30-jährigen Anleihe Geld zu verdienen. SPON

Man hat also Geld verdient, wenn man Schulden aufgenommen hat. Im SPON Artikel gab es auch damals schon die Forderung zur Aufweichung der Schuldenbremse:

Viele Ökonomen fordern die Bundesregierung angesichts der extrem günstigen Finanzierungskonditionen dazu auf, die Schuldenbremse zu lockern und Kredite aufzunehmen. "Der Staat verdient sogar Geld, wenn er Schulden macht", sagte etwa der Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln), Michael Hüther. "Wenn er das jetzt nicht zugunsten von Investitionen tut, lässt er Geld auf der Straße liegen."

Das ist aber nur einmalig während der ersten Laufzeit so. Das oben genannte Problem wird einfach nur nach hinten verlagert. Irgendwann kommt der Tag X (in diesen Fall nach 30 Jahren) und man muss zum dann bestehenden Zinssatz verlängern, denn wie oben gesagt: Die Schulden werden faktisch ja nicht abbezahlt. Sondern immer wieder verlängert + neue Schulden obendrauf. Das ist dann am Anfang mit -0,2% schön. Aber daraus können dann bei der Verlängerung auch 5% werden.

Für mich persönlich wäre das in der Tat ein guter Zeitpunkt gewesen, dieses Zinsniveau zu nutzen, bei Zinsbindung für 30 Jahre und dann in Infrastruktur und Modernisierung zu investieren.

Bei weiter sinkenden Zinsen ist jedoch ein Abwarten sinnvoller. Und danach sah es ja eher aus. Es wurde sogar spekuliert, dass Bauzinsen in den negativen Bereich gehen würden. Im Nachhinein ist man immer schlauer.

Dieses spekulieren auf niedrige Zinsen funktioniert immer nur bedingt. Aus eigener Erfahrung: 2012 eine mittlere fünfstellige Summe Baufinanzierung für zehn Jahre zu 3,3% abgeschlossen, weil es hieß: Niedrigzinsphase, so günstig wie nie zuvor, besser länger abschließen. Dummerweise sind die Zinsen weiter gesunken. Statt zehn Jahre wären fünf Jahre deutlich besser gewesen.


Ja, aber schau vielleicht nochmal bzgl der Bundesanleihen auf das obige verlinkte Chart. Die Kupons waren bereits von 8% 1994 kontinuierlich über 25 Jahre in den Niedrigzinsbereich gerutscht. Wie wahrscheinlich war es denn, dass die Zinsen wirklich langfristig in diesem Bereich bleiben oder sogar noch negativer rutschen? Ich verstehe dein Argument, historisch betrachtet hätte man vielleicht auch die 3.3% schon gut gefunden und danach ging es weiter runter. Aber von -0.20% ist einfach auf Basis von Wahrscheinlichkeiten nach unten einfach nicht mehr viel möglich, oder? :) Hier hätte der Staat wirklich einen kräftigen Schluck aus der Pulle nehmen können für Investitionen.

Bei 3,3% hat dir jeder gesagt, dass es günstiger nicht wird. Und es wurde günstiger. Bei 1% hat dir jeder das gleiche gesagt und es wurde günstiger. Negativzinsen hat auch kaum jemand für möglich gehalten und sie kamen. Warum sollte es dann unmöglich sein, dass aus -0,2 ein -0,7% wird?


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