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Neu auf schwatzgelb.de: Mein Problem mit dem "Haalandkult“ (BVB)

koom, Donnerstag, 24.03.2022, 15:56 (vor 1639 Tagen) @ bambam191279

Ich liege hier gerade schön im Garten in der Sonne, deshalb nur soviel dazu.....

Sei dir sehr gegönnt. :)

Du weißt aber schon dass wir hier rein sportlich von zwei der vielleicht fünf besten Mannschaften der Welt reden?
Und das sowohl kloppo als auch gardiola Millionen investieren durften um sich den Kader so zu bauen wie sie ihn wollen....

Natürlich. Aber ich würde empfehlen, den Blick rationaler werden zu lassen und nicht nur auf die Aussenhülle zu schauen. Das sind ja keine Blackboxes, wo man nicht weiß, was innen drin so passiert. Unmengen von Geld und "die besten Trainer" wollten schon andere verpflichten. Teilweise sogar mit Riesenablösen.

Generell kann man sich IMMER etwas von den Megastars abschauen für sich selbst. Willst du besser Fußballspielen, kannst du Ronaldo zuschauen und dir Sachen abschauen. Besser laufen? Was macht Usain Bolt so alles, was kann ich davon übertragen? Das ist der Ansatz, den ich dabei habe.

Und wir hatten in der Bundesliga und in Dortmund speziell das große Glück, alle 3 "besten Trainer" (4, wenn man Flick dazunimmt), im Alltag zu erleben. Haben also gesehen, wie ihre Mannschaft agiert und teilweise trainiert. Und was sie auch an den Scheisstagen so macht, nicht nur diese clipartigen Wundermomente, die man auf Youtube in der Zusammenfassung sich dann anschaut.

Und sowohl Klopp als auch Tuchel haben eindrucksvoll bewiesen, dass diese Methoden und Herangehensweisen auch mit kleinen Klubs und wenig Geld funktionieren (Mainz). Auch Dortmund hatte wenig Geld, als Klopp kam. Und auch heute ballert Klopp nicht sinnlos Geld heraus, sondern sehr pointiert, wenn er um eine spezielle Stärke oder Schwäche weiß.

Diese Toptrainer machen auch die Grätsche zwischen Tagesgeschäft (Sieg im nächsten Spiel) und Langzeitplan (nächste Saison alles noch besser machen). Und da sich Leute verletzten oder anderweitig mal aus/wegfallen, planen sie ihre Spielsysteme _relativ_ Personenunabhängig. Natürlich findet es Guardiola besser, wenn der Topspieler auf der Position spielt, aber für die Gesamtstruktur ist es wichtig, das jemand zumindest offensiv und defensiv den gleichen Raum und die gleichen Aufgaben erfüllt, damit der Rest nicht "geschwächt" wird oder alleingelassen wird.

Zurück zum BVB:

Wenn man Fußball so angeht, dann geht das auch 1-2 Klassen schlechter als Guardiola oder Klopp. Dieser "Total Football" ist auch keine neuzeitliche Erfindung, sondern lange ein Credo des niederländischen Fußballs gewesen. Das Ganze hat sich seitdem weiterentwickelt, aber selbst Guardiola greift gerne auf Standardformationen, die diese Philosophie unterstützen (vor allem 4-1-4-1) zurück, wenn er neu wo anfängt. Klopp macht das ähnlich, auch wenn sein Go-To-Notfallsystem ein 4-3-2-1 ist.

Die Idee dahinter ist schlichtweg, dass jeder weiß, was zu tun ist, wenn Spielsituation xy vorliegt. Geht Schulz als LV bspw. nach vorne, rückt die restliche Kette mehr ein (der LIV übernimmt ein wenig den LV-Part) und auch der DM sichert mehr in diese Richtung ab. Oder wenn Hummels den Ausflug nach vorne macht, rückt der DM da vor nach hinten und ersetzt dort Hummels (oder die Kette rückt näher zusammen). Usw.

Wenn diese Mechaniken drin sind, ist es auch mit Spielerfluktuation, sei es durch Verletzung oder Verkauf, nicht mehr so tragisch. Du behältst idR reichlich Spieler bei, die immer noch wissen, wie alles funktioniert und musst nur den Neuen die Sachen einbimsen.

Und nochmal: Kein Hexenwerk. Es erfordert Detailarbeit, die man allerdings nur wenig sieht. Das ist ein bisserl wie die Nationalmannschaft: Löw + Flick waren ein exzellentes Gespann. Löw als kommunikator, Stratege, der grundsätzliche Ideen vorgab. Flick als Detailarbeiter, der eben genau jene Strukturen des Positionsspiels beibrachte. Ohne Flick wurde es plötzlich chaotisch, wie ein Auto ohne Profil auf den Reifen: Viel Power, keine Kontrolle. Egal, wer da spielte. Und jetzt mit Flick hat die Geschichte plötzlich Grip.

Zu Rose:
Wenn ich mir seine Ideen bei Gladbach und Dortmund anschaue, dann sehe ich da zu wenig Detailideen. Das kann auch mit dem Kader zu tun haben, aber letztlich sind das Sachen, die man trainieren kann. Und das einzelne Spieler so krass in der Luft hängen gelassen werden und als Sündenböcke verurteilt werden, stützt die These, dass man zu wenig Positionsspiel übt und zu sehr auf den Chaos- und Individualstärkefaktor setzt.

(Sorry für die Wall of Text. Warte momentan auf neuen Input bei der Arbeit) ;-)


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