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Überschätzter Kader, Balance stimmt nicht. Meinungen bitte (BVB)

holgernova, im schwarzgelben Ruhrpott, Samstag, 19.12.2020, 03:59 (vor 2141 Tagen) @ Schoko

Wir haben definitiv viele Baustellen und mit der Ablösung von Favre wurde die erste angegangen. Dabei lag sein Problem eher in der Außendarstellung als in pragmatischen und richtigen Lösungsansätzen der anderen Themen.

Die größte Herausforderung, die sich in meinen Augen erst durch einen echten Absturz lösen wird, ist das Anspruchsdenken des Umfeldes, gepaart mit Ungeduld. Die beiden Vizemeisterschaften unter Favre haben nicht gerade dazu beigetragen, das Gefühl, wenn Bayern schwächelt, zuschlagen zu müssen, abzulegen.

Die Mannschaft, ihre Struktur und Hierarchie ist im Aufbau. Sie besteht aus erfahrenen Spielern, bei denen jeder für sich seinen eigenen Makel mit sich herumschleppt. Dazu viele junge Spieler, für die es bisher nur nach oben ging und jetzt stehen sie im Kollektiv vor großen (eigenen) Ansprüchen. Da sind normale, altersbedingte Leistungsdellen problematisch, weil sie alle in der Verantwortung stehen. Individuelle Fehler stärken nicht gerade den Zusammenhalt, wenn man noch keine gewachsene Struktur hat.

Die Konkurrenz bzw. die Liga besteht zu zwei Dritteln aus Teams, die sich über „Bus parken und vorne hilft uns nen Standard“ definieren. Da ist es fast notwendig, dass man eine gewachsene Mannschaft mit verinnerlichten Abläufen hat und/oder im richtigen Moment Spielglück oder einen Lauf. Das fehlte uns teilweise.

Die Saison mit ihrer Dichte an Spielen, entsprechenden Verletzungen und Fehlzeiten erlaubt es uns kaum, neue Spieler langsam zu integrieren. Das gilt für einen 17-Jährigen Bellingham als auch für einen erfahrenen Meunier.

Dann die fehlende Atmosphäre durch die Geisterspiele. Wenn auch das Anspruchsdenken der meisten Fans und entsprechende Unmutsäußerungen kontraproduktiv sein können, so fehlt uns einfach die Kraft der gelben Wand. Edin zeigt die richtigen Ansichten auf und bringt auch populären Stallgeruch mit, was unter normalen Umständen durchaus eine positive Auswirkungen auf das Publikum und die (Aufbruchs-) Stimmung haben könnte, nun fehlt auch das und es wird es uns in den kommenden Spielen nicht unbedingt leichter machen, Siege zu erzwingen.

Meine Hoffnung liegt in der Art und Weise, wie die Verantwortlichen agieren. Sie ließen Favre in Ruhe arbeiten und sich nicht von unzufriedenen Medienvertretern treiben und setzten dann rechtzeitig auf einen für die Mannschaft logischen, nachvollziehbaren Nachfolger, der die (inneren) Themen kennt.

Wir haben gegen Bremen und Union drei Punkte geholt, Bayern z.B. nur zwei, wobei sich solche Vergleiche verbieten, aber sie können helfen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und das wäre, die eindeutigen Schwächen (Standards, Abläufe) in den nächsten Wochen anzugehen und das sollten wir dem Trainerteam zutrauen. Dazu kommen mit Haaland und Hazard wichtige Spieler zurück, die mit einem angekommenen Moukoko ganz neue Optionen in der Offensive bieten werden.

Dann kann man (welcher Trainer auch immer) die Mannschaft weiterentwickeln und in ein paar Jahren vielleicht auch wieder um den Titel mitspielen. Nicht, weil der Primus schwächelt, sondern aufgrund der eigenen Stärken und dem Vertrauen in diese ...


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