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Neu auf schwatzgelb.de: Die Entfremdung (BVB)

FourrierTrans, Freistaat Sauerland, Sonntag, 13.12.2020, 20:18 (vor 2146 Tagen) @ Ostentor

Die Frage, die sich mir stellt: was ist denn der Fußball, den wir lieben? Haben wir den Fußball, den wir lieben, überhaupt jemals gesehen oder hängen wir da nur einer Illusion nach?

Also ich bin 87 geboren. Und durch die Gnade dieser Geburt habe ich als Kind mitbekommen, dass der BVB sehr erfolgreich ist und Titel holt. Wie das zustande gekommen ist: War mir seinerzeit nicht bewusst und auch relativ egal.

"Bewusster" Fan geworden bin ich dann tatsächlich erst mit dem fast-Knock-Out, wo man sich dann auch mal als Teenager mit den Hintergründen etc. pp. befasst hat.

Was ich vermisse an den Fußball 90ern sind die Typen, die Stories, das ramschige Drumherum, die erst selten anwesende maximale Professionalität.

Aber vom BVB entfremden tut mich das nicht, wenn es das heute nicht mehr gibt. Ich bin irgendwo ja auch Fan vom Verein, weil er Erfolg hatte und weil (und nicht obwohl) er Vorreiter des Kommerzes war. Schockierenderweise gibt es in meiner Familie nämlich sehr viele Blaue und das Schicksal hätte einen anderen Weg für mich nehmen können.

Die geilste Zeit für mich als Fan war dann natürlich die Zeit, wo wir dann mal ein paar Jahre nicht einer der Big Player waren. Den Derbysieg und das Pokalfinale mit Doll, dann die Ära Klopp am Anfang, bei dieser Wiedergeburt dabei zu sein, das war natürlich maximal emotional. Das war ein einziger Rausch.

Jetzt sind wir wieder einer der großen Fische. Same same but different wie vor der Fast-Insolvenz.

Das der Fußball allgemein sich nochmal krass in negative Richtungen entwickelt hat überall, das schlägt mir auch aufs Gemüt. Mit meiner Borussia hat das aber nicht zu tun. Da bin ich einfach entspannter geworden, weil ich älter werde. Und es mir reicht, mal einen motzenden Mopperpost hier abzugeben, als tagelang schlecht gelaunt zu sein.

Ich denke, dass man natürlich immer auch einer gewissen Nostalgie verfängt. Aber auf der anderen Seite muss man schon sagen, glaube ich, dass sich der Profifußball als solches stark gewandelt hat, in allen Facetten. Im Grunde ist der Fußball zu einer Branche geworden und die gleiche asoziale Ausbeutung wie in allen anderen gutlaufenden Industrien/Branchen, sieht man nun halt ebenso im Fußball. Man könnte auch eine Debatte darüber führen, wie Ungleichgewichte in anderen Branchen wie der Automobilindustrie, Logistik, Einzelhandel usw. in den vergangenen 15 Jahren eine extremste Schieflage angenommen haben, aber das würde zu weit führen.
Ich bin genauso alt wie du und ich kann mich schon noch gut daran erinnern, dass der Fußball ein anderes "Publikum" angezogen hatte, als ich 16 war. Allen möglichen anderen externen Einflussgrößen zum Trotz.


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