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Punkte sammeln (BVB)

Sascha, Dortmund, Donnerstag, 28.11.2019, 07:01 (vor 2472 Tagen) @ CHS

Letztendlich ist es egal, ob wir ins Achtelfinale der CL rutschen, oder "nur" in der EL - in der aktuellen Verfassung sind wir in beiden Wettbewerben gleich aussichtslos.

Das ist für mich auch jetzt ganz akut nicht das Thema. Wichtiger ist mir, dass man die Bundesligatabelle ernster nimmt, als sie aussieht. Auf dem Tableau stehen wir auf Platz 6 mit fünf Punkten Rückstand auf den Spitzenreiter und 9 Punkte Vorsprung auf Platz 16. Das kurzfristige Ziel bis zur Winterpause kann für mich nur sein, den Vorsprung nach hinten nicht kleiner werden zu lassen.

Ich habe nie eine Truppe gesehen, die weniger bereit für Abstiegskampf wäre als die aktuelle. Selbst der Mannschaft 2014, die es sogar ganz bis ans Tabellenende geschafft hat, habe ich da mehr zugetraut. Wie diese Mannschaft Abstiegskampf definieren würde, konnte man gut beim 3:0 bestaunen. Ja, natürlich ist Messi technisch der beste Spieler der Welt und einer der drei besten aller Zeiten - aber trotzdem muss man ihn nicht komplett alleine durch unsere Hälfte laufen lassen. Das Ausfallschrittchen, das Akanji dann wenigstens probiert hat, war auch nur die Karikatur eines Zweikampfes. Wir scheitern aktuell ja schon wie Schulz gegen Paderborn daran, den Gegner zu foulen.

Der Ist-Zustand ist desolat und man erkennt keinerlei Stärken, die der Mannschaft auf dem Weg aus einer Abwärtsspirale raushelfen könnte. Das Nervenkostüm ist völlig zerfressen. Auch gestern reichte, wie in Mailand, ein Gegentor aus, um zumindest kurzfristig für Auflösungserscheinungen zu sorgen - selbst wenn man bis dahin wenigstens defensiv ordentlich stand.

In der Vorwätsbewegung ist es völlig egal, was Favre für eine Variante wählt, das Ergebnis ist immer gleich. Die Idee war gestern natürlich mit Schulz und Hakimi schnell über die Außen zu kommen. Das sah in der Regel aber auch kein Deut agiler und temporeicher aus als die erste Halbzeit gegen Paderborn. Was auch kein Wunder ist, wenn Technik und Passspiel auf einem Niveau sind, das kaum bundesligatauglich ist. Wirklich erschütternd, was man angesichts der Namen und gezahlten Ablösesummen da vorne in diesem Bereich sieht. Natürlich spielt da auch eine größere Verunsicherung rein, aber die Ballverarbeitung von Spielern wie Schulz und Brandt ist mittlerweile unterirdisch. Reus bewegt sich da auch nur minimal drüber. Gestern war es einzig und allein Sancho, der in der Schlussphase mit indivdueller Klasse richtig Fußball gespielt hat.

Die Abstimmung untereinander ist katastrophal. Gestern haben offensive Außenspieler mehrmals dazu angesetzt, tief zu laufen - in Momenten, in denen der ballführende Spieler auf der anderen Seite genau zu den kurz stehenden Spielern guckt. Da muss ich doch auch als Spieler die notwendige Spielintelligenz mitbringen um zu wissen, dass man auf genau solche Situationen achtet, wenn man über schnelle Außen zum Erfolg kommen will. Aber da weiß die linke Seite teilweise nicht, was die rechte plant und umgekehrt.

Und zu guter Letzt sieht man eine entsetzliche Langsamkeit im Geiste. Schon gegen Paderborn gab es eine Szene, in der wir einen Freistoß am gegnerischen Strafraum schnell ausführen. Paderborn hat es nach einer Schrecksekunde gecheckt und sich richtig gestellt. Bei uns haben die Spieler teilweise nasebohrend in die andere Richtung geschaut und kein einziger ist in den Strafraum gelaufen. Gestern ähnliches vor dem 0:2. Klar, der Fehlpass von Hummels ist katastrophal. Darf er nie so spielen. Es ist aber auch so, dass nur de Jong die Situation erkennt. Auf unserer Seite waren, so meine Erinnerung, Witsel, Weigel und Reus (?) zumindest in der Nähe des Balls und alle reagieren auf den Ballverlust ein, zwei Sekunden später als die Barca-Spieler. Bei anderen Pässen das gleiche. Gegner erkennen schwach gespielte Pässe und gehen auf den Ball, während der schwatzgelbe Passempfänger dem Ball nicht entgegen geht und noch eine halbe Stunde später auf der Stelle steht und sich fragt, wann denn der Ball endlich an seinem Fuß ankommt.

Rausreden kann sich da von den Verantwortlichen keiner. Wer aus einer Transferperiode mit Schürrle nichts gelernt hat und für Schulz 25 Millionen ausgibt, sollte ganz kleine Brötchen backen. Und natürlich muss Favre sich fragen, ob er mit falschen Entscheidungen nicht auch den Abwärtstrend befeuert hat. Die Aussagen von Paderborn hinsichtlich der Aufstellung von Hummels und Weigl waren vernichtend. Aber zuallererst stehen die Herren auf dem Platz in der Pflicht, ihr Selbstbild endlich mal gerade zu rücken und zu erkennen, dass sie da momentan eher weniger als "geile Zocker", sondern eher als ausgemachte Trümmertruppe unterwegs ist.

Das kurzfristige Ziel kann erstmal nur sein, nicht weiter nach hinten zu rutschen. Der Gedanke verursacht mir angesichts der Ansammlung von Helden in Ringelsöckchen echte Bauchschmerzen. Wir können aktuell vieles nicht, aber Abstiegskampf besonders nicht. Wir würden selbst bei einem Relegationsspiel ohne gelbe Karte vom Platz gehen, weil wir den Gegner lieber mit erhobenen Armen an uns vorbei laufen lassen, da wir ihn lieber tunneln wollen, statt Foul zu spielen.


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