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‚Streik‘ der Schiedsrichter im Saarland (Fußball allgemein)

Will Kane @, Saarbrücken, Dienstag, 17. September 2019, 10:44 (vor 33 Tagen) @ Redaktion schwatzgelb.de

Neulich gab es hier eine Diskussion, dass sich diverse Verhaltensweisen im Fußball wie ‚Schauspieleinlagen’, Reklamieren, Lamentieren, etc. im Vergleich zu ‚früher‘ deutlich häufiger vorkämen und dass dies bereits im Nachwuchsbereich zu beobachten sei. In einem Beitrag zu dieser Diskussion schrieb ich sinngemäß, dass dies keineswegs eine negative Entwicklung der letzten Zeit sei, sondern durchaus auch in der Vergangenheit vorgekommen sei - von einigen Ausnahmen abgesehen.

Eine dieser Ausnahmen ist die Gewalt gegen Schiedsrichter. Diese hat es in der Form und in dem Ausmaß in früheren Jahrzehnten in der Tat nicht so gegeben wie heute. Und diese Gewalt gegen Unparteiische war der Grund für einen ‚Streik‘ der Schiedsrichter im Bereich des Saarländischen Fußballverbandes am vergangenen Wochenende. Bis hinauf zur Saarlandliga fielen im Nachwuchs- und Aktivenbereich die Spiele aus. Aber der Reihe nach.

Auslöser dieses ‚Streiks‘ war eine brutale körperliche Attacke gegen einen Schiedsrichter nach einer C-Juniorenbegegnung bzw. die Reaktion darauf. Der Referee erlitt schwere Verletzungen; er wurde im wahrsten Sinne des Wortes ins Krankenhaus geprügelt. Der Fall löste Erschütterung aus und die regionalen Medien (‚Saarbrücker Zeitung‘, Saarländischer Rundfunk) griffen ihn auf. Einer der führenden hiesigen Schiedsrichterfunktionäre äußerte sich öffentlich betroffen; ein solches Vorkommnis habe es in den letzten 20 Jahren nicht gegeben. Diese Äußerung wieder führte dazu, dass einem Schiedsrichter der Kragen platzte. In einer öffentlich gewordenen e-mail an Schiedsrichterkollegen wies er darauf hin, dass Gewalt gegen Schiedsrichter häufig vorkäme und besagter Funktionär gegenüber der Presse entweder aus Ahnungslosigkeit oder bewusst die Unwahrheit sagen würde. Aus Protest gegen die Situation rief er seine Kollegen zum ‚Streik‘ auf.

Diese e-Mail schlug hohe Wellen. Von Schiedsrichterkollegen erhielt der Verfasser sehr viel Zustimmung und Zuspruch. In einem Interview mit sr3 ließ er richtiggehend Dampf ab. Die Schiedsrichterbosse würden sich an Wochenenden auf den Tribünen der Regionalligisten 1. FC Saarbrücken oder SV Elversberg aufhalten und es sich in den entsprechenden VIP-Bereichen der Hauptsponsoren gutgehen lassen, aber wie es zur gleichen Zeit auf den Plätzen im Amateur- und Nachwuchsbereich zuginge, wüssten sie nicht oder wollten sie nicht wissen. Auch wenn einige Antworten in diesem Interview sehr emotional gehalten waren, brachte es die obersten Funktionäre doch in Zugzwang. Sie mussten Versäumnisse und Fehler eingestehen und reagieren. Besondere Brisanz erhielt die Angelegenheit, weil sich zwischenzeitlich ein erneuter schwerer Vorfall ereignete. Unter Beschimpfungen und Tritten musste ein Schiri in die Kabine flüchten und unter Polizeischutz zu seinem Wagen geleitet werden.

Die Funktionäre griffen die ‚Streik‘-Idee auf und organisierten die erwähnte Spieltagsabsage. In einem Interview mit der ‚Saarbrücker Zeitung’ musste der oberste Schiedsrichterboss einräumen, dass es allein in den letzten zwei Jahren zu 35 bekannt gewordenen Attacken auf Schiedsrichter im Saarland gekommen sei. Von üblen Beleidigungen über körperliche Bedrohungen (auch mit Gegenständen) hin zu Freiheitsberaubung und schwerer Körperverletzung. Die Dunkelziffer sei hoch, da gerade junge Schiedsrichter sich nicht trauten, Vorkommnisse zu melden oder Anzeige zu erstatten. Die Täter seien Spieler, deren Angehörige und Freunde, Vereinsfunktionäre, Zuschauer. Auch gebe es Fälle, in denen offensichtlich
via Mobiltelefon Personen herbeigerufen würden, die dem Schiedsrichter dann außerhalb des Vereinsgeländes auflauerten, wo der Verein nicht mehr für die Sicherheit des Schiris zuständig sei. Man fordere nun eine ‚Null-Toleranz-Politik‘ gegen Wiederholungstäter und wolle mit den diversen „Problem-Clubs“ reden. Man wolle aber keine „wilden Streiks“. Daher die Spieltagsabsage, auch wenn dies leider für die Vereine finanzielle Verluste bedeuten würde.

Der Verfasser der besagten e-mail hat dies als reine ‚Symbolpolitik‘ bezeichnet, zumal ja bereits Ersatztermine mit den Vereinen vereinbart worden seien. Er rief abermals zu einem ‚wilden Streik‘ auf, worauf der zuständige Schiedsrichterkreisverband seine geplanten Einsätze strich, weil dies seinen satzungsgemäßen Aufgaben widerspreche, einen geregelten Spielablauf zu gewährleisten. Die Referees könnten den Rückhalt der Vereine einbüßen. Der Betroffene wirft den Verband vor, ihn „ mundtot“ machen zu wollen.

Mittlerweile hat sich der Innenminister des Saarlandes eingeschaltet. Seiner Einladung zu einem Gespräch zur Klärung und Verbesserung der Situation sind über 300 Schiedsrichter gefolgt. Er sagte zu, dass an jedem Spieltag ein Beamter zur Aufnahme von Anzeigen abgestellt würde, um eine zügige Weiterleitung an die Justizbehörden sicherzustellen. Es sollen Maßnahmen ergriffen werden, damit Strafverfahren beschleunigt würden, um zeitnah eventuelle Verurteilungen zu erreichen.

Bei Interesse kann man auf den Webseiten der ‚Saarbrücker Zeitung‘ und des ‚Saarländischen Rundfunks‘ die betreffenden Artikel / Beiträge finden. Man darf gespannt sein, wie es in dieser Sache weitergeht.

 

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