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Ballzirkulation und Kaderstärken (BVB)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Montag, 02.09.2019, 13:45 (vor 2455 Tagen) @ BaschiCH

Dass Wolf an die Hertha für ein Jahr ausgeliehen wird, ist aus meiner Sicht einerseits nicht so sehr relevant im Hinblick auf unseren Kader. Andererseits finde ich schon, dass er Anlass gibt, sich unseren Kader einmal etwas genauer zu betrachten. Und zwar nicht in puncto Quantität, und auch nicht unbedingt hinsichtlich genereller / individueller Qualität. Sondern bezüglich spezifischer Qualität. Und zwar jener spezifischen Qualität, die sich aus den Anforderungen ergeben, die der von unserem Team praktizierte Fußball erfordert.

Ich charakterisiere den bislang unter Favre praktizierten Fußball einmal etwas vereinfacht als Mix aus durchaus auch sicherheitsorientiertem Ballbesitz- und temporeichem Konterfußball. Wobei beide ‚Gegenpole‘ nicht nur sehr viele Ausprägungen haben, wie auch in unserem Spiel zu beobachten ist (und wo aus meiner Sicht auch nach wie vor ein Knackpunkt in unserem Spiel liegt), sondern je nach Spielsituation auch mit anderen Begriffen belegt werden. Ein solcher ‚Mix‘ ermöglicht einerseits Spielkontrolle und Dominanzausübung, andererseits Anpassung an den Gegner. Je nach Spielweise des Gegners, Spielverlauf und Spielsituation. Theoretisch jedenfalls. In der Praxis funktioniert dies bei uns durchaus gut und oft, allerdings kommt es immer wieder zu Spielen, in denen die Anforderungen, die das Spiel des Gegners an unser Team stellt, nur sehr unzureichend durch unsere Mannschaft erfüllt werden. Und dies trifft in erster Linie auf Spiele gegen konsequent tief und kompakt stehende ‚underdog‘-Mannschaften zu, welche die zu bespielenden Räume eng machen und verdichten und mit wenigen Kontern und/oder Standards versuchen, zum Torerfolg zu kommen.

Es ist im Fußball allgemein ein ‚Klassiker‘ und bei unserem Team scheinen sich im Vergleich zur Vorsaison die diesbezüglichen Probleme nicht geändert zu haben. Zumindest nicht in der Frühphase dieser Saison. Die Frage danach, warum dies so ist, mag man mit fehlender ‚Einstellung’ der Mannschaft bzw. einzelner Spieler gegen solche Gegner oder mit mangelnder diesbezüglichen Befähigung des Trainers beantworten. Beides greift mir jedoch zu kurz, auch weil ich beides nicht wirklich beurteilen kann, wenn ich ein Spiel von außen als Zuschauer verfolge. Anders wäre es wahrscheinlich, wenn ich selbst auf dem Platz stehen oder selbst am Training teilnehmen würde. Ich kann nur das beurteilen, was ich im Spiel sehe. Und das führt mich dabei zu der Frage, ob die tatsächlichen Stärken / Fähigkeiten der Spieler unseres Kaders und die erforderlichen Stärken / Fähigkeiten in bestimmten Spielen / Spielverläufen / Spielsituationen wirklich übereinstimmen.

Im Fußball ist es wie in der Physik, die unser Leben bestimmt: Raum und Zeit sind entscheidende Faktoren. Räume, die ich nutzen kann und muss. Und zwar mit der jeweils erforderlichen Geschwindigkeit. Werden mir dieses Räume allerdings verwehrt, weil der Gegner sein Spiel darauf ausrichtet, mir die entscheidenden Räume zu verwehren, dann brauche ich auch Stetigkeit und Geduld, um mir die Räume zu schaffen, die ich benötige. Das ist in der Theorie leichter gesagt, als in der Praxis mitunter umgesetzt. Was für eigentlich favorisierte Teams mit jedweder Spielanlage gilt. Es gibt im Laufe einer Saison auch für Teams wie Barça, Liverpool, ManCity, PSG oder auch Bayern, die über leicht unterschiedliche bis stark abweichende Spielanlagen verfügen, immer wieder auch Spiele gegen sich einigelnde ‚underdogs‘, die sie nicht gewinnen können oder im Einzelfall auch einmal verlieren. Zumeist gewinnen sie solche Spiele allerdings, wenn auch häufig genug sehr knapp. Kein Mensch fragt am Ende einer mit einem Titel erfolgreich abgeschlossenen Saison mehr (mMn unverständlicherweise) nach einem von Geduld geprägtem 0:1 bei einem Abstiegskandidaten. Aber bei einer ansonsten recht erfolgreichen Saison, in der ein Titel nur knapp verpasst wurde, wird (mMn verständlicherweise) schnell danach gefragt, warum man das Spiel beim Abstiegskandidaten X 2:1 verloren oder bei Y nur 0:0 gespielt hat. Nur wird ‚fehlende Geduld‘ oder ‚mangelnde Konzentration‘ als Antwort nicht gerne gehört. Diese Antwort ist auch mMn nicht die erforderliche umfassende Begründung, aber sie ist mMn Teil dieser.

Zu den absoluten Stärken der Offensivspieler unseres Teams und der offensiv ausgerichteten Spieler aus anderen Mannschaftsteilen zählen Tempo, Geschwindigkeit, Dynamik nebst Passspiel, wenn es darum geht, in Räume hinein zu spielen und sich in diese zu bewegen. Im vorletzten Spiel in Köln waren uns diese Räume durch intensiv pressende und mittels extremer Laufarbeit ständig und schnell ballorientiert verschiebende Kölner über lange Zeit des Spiels weitgehend verwehrt. Erst als sich die Kölner selbst müde gespielt haben (!), könnten wir die sich in der Schlussphase dadurch auftuenden Räume auch dank der richtigen Einwechselungen nutzen. Union hingegen hat da cleverer gespielt. Trotz hoher Laufleistung und Intensität hat man diese richtig dosiert eingesetzt und sich eben nicht selbst müde gespielt. Bereits in der letzten Saison gab es solche Spiele gegen so spielende Gegner, in denen wir nicht in der Lage waren, ausreichend Torchancen durch erspielen/öffnen von Räumen zu kreieren. Und ich stelle mir nach wie vor die Frage, ob wir ausreichend Spieler in unserem Kader haben, die auch für ein solches Spiel die notwendigen Eigenschaften im erforderlichen Maß mitbringen. Ich persönlich sehe unsere Ballzirkulation gegen solche Teams nach den Eindrücken von 3 Meisterschaftsspielen ( was natürlich sehr wenig ist) als nach wie vor nicht angemessen an. Teilweise in der Tat ohne die notwendige Geduld, aber auch nicht immer mit der notwendigen Konzentration. Es fehlt Bewegung (und zwar zum Passadressaten hin), Passgenauigkeit und durchaus auch an Passgeschwindigkeit. Nur wenn dies stimmt, kann meine Ballzirkulation irgendwann im Spiel auch einmal den Raum öffnen, in denen ich dann hineinspielen und mein Tempo ausnutzen kann. Denn wenn es diese Räume gibt, dann brillieren wir auch.

Witsel fehlt uns sicherlich, aber ich persönlich habe in der Offensive am Samstag auch Hazard vermisst, der nach meinem Eindruck zu einer verbesserten Ballzirkulation beitragen kann, was nicht für alle Spieler gilt.

Wenn man über Probleme gegen entsprechend spielende Teams spricht, sollte man dabei nicht die Konterabsicherung auslassen. Auch eine ‚Doppelsechs‘ nutzt nicht viel, wenn es z.B. durch Passungenauigkeiten zu Ballverlusten und Kontern kommt und die tempostarken Offensivspieler nicht nach hinten arbeiten. Beim Konter von Union, der zum Gegentor führte, lief so einiges bei uns schief. Hätte Bürki nicht so gut reagiert, hätte der Ball schon in unserem Tor einschlagen müssen. Warum aber dann der Rückraum nicht oder nur sehr unzureichend besetzt war und der nachrückende Unionspieler frei zum Schuss kam (und traf), sollte man vielleicht einmal mit den stehengebliebenen Offensivspielern besprechen.


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