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Entfremdung geht weiter (WM / EM / Olympische Spiele aktuell)

tzuio09, Dienstag, 30.06.2026, 10:55 (vor 2 Stunden, 27 Minuten) @ Hatebreed
bearbeitet von tzuio09, Dienstag, 30.06.2026, 10:59

So geht es mir seit Jahren. Es ist trotz einer EM im eigenen Land eigentlich nie richtig gelungen die Nationalmannschaft als Identitätskrise- und gewinnbringend zu positionieren.

Das liegt sicherlich zu einem großen Teil am Verband selber, der sich extrem schwer damit tut den Spagat zwischen dem "modernen Fußball" und dem "traditionellen Kulturgut" zu bewerkstelligen.
Personell folgte auf den Vollvermarkter Oliver Bierhoff der ach so kultige Rudi Völler. Die Trainerbank besetzte man mit Flick und dann Nagelsmann. Besonders Letzterer stand noch nie für den Sport, in den ich mich mal als kleiner Junge verliebt habe. Julian Nagelsmann vertritt schon allein von der Vita, aber auch in jedem Interview einen Sport, dem ich nicht mehr viel abgewinnen kann. Ein Mann der redet, als komme er grad von einem windigen Leadership-Seminar.

Vor Jahren ist das bei mir persönlich mal zu einer Art Kulturkampf ausgeartet, bei der ich auf der einen und die Nationalmannschaft auf der anderen Seite stand. Inzwischen ist mir diese Truppe relativ egal und auch gestern hat mich mehr der Sport und seine Geschichte des Abends so lange wach gehalten und nicht der leise Hoffnungsschimmer, dass es Deutschland doch noch packt. 20 Jahre nach dem ich komplett leer auf dem Friedensplatz stand, als dieser verfluchte Grosso das 1:0 gemacht hat.

Der Unterschied zu 2006 oder auch 2010 ist bei mir persönlich wirklich krass. Klinsmann hatte es damals eindrucksvoll geschafft ein Land hinter der Nationalmannschaft zu versammeln. Weil das alles echt wirkte und nicht so aufgesetzt wie uns Raphael Brinkert und seine Kollegen von Jung von Matt und Co. den DFB seit Jahren verkaufen wollen.

Dazu kommt aber auch eine Spielergeneration, von der ich die Hälfte einfach lächerlich finde. Allen voran Kimmich, dieser personifizierte VAR der Nationalmannschaft. Zwischendurch mal ganz nützlich, aber in 98% der Zeit nervig und etwas, das mit jedem Einsatz ein Stück meiner Fußball-Welt zerstört. Dann ein Rüdiger, bei dem du nicht weißt, ob er gleich den eigenen Mannschaftskollegen auffressen will oder n Bibelvers sucht, wieso es unchristlich ist den Ball einfach wegzugrätschen. Und zu guter Letzt Manuel Neuer, der fürs eigene Ego das Leistungsprinzip dieser Elf unterwandert hat.

Wenn man sich die Zitate von Nagelsmann heute Morgen so durchliest, dann ist das schon alles relativ dünnhäutig und weit weg von Selbstreflexion. Wenn sich der DFB wirklich weitere Monate und Jahren einen Trainer leisten will, der keine Verantwortung übernehmen will, einzig und allein damit beschäftigt ist, das eigene Vermächtnis zu verwalten, dann sollte er unbedingt weiterhin auf Nagelsmann oder alternativ Andy Scheuer setzen.

Es würde mich stark verwundern, wenn man beim DFB nach dem dritten blamablen WM-Aus irgendetwas ändern wird. Die Vetternwirtschaft wird sich weiter drehen, im Herbst folgt dann wieder irgendein Länderspiel in Hoffenheim oder Düsseldorf mit einer Stadionstimmung für Menschen, die ihre Fußballleidenschaft im DFB- oder Red Bull Fanshop entdeckt haben. Irgendein Hoffnungsträger, vielleicht El Mala, wird mal seine Chance bekommen, kurz vor der EM wird man sich einreden, dass wir ja eine Turniermannschaft sind und dann folgt das nächste Aus im Achtelfinale gegen Finnland oder Lettland. Ole, Super Deutschland, ole.


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