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Irgendwie ein Teufelskreis (BVB)

Brulence, an der Ruhr, Dienstag, 24.09.2024, 11:46 (vor 509 Tagen) @ Thomas

Es ist gleichermaßen absurd wie fast erwartbar gewesen, dass nach Spieltag Numero 4 der Mix aus Erwartungshaltung, Selbstverständnis und dem bislang Dargebotenen dazu führt, dass es direkt wieder köchelt. Ich glaube, dass wir uns mittlerweile in einer ganz ungesunden Spirale der Unzufriedenheit befinden, die kaum zu kitten ist. Und ganz am Rande: auch ein Erfolg in der CL im vergangenen Jahr bzw. ein möglicher Meistertitel im Jahr davor würden daran nicht groß etwas ändern.

Beide Momente für sich waren an der Oberfläche großartig. Die Aufholjagd in der Liga 22/23 und magische Nächte in der CL 23/24. Beides ist aber meinem Empfinden nach nicht aus einer übergeordneten Position der Stärke entstanden. Vielmehr war es so, dass auch diese Spielzeiten von erheblicher Unzufriedenheit begleitet wurden weil die Mannschaft nur ganz partiell in der Lage war, Glanzpunkte zu setzen. Die beiden Finals (dazu zähle ich jetzt mal den 34. Spieltag) waren dann eher der kleinste gemeinsame Nenner, um das eigene Selbstverständnis zu befrieden und eine zarte Bande zwischen Verein/Mannschaft und Fans zu bilden. Nicht falsch verstehen – insbesondere die Finalteilnahme in der CL soll damit gar nicht klein geredet als vielmehr eingeordnet werden.

Denn:
Wofür steht denn Borussia eigentlich mittlerweile? Und – fast bedeutender: wie ist es denn um uns als zweiten Leuchtturm bestellt? Sind wir eher Meisterschaftsanwärter (qua 2022/2023) oder ist es nicht eher der Kampf um Platz 4?

Platz 4 ist dann jener, der über Jahre als übergeordnetes Ziel ausgegeben wurde. Qualifikation für die CL. Das ist uns genauso lange als „ambitionslos“ aufs Brot geschmiert worden. Im Laufe der Zeit ist man dann dazu übergegangen, offensiver in der Kommunikation zu werden. Die Meisterschaft als klares Ziel – und in diesem Zuge hat man sich aber auch sukzessive davon entfernt, überhaupt ein ernsthafter Kandidat hierfür zu sein. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Stetige Wechsel auf der Trainerposition – jeder für sich im Übrigen weitestgehend nachvollziehbar. Wo Favre noch für die bedächtige aber durchaus taktisch feine Klinge stand, hätte es unter Rose dann doch gerne etwas mehr Rock´n´Roll geben dürfen, ehe man den Dortmunder Jungen Terzic installierte. Der, der schon auf der Süd stand und bereits zuvor ein kurzes Intermezzo mit dem Pokalsieg auf der Trainerbank hatte.

Über die Jahre der Trainerwechsel kam es zu einer offensichtlichen Änderung der Transferstrategie und damit einhergehend auch einer kontinuierlichen Abnahme der Kaderqualität. Von Top-Talenten wie Dembélé und Aubameyang, zu Top-Top-Talenten wie Sancho, Bellingham und Haaland landet man mittlerweile viel zu oft in der (Bundesliga-)Kragenweite Schulz, Nmecha, Bensebaini, Adeyemi (nicht-BL) und Özcan. Unabhängig von den gezahlten Ablösen und Gehältern sind die genannten Spieler-Typen ziemlich sicher eher jene, die Du maximal in ein funktionierendes Korsett und Kollektiv einbauen kannst. Wo es klare Rollenverteilungen und Abläufe gibt. Wo es Mitspieler gibt, deren individuelle Qualität deutlich höher ist und das Gesamtgefüge durch eben diese deutlich gehoben wird. Nur: die gibt es nicht mehr bzw. kaum noch. Und dann wundert man sich allenthalben warum Nmecha nicht der neue Bellingham ist. Man wundert sich, dass Malen nie der Dribbler-Ersatz für Sancho war und auch in seinem nun dritten Jahr immer noch irgendwie nicht angekommen wirkt. Man wundert sich gleichermaßen warum ein Adeyemi (ebenfalls im dritten Jahr) nicht urplötzlich konstant und technisch versiert abliefert. Man wundert sich, dass Bensebaini nach einem halben Jahr Versenkung (Verletzung und Maatsen) immer noch der Möchengladbach-Bundesliga-Durschnitts-LV ist.

Es hat uns über Jahre ausgezeichnet, dass wir die Abgänge einigermaßen kompensieren konnten, mit neuer individueller Qualität und Phantasie. Mittlerweile bekommen wir das nicht mehr hin – und das ist, auch mit Blick auf unser Geschäftsmodell/unsere Transferstrategie alarmierend.

Wo Leipzig im letzten Sommer Spieler wie Nkunku, Laimer, Gvardiol und Szoboszlai hat ziehen lassen, gab es dennoch keinen spielerischen Bruch. Der VfB musste diesen Sommer Korsettstangen wie Ito, Anton und Guirassy ziehen lassen – bis dato ohne Qualitätsverlust. Der Traditionsverein aus Hoffenheim ist vor Jahren das Wagnis eingegangen, während der Saison den damals blutjungen Nagelsmann zu installieren, wonach sich zügigst seh- und messbare (Punkte) Veränderungen einstellten.

Wir aber, wir brauchen Zeit. Zeit, die es gar nicht gibt, die wir (respektive Sahin) gar nicht haben. Wenn Du mit Saisonbeginn unter einem neuen Trainer, mit einem neuem System nicht einigermaßen in Tritt bist, dann wird die Saison ne absolut zähe Nummer. Wir stehen kurz vor den bis Jahresende dauernden englischen Wochen, bei denen es hauptsächlich um Regeneration als um das Schärfen von Abläufen geht. Und das mit einem Kader, der aktuell nicht den Anschein macht, als sei er quantitativ auf dem Level, das Sahin qua System benötigt – gepaart mit nicht passenden Abläufen, einem taktisch fragwürdigen System und mangelnder Qualität.

Schlussendlich: wir drehen uns im Kreis. Seit Jahren, immer noch und immer weiter.

Und wie bereits zu Beginn bemerkt: Diesen Kreis zu durchbrechen… ehrlicherweise wüsste ich dafür derzeit kein Allheilmittel. Es ist ja nicht so, als hätte man in den letzten Jahren (von oben angeordnet) nicht Diverses versucht. Mehr Mentalität, weniger sexy, dafür aber erfolgreicher, die emotionale Trainer-Schiene über Terzic und auch jetzt Sahin. Nach einer klaren Strategie sieht das alles zumindest nicht aus.

Man muss sich das glaube ich nochmal in Erinnerung rufen. Wir sind kein Titelaspirant (mehr). Wir sind letzte Saison Fünfter geworden. Sehr verdient Fünfter. Ob wir diese Saison stärker sind, das mag jeder für sich individuell beurteilen. Ich bin mir recht sicher, dass Platz 4 unter all den bekannten Aspekten eine Mammutaufgabe wird. Und so platt das klingt: den Weg, den man über die letzten 3-4 Jahre eingeschlagen hat, ist ein Irrweg, der uns maximal den Status Quo halten lassen wird. Ein Weg, der nach meinem Empfinden deutlich mehr Risiken und Gefahren mit sich bringt, als dass er ambitioniert wirkt.


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