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Watzkes Coup (BVB)

Ricola1, Ort, Samstag, 30.12.2023, 21:02 (vor 782 Tagen) @ Will Kane

Nachdem ich die ersten Meldungen aus der Türkei vorgestern am späten Abend gelesen, die gestrigen und heutigen Reaktionen hier im Forum überflogen, einige Kommentare in den Medien mitbekommen und mir last not least meine eigenen Gedanken gemacht habe, bin ich jenseits einer persönlichen inhaltlichen Wertung, aus einer neutral-nüchternen Warte betrachtet und ohne über Aki Watzkes mögliche Motivation zu spekulieren zu dem Schluss gekommen, dass Watzke mit der Verpflichtung von Nuri Sahin und Sven Bender und der damit verbundenen Neuaufstellung des Trainerteams ein echter Coup gelungen ist.

Wie ich zu dieser Einschätzung komme?

Nun, ein Coup ist immer durch das Überraschungsmoment, das Unerwartete gekennzeichnet. Und zwar hinsichtlich Augenblick und Inhalt. Das, womit niemand und nicht zum entsprechenden Zeitpunkt gerechnet hat.

Beides ist hier der Fall.

Nach dem ‚Analysegespräch‘ wurde ein Ergebnis nach außen kommuniziert, das zwar für Diskussionen sorgte, aber hinsichtlich der wesentlichen Personalentscheidungen zumindest vorläufige Klarheit brachte. Wenn man allerdings die nun bekanntgegebenen Personalentscheidungen hinsichtlich des Trainerteams berücksichtigt, die eines längeren zeitlichen Vorlaufes bedürfen, dann liegt es auf der Hand, dass die entsprechenden Entscheidungen nicht erst als Ergebnis dieses ‚Analysegesprächs‘ gefallen sein konnten, sondern vielmehr bereits einige Zeit vorher getroffen worden sein mussten.

Nichts von alledem ist allerdings vorher an die Öffentlichkeit gedrungen und auch intern ist alles im ganz kleinen Kreis geblieben. Und das bei einer Entscheidung von nicht unerheblicher Tragweite. Die ersten Meldungen kamen ja auch wie erwähnt aus der Türkei und eben nicht aus Deutschland.

Das ist außergewöhnlich und spricht für die Disziplin und Zuverlässigkeit des involvierten Personenkreises in dieser Angelegenheit.

Inhaltlich ist die Neuaufstellung des Trainerteams ebenfalls eine Überraschung. Wer hätte schon damit gerechnet, dass ein erfahrener Co-Trainer seinen Platz räumt, der immerhin seinen nicht zu unterschätzenden Anteil an der erfolgreichen Rückrunde der letzten Saison hatte? Und mit der Verpflichtung zweier Trainerjungspunde als Co-Trainer mit nur sehr relativer Erfahrung, die als Spieler lange Jahre das Gesicht des Teams entscheidend mitgeprägt haben? Davon der eine mit keinerlei Trainererfahrung im Erwachsenen- und nur sehr kurzer Erfahrung im Nachwuchsbereich, und das auch ‚lediglich‘ im Verbands- und nicht im Clubfußball. Der andere hat auf seiner ersten auch noch nicht so lange andauernden Trainerstation im Profibereich zwar relativen Erfolg zu verbuchen, ohne dabei allerdings durch Besonderheiten hinsichtlich Taktik oder Spielweise auf sich aufmerksam zu machen.

Ganz gleich, ob man die entsprechende Entscheidung inhaltlich je nach Meinung oder Perspektive als mutig oder fahrlässig ansehen mag und auch ganz gleich, in welchem Kontext man sie für sich selbst einordnet, sie bleibt eine überraschende Entscheidung, mit der niemand gerechnet hat.

Der Coup ist Aki Watzke gelungen, das muss man anerkennen. Wie sich diese Entscheidung kurz-, mittel- und langfristig auswirken wird, muss sich zeigen. Ich persönlich setze da zwar einige Fragezeichen, aber das ist nicht relevant, zumal ich auch nicht in der Verantwortung stehe.

So oder so, für das neue Jahr wünsche ich ‚meinem‘ BVB wie immer den bestmöglichen Erfolg.

Einen richtigen "Coup" sehe ich darin nicht, eigentlich sogar das Gegenteil. Das ist strukturell erwartbar, da sich immer mehr ein Muster zeigt, das Bayern bedingt durch U. Hoeness immer wieder an den Tag legt. Wagenburg-Mentalität.

Hoeness hat seinerzeit in einer Krise 2007 O. Hitzfeld als Trainer zurückgeholt (gab in diesen Tagen einen Bericht darüber, in dem Hitzfeld sagte, er habe eigentlich keine Lust gehabt, aber sich auch gelangweilt. Bei der Gelegenheit habe ich mal über die Hoeness-Strategie nachgedacht). Jupp Heynckes hat er in der Not ja auch gleich mehrfach zurückgeholt. Jetzt Karl-Heinz aus Lippstadt. Als er aus dem Gefängnis kam und sich wieder in den Klub reinschlich (Rummenigge hat in aller Öffentlichkeit von einer anderen Position als "Präsident" gesprochen), hat er sich den alten Doktor wieder geholt.

Brazzo, Oliver Kahn, vor über zehn Jahren Nerlinger als Sport-Direktor. Niko Kovac als Trainer (was in München, habe selbst in Oberbayern gearbeitet, als grotesk empfunden worden ist). Es werden immer wieder die alten Familienmitglieder - die, die es recht machen, Lahm ist mehr oder weniger öffentlich abgewatscht worden - herbeizitiert. Hats Bayern geholfen? Sehe ich nicht, die Erfolge sind auf dem Mist von van Gaal und später Guardiola gewachsen. Der Klub ist an sich heruntergewirtschaftet, auf Cheftrainer-Ebene, auf Jugendebene, auf organisatorischer Ebene - ein Klub der alten Männer mit Hainer als Hoeness-Vertrautem als Präsident -.

Genau dieselbe Vorgehensweise sehe ich beim BVB. Der Altvertraute Sammer, der Altvertraute Kehli, der ja offenbar nicht mehr so wohlgelitten ist, der Südkurven-Edin, immer mal wieder frühere Spieler aus der wohligen Zeit und jetzt auch noch die früheren Spieler aus der wohligen Zeit in der Hinterhand für die Trainerbank.

Vollkommen unabhängig von der Qualität, die Nuri Sahin mitbringen mag, die ich wirklich nicht im Ansatz beurteilen kann, fehlt es geradezu auffällig an Kontrapunkten. An Meinung im Klub. Da baut einer seine Macht weiter aus und offenbar gucken alle zu. Ich persönlich bin kein Freund der Methode Hoeness. Und ich hoffe, im Umfeld der Geschäftsführung hält noch irgendjemand, vielleicht Investoren, die Augen offen.


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