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Pro Pluralismus (BVB)

Gargamel09, Samstag, 24.06.2023, 22:05 (vor 1144 Tagen) @ Jurist

Unabhängig davon, dass die Kirche mit der AfD und WerteUnion in einen Topf zu schmeißen, wirklich unappetitlich ist:


Ich lese hundertausendmal lieber Ichem, Grigori, Lattenknaller und co. als in meiner eigenen Bubble meine eigene Ansichten unreflektiert bestätigt zu bekommen.

Was soll das bringen? Wenn man den ganzen AfD Heinis (Ichem kenne ich nicht, Lattenknaller passt hier nicht rein) folgt, dessen Blick auf die Welt man Tag für Tag vorgesetzt bekommt, hat das nur eins zur Folge, man regt sich auf. Da gibt es auch keinen Diskurs, siehe Chrupalla bei der Maischberger. Was will man mit denen diskutieren, da kommt es zu keinem Konsens, das sind 2 Pole, die sich gegenseitig abstoßen, weil die sich auch gar nicht (mehr) auf die andere Seite einlassen wollen.


Das hat zwei Gründe: einerseits müssen wir miteinander reden, debattieren und uns gegenseitig respektieren in einer funktionalen pluralistischen Gesellschaft. Das wahrt den inneren Frieden. Andererseits wäre es ignorant und auch ein Zeichen eigener Unsicherheit, wenn man seinen Standpunkt nicht challengen lassen und verteidigen kann. Man kann dadurch sogar lernen, seinen eigenen Punkt weiterentwickeln und daran wachsen.

Wenn du dir zu Aufgabe machst, Leute in die Gesellschaft zurückzuholen, indem du mit ihnen Gespräche führst, wird das eine Lebensaufgabe, ohne spürbaren Erfolg. Weil es da draußen Millionen gibt. Das ist keine Debatte zwischen Linken, Liberalen und Konservativen, die kommen immer irgendwo zusammen, das ist (weit) rechts, die an keinem Dialog mehr interessiert sind, oder sich auf einen einlassen, dessen Ausgang offen ist.

Willst Du wirklich amerikanische Zustände? Darf man nur noch seine eigene Weltanschauung lesen und hören und alles andere ist der Feind, mit dem man nicht reden kann?

Die USA ist oder wirkt nur deshalb gespalten, weil es da nur 2 Parteien gibt, wo sich die Wähler zwischen entscheiden müssen, wo am Ende nicht viele Prozentpunkte zwischenliegen, letztendlich ist es aber auch dort wie hier - gemäßigte Republikaner, Unabhängige (übrigens die größte Wählerschaft) und Demokraten sind immer noch der Großteil/überwiegende Mehrheit der Bevölkerung, die an einem Diskurs interessiert sind, die Verstrahlten, meist Trumpisten, sind für immer verloren. Mit denen (wie auch hierzulande) kannst du zwar versuchen zu diskutieren, nur wie soll das funktionieren, weil die gegen echte Fakten (die haben Alternative) resistent sind. Und wenn Fakten nicht mehr zählen, ist die Grundlage einer Diskussion nicht mehr gegeben.


Das heißt nicht, dass wir menschenverachtende Nazischeiße lesen müssen- wir müssen unsere Brandmauer aufrecht erhalten. Wenn wir aber hingehen und die AfDler, WerteUnionisten und die Kirche (to name a few) alle pauschal hinter diese Brandmauer schieben, werden wir es sein, die isoliert hinter der Brandmauer sitzen, weil wir dann sukzessive jede missliebige Ansicht verbannen.

Seid nicht so schwach, unsere pluralistische Gesellschaft zu opfern, weil es vermeintlich bequemer ist, sich mit dem anderen nicht befassen zu müssen.


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