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Nmecha auf dem Sprung zum BVB (BVB)

LBKS2007, Samstag, 24.06.2023, 08:56 (vor 1145 Tagen) @ Eisen

Ich verfolge die Diskussion um Nmechas Äußerungen, Ansichten und Überzeugungen hier nun seit die ersten Gerüchte aufkamen und ich hatte von Beginn an wirklich enorme Bauchschmerzen beim Gedanken an eine Verpflichtung. Das ist für mich aktuell das präsenteste Thema rund um meinen BVB - in einer Zeit, in der bei mir üblicherweise bereits die Vorfreude auf die neue Saison, auch neue Spieler, beginnt und in der ich mich gerne an jeder Diskussion zu noch so absurden Transfergerüchten beteilige.

Nun muss ich mir vielleicht gestehen, dass ich mir all die Jahre wirklich selten Gedanken gemacht habe, inwiefern ich als Fan eine etwaige Neuverpflichtung als charakterlich einwandfrei und gutes Vorbild empfinde. Über die meisten Spieler war oder ist aber auch wenig bekannt, was Zweifel an einer freiheitlich-demokratischen Weltanschauung und einem für mich erstrebenswerten Menschenbild wecken würde. Es gab ein paar Diskussionen um Weghorst, Brandt und Meunier in puncto Impfung. Unsympathisch aber geschenkt.
Bei Haaland gab es das Thema mit Trump, einem Vollidioten aber demokratisch gewählten Präsidenten der USA. Geht man weiter zurück, findet man sicher immer wieder mal verbale Entgleisungen zu politischen oder gesellschaftlichen Themen. Es würde mich wundern, wenn bei hunderten junger Männer, die in den ersten beiden Ligen Deutschlands aktiv sind, nicht ähnliche Ansichten, Ideologien, Menschenbilder vorhanden wären, wie das beim breiten Schnitt der Gesamtgesellschaft der Fall ist.

Ich denke aber auch, dass das heutzutage deutlich toleranter, aufgeklärter zugeht, als vor 30 Jahren. Nicht nur in Spielerkreisen, glücklicherweise auch bei uns Fans. Daher stechen die Nmechas unserer Zeit viel mehr raus, es wird mehr diskutiert und es gibt absolut zu recht deutlich mehr Gegenwind.

Der BVB ist mein Verein, der BVB ist unser aller Verein. Unser Leben. Wir umgeben uns privat, beruflich, familiär in der Regel mit Leuten, die sich innerhalb eines gewissen Grundwertekodex bewegen. Tut das jemand nicht, bemühen wir uns nicht unbedingt, diese Person weiter in unser soziales Umfeld zu integrieren. Ich kann gut mit anderen Meinungen leben, ich habe Freunde, Bekannte, Verwandte mit den unterschiedlichsten Ansichten. Es gibt immer wieder Diskussion und man kann immer unterschiedlicher Meinung sein.

Das Recht zu lieben wen man will steht dabei nicht zur Debatte. Gibt es Äußerungen in diese Richtung, die dieses Recht infrage stellen, ist jeglicher gemeinsame Nenner hinfällig. Adios.

Felix Nmecha hat sich hierzu klar positioniert. Ich verstehe nicht, wie man von Vereinsseite auch nur eine Sekunde über eine Verpflichtung nachdenken kann. Borussia verbindet? Ja wen denn? Stellt euch doch mal vor ihr seid homosexuell, habt eh schon den Druck das am besten geheim zu halten (oder nach eigenem Empfinden geheimhalten zu müssen), und sollt künftig mit so jemandem zusammen spielen?

Und was ich mich ebenfalls Frage: ob die Kritik an Nmechas nun angemessen ist oder nicht - sie ist da. Hat man wirklich gar keine Alternative? Man handelt im Sinne eines Vereins mit Fans, Gremien, einem gewissen Standing, wirtschaftlichen Verpflichtungen, Zielen, Ambitionen, finanziellem Druck. Und da soll ein Nmecha alternativlos sein? Da soll es keinen Spieler geben, mit denen sich die gerade genannten Faktoren besser vereinbaren lassen? Jemand sportlich gleichwertiges, der dürfte zudem mMn nicht sehr schwer zu finden sein, mit dem sich zudem das Umfeld besser arrangieren, die Sponsoren und Fans besser identifizieren können? Für mich wäre diese Verpflichtung ein Armutszeugnis und würde meine, auch durch die verpasste Meisterschaft, weiter gestiegene Verbundenheit mit meinem Verein und allen Borussen doch erheblich auf die Probe stellen. Es ist was anderes ob sich ein paar Fans in social media, im Stadion, in der Bahn oder auf Malle am Strand homophob, rassistisch oder anderweitig diskriminierend äußern oder ob der Verein einen Spieler verpflichtet, der diese Äußerungen möglicherweise partiell teilt. Die Zivilcourage die ich beim missbilligen solcher Äußerungen aufbringen würde, die erwarte ich nun auch vom Verein.


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