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Roman Weidenfeller (BVB)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Dienstag, 23.05.2023, 15:09 (vor 1178 Tagen) @ Jurist81

Es muss um 2006 herum gewesen sein, da habe ich eine Stadionführung im Westfalenstadion unter Gerd Kolbe genossen. In diesem Rahmen (Sommereuphorie, die ich vor jeder Saison versprühe) fragte ich nach seiner Einschätzung für die kommenden Jahre. Seine Antwort werde ich nie vergessen:

"Der BVB hat immer nur dann Titel geholt, wenn man einen hervorragenden Torhüter hatte. Und Weidenfeller ist nicht hervorragend."

Seitdem frage ich mich. Stimmt der erste Satz oder der zweite Satz seiner Einschätzung nicht.

Roman Weidenfeller gehörte als Torhüter nicht zur Spitzenklasse, weil er als Keeper nicht ‚komplett‘ war. Zwar hat jeder Torwart seine stark und seine weniger stark ausgeprägten Fähigkeiten und Fertigkeiten, bei Weidenfeller waren bestimmte Aspekte allerdings zu schwach ausgeprägt, um im ‚Gesamtpaket‘ in der allerersten Reihe stehen zu können.

Wobei die Frage erlaubt sein muss, auf welcher Basis die o.g. Aussage getroffen wurde. Wenn ich mich recht erinnere, unterliefen Roman seinerzeit recht viele Fehler. Und die Strafraumbeherrschung war noch nie auf seiner Habenseite (Gerry-Ehrmann-Schule halt). Das mag zu dieser Bewertung beigetragen haben.

Allerdings scheinen bei der damaligen Aussage offensichtlich mehrere Punkte nicht berücksichtigt worden zu sein. Zum einen, dass man die Fehlerquote auch senken kann. Und genau das ist bei Weidenfeller geschehen. Was wiederum (nicht nur, aber auch) mit dem nächsten Punkt zusammenhängt: Eine Spielweise des Teams, die dem Keeper die Konzentration auf seine Stärken erlaubt. Und genau dies geschah durch die die Einführung des Pressing-/Gegenpressing-Fußballs Klopposcher Prägung.

Nun konnte der Stadionführer damals noch nichts von Kloppos Wirken beim BVB wissen. Genauso wenig wie er wahrscheinlich von der Änderung des Torwartspiels hin zum ‚mitspielenden‘ Torwart etwas geahnt haben mag. Klar, es gab Lehmann oder van der Sar. Aber die Konsequenz, in der ein Neuer das Torwartspiel in Richtung ‚Libero‘ oder ‚Torwart als Feldspieler‘ entwickelt /geändert hat, dürfte er wie die meisten andern nicht vorhergesehen haben. Diese Entwicklung ging an Weidenfeller vorbei und seine fußballerischen Fähigkeiten hätten ihm auch nicht erlaubt, diesen Weg zu gehen.

Beim BVB brauchte er diesen Weg auch nicht zu gehen, da Kloppos Fußball zu der damaligen Zeit das Gegenteil von Ballbesitzfußball war, wie ihn Barcelona oder Bayern praktiziert haben. Zwar hat Kloppo in der Saison 11/12 nach dem verpatzten ersten Saisondrittel das Spiel seines Teams bei eigenem Ballbesitz in Richtung konstruktiv-aufbauend angepasst, dabei aber die Mannschaft nicht zu hoch stehen lassen. Was die Defensive stabiler machte und eine Änderung des Torwartspiels nicht unbedingt erforderlich machte. In der Folgesaison verabschiedete sich Kloppo dann aus meiner Sicht leider wieder von diesem Weg.

In seiner Zeit bei Liverpool hat Kloppo dann erkannt, dass er seinen Spielstil anpassen muss. Was wiederum dann auch einen anderen Torwartypus mit fußballerischen Stärken erforderlich machte. Dafür war man in Liverpool auch bereit, ganz tief in die Schatulle zu greifen. Was sich dann auch gelohnt hat.

Noch einmal zu Weidenfeller: Wäre Kloppo nicht gekommen, hätte Dein damaliger Stadionführer mit seiner Aussage zu Roman wohl recht behalten. So aber wurde Weidenfeller ein erfolgreicher Keeper in einer erfolgreichen Mannschaft. Was er woanders wohl eher nicht geworden wäre. Was uns als BVB-Anhängern aber schnuppe sein kann.


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