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Kokain mit 13??? (Fußball und Sport allgemein)

Ravenga, In der Ruhr liegt die Kraft, Dienstag, 07.02.2023, 09:44 (vor 1085 Tagen) @ Frankonius
bearbeitet von Ravenga, Dienstag, 07.02.2023, 09:51

Wenn ich das mal mit eigenen Erfahrungen zu meiner Schulzeit Anfang der 00er Jahre verknüpfe und es mit den mir bekannten Erlebnissen von Freunden aus anderen sozialen Milieus vergleiche, kann das schon halbwegs hinkommen. Da gab es in der "geheimen" (lol) Raucherecke unseres Schulhofs, neben den "normalen" Rauchern, vor allem Trinker und eine Gruppe Kiffer, aber auch ein paar wenige Leute, die mit 14 oder 15 schon von Erfahrungen mit anderen Substanzen (zwar kein Koks, aber dafür Amphetamin, MDMA und Pilze) berichten konnten. Zahlenmäßig, und das muss man sich deutlich vor Augen halten, war das aber eine sehr kleine und heterogene Gruppe innerhalb eines großen Schulkomplexes mit Hauptschule, Realschule und Gymnasium, insgesamt also vielleicht 3-5 Individuen unter tausenden gleichaltrigen Schülern, d.h. wir reden hier von Extrembeispielen, um das mal vorab klipp und klar einzuordnen!

Interessanterweise hatten diejenigen, die sich nicht mit Alkohol und Tabak begnügten, zum Teil sehr unterschiedliche Biographien, soziale/kulturelle Familienhintergründe, Bildungsgrade und auch Beweggründe für ihren Konsum. Du hattest zum einen die eher einfach gestrickten Typen aus prekären sozialen Verhältnissen, in deren Umfeld alle Arten von Drogen seit frühester Kindheit zum Alltag gehörten, aber auch vermeintliche Vorzeigekinder aus gebildeten und wohlhabenden, zugleich aber extrem zerrütteten oder religiös-konservativen Familien, und manchmal sogar welche aus völlig intakten Verhältnissen, die einfach an die falschen Freunde gerieten. In den ersten beiden Fällen waren die Gründe für den Konsum hauptsächlich Betäubung und/oder Flucht aus der Realität, im letzten Fall eher eine ungesunde Mischung aus Gruppenzwang, Hedonismus und der klassischen Rebellion gegen Eltern/System während der Pubertät.

Im Falle von Peter Fischer bzw. seinem Filius fielen mir aber sofort die Geschichten ein, die meine Ex-Freundin mir aus ihrer Jugend in Luxemburg erzählte. Sie selbst stammt aus einer (für Luxemburger Verhältnisse) nicht besonders reichen Familie, ging aber aufgrund ihrer herausragenden schulischen Leistungen auf irgendeine teure Elite-Schule, die zu den besten des Landes zählte und wo viele Diplomaten, Regierungsmitglieder, EU-Beamte und sonstige Eliten ihre Blagen hinschickten. Der Kontrast zu meiner Schulzeit in einem asbestbelasteten, schimmligen Plattenbau im Dortmunder Westen könnte kaum größer sein: Ihre Mitschüler bestanden aus 15 Jährigen in Pelzmänteln, die ihre persönlichen Bodyguards mit in die Schule brachten und die ihre Wochenende am Zweitwohnsitz der Familie in London-Kensington oder an der Côte d’Azur verbrachten. In diesen Kreisen war Koks auf dem Schulklo unter 14, 15 Jährigen keine kuriose Ausnahme, sondern normal. Die Lehrer wussten auch komplett Bescheid, schließlich fiel ihnen ja irgendwann mal auf, dass komischerweise immer freitags erstaunlich viele aufgekratzte Jugendliche mit mahlenden Kiefern und Pupillen groß wie Untertassen in ihren Klassenzimmern saßen... nur was wollten sie machen, wenn die Eltern beispielsweise bei der Generalstaatsanwaltschaft arbeiteten oder im Vorstand von Arcelor-Mittal saßen? Keine Ahnung, hat wahrscheinlich der Markt geregelt, mir auch egal. Inwiefern sich diese Verhältnisse auf die von Peter Fischer übertragen lassen, sei mal dahingestellt, aber beim Thema Drogenkonsum bzw. "Drogenszene" sollte man vielleicht nicht automatisch ans Frankfurter Bahnhofsviertel, Berlin-Neukölln oder die böse Dortmunder Nordstadt denken. Anderswo wird auch geballert und das nicht zu knapp.

Was den Komplex "Drogen" angeht, macht man sich es oft viel zu einfach. Wenn man es wirklich ernst meint mit der Bekämpfung von Drogen, dann sollte man übrigens mal ganz dringend damit anfangen, den eigenen Blickwinkel auch auf bisher unangetastete Bereiche zu erweitern, nämlich Medikamentenabhängige! Deshalb gehören Rentner auch zu den schlimmsten Junkies in unserem Land, die aber keiner so bezeichnen würde und bei denen nie ein Polizist mit Durchsuchungsbefehl vor der Tür auftaucht, obwohl sie genauso süchtig sind wie Menschen, die sich hinterm Hauptbahnhof Schore drücken. Wobei Letztere im Gegensatz zu den meisten Rentnern wahrscheinlich sogar noch einsehen, dass sie überhaupt an einer Sucht leiden und dass das Zeug, das sie sich täglich reinpfeifen, ihrem Körper auf Dauer schadet. Was allein in Altenheimen an Medikamenten unter den Bewohnern hin- und hergeschoben wird, geht eigentlich auf keine Kuhhaut! Ich habe vor einiger Zeit mal bei meiner Oma starke Blutdrucksenker (sie hat zu niedrigen Blutdruck, hätte sie also umbringen können), Herzmedikamente (sie hat nichts mit dem Herzen) und nen kompletten Blister stärkster Oxycodon-Tabletten gefunden. Die wurden ihr selbstverständlich nie verschrieben, und ich nur so "Omma, what the actual fuck, wo hast du das Zeug her?" Tja, wie sich herausstellte, sind ihrer Freundin Waltraud Hassenichgesehn irgendwann mal ihre Medikamente ausgegangen, also hat sie sich Tabletten von meiner Oma, die ein ähnliches Medikament verschrieben bekommt, geschnorrt und ihr im Gegenzug einfach irgendetwas aus ihrem Vorrat gegeben, damit sie quitt waren. Als sie mir das erzählte, ist mir echt die Spucke weggeblieben und ich will gar nicht wissen, was da seitdem hin und hergeschoben wurde. Macht mich dann irgendwo auch wütend, wenn die Gesellschaft jeden Mittzwanziger, der alle 18 Monate mal MDMA oder Ketamin auf ner Party konsumiert, zum Drogenabhängigen und Kriminellen abstempelt, während alte Menschen verschreibungspflichtige Substanzen, die unters BTM fallen, futtern und an andere verteilen, als wären es Smarties. Aber ich reg mich hier schon wieder auf...


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