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In Frankfurt leistet man gute Arbeit - und ist ausgehungert nach Erfolg (Spieltage)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Mittwoch, 02.11.2022, 16:08 (vor 1166 Tagen) @ koom

Manchmal würde ich gerne, das mal ein Investigationsteam die internen Abläufe von Bundesligisten prüft. Gerade so am Beispiel Frankfurt und Dortmund. Also was erlebt der Spieler, wie wird man da medizinisch versorgt, athletisch vorbereitet usw. Auch das grundsätzliche Umfeld, wie die Mitarbeiter drauf sind.

Es ist ein Stück weit faszinierend, wie viel Frankfurt aus seinem Material herausholt, ohne dabei jetzt taktisch besonders innovativ zu arbeiten. Und das auch mit verschiedenen Trainern und Sportdirektoren. Man ist sogar _relativ_ unabhängig von den Spielern, selbst Hasebe, der sonst so ein Schlüsselspieler ist, spielt in dieser Saison weniger und man ist trotzdem gut dabei.

Hasebe wird im Januar 39 Jahre alt. Da dürfte es verständlich sein, dass der Körper kaum mehr drei intensive Spiele hintereinander verkraftet. Und es ist auch nicht unnormal, das sich aus der der Verbindung von Lebensalter,
Anzahl absolvierter Spiele und Beanspruchung ein höheres Risiko für Verletzungen und entsprechende Ausfälle ergibt, so wie aktuell.

Hasebe profitiert von seiner Spielintelligenz, seinem vorausschauenden Spiel, seinem Stellungsspiel, seiner Raumorientierung, seinem Passspiel und sicherlich seiner Erfahrung und seiner Disziplin. Nur so kann er auf der Quasi-Liberoposition immer noch exzellente Leistungen zeigen. Diese hat ihm seinerzeit Niko Kovač zugewiesen und damit ein gutes Händchen bewiesen. Auf seiner ursprünglichen Position im defensiven Mittelfeld würde es aufgrund der höheren Intensität wohl schon seit längerem kaum mehr reichen.

Stammspieler ist er im Prinzip auch nicht mehr bzw. er sollte es schon seit längerem nicht mehr sein. Zuletzt hat er ja doch noch immer seinen Vertrag auf Bitten des Clubs um jeweils ein Jahr verlängert, um als erfahrener Backup zur Verfügung zu stehen. Dass er dann beim Spiel mit einer Dreierkette dann doch immer wieder in der Starelf zu finden ist, spricht für ihn. Aber diese Saison wird definitiv seien letzte als Spieler sein. Er hat allerdings einen Anschlussvertrag mit der Eintracht, die ihn ins Trainerteam einbinden will. Irgendwann wird es ihn aber auch verständlicherweise wieder in die Heimat ziehen.

Auch Glasner musste wie Hütter irgendwann einsehen, dass die Mannschaft mit einem Dreier-/Fünferkettensystwm besser funktioniert als mit einer Viererkette. Ob das so bleiben wird, muss man sehen. Jedenfalls ist man bei der SGE bemüht, bei der Verpflichtung von Innenverteidigern darauf zu achten, das diese auch als Zentrale Innenverteidiger ein einer Dreierkette spielen können.

Aber nicht nur auf dieser Position, ganz generell zeigt die Eintracht seit einigen Jahren, dass man sich bei der Verpflichtung von Spielern positionsbezogen schon klare Gedanken macht. Die Floprate ist jedenfalls nicht zu hoch.


Der Fanatismus in Frankfurt ist auf jeden Fall sehr ausgeprägt und vielleicht von allen Bundesligisten momentan am Größten. Hilft natürlich, dass man - im Gegensatz zu Dortmund - "gefühlt" auch nicht um die Meisterschaft spielen muss und man selbst Europa League-Teilnahmen als Bonus wahrnehmen kann. Das scheint fast alle im Verein sehr zu motivieren und vermutlich steckt da sogar die Putzfrau mit an.

Der BVB war ein zwar vor dem Ertrinken geretteter, aber ziemlich matter Riese, als Klopp seinerzeit das Traineramt übernahm. Die erste Hälfte seiner Amtszeit war dann nur das Wiedererstarken auf eine ganz andere, kollektive Art. Der ganze Club, die Fans, die Stadt und das Umfeld haben danach gelechzt. Danach trat auf hohem Niveau eine Stagnation ein, die einerseits den Potentialen und Umständen geschuldet ist, natürlich auch der Toparbeit beim Platzhirschen Bayern, andererseits aber auch des nicht immer glücklichen Mitteleinsatzes. Da ist es zwangsläufig mit der Euphorie aller Beteiligten nicht mehr so wie noch 2010.

Die SGE ist zwar auch ein Traditionsclubs des deutschen Fußballs, hat auch seine Meriten, aber hatte nie die Größe einiger anderer Clubs. In den letzten 20 Jahren standen Leistungen und Erfolge der Eintracht dazu im Gegensatz zur Bedeutung der Stadt als Metropole. Fußballbegeisterung gab es in Frankfurt und umzu immer schon. Aber es fehlten einfach Erfolge wie Ende der 50er/Anfang der 60er mit der Meisterschaft und dem Erreichen des Europapokalfinales gegen Real oder in den 70ern mit Pokalsiegen und Gewinn des UEFA-Cups, um nicht nur kurzfristig Begeisterung zu entfachen, sondern auch längerfristig aus dem Erfolg neuen Erfolg generieren uu können. Stattdessen war man eine bessere Fahrstuhlmannschaft mit vereinzelten Ausschlägen nach oben.

Seit Axel Hellmann in verantwortlicher Position ist, besteht im Club das Ziel, die SGE wieder im oberen Tabellenbereich zu etablieren und auch international wieder präsent zu sein. Dabei ist man sich der knappen finanziellen Ressourcen bewusst und weiß, dass in der heutigen Zeit und der gegebenen Wettbewerbsituation nichts von heute auf morgen geht, sondern kontinuierlich und akribisch gearbeitet werden muss. Nochversteht der Anhang dies auch und ist froh über jedes Erfolgserlebnis, denn nach all den langen Jahren ist man regelrecht ausgehungert nach attraktivem Fußball und Siegen. Und im Gegensatz zum BVB ist da noch einige Luft nach oben. Unzufriedenheit darüber, dass man an den eigenen Grenzen angekommen ist und diese nicht wird überwinden können, wird es zumindest vorerst in Frankfurt nicht geben. Aber das kann schneller kommen, als man denkt.


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