schwatzgelb.de das Fanzine rund um Borussia Dortmund
A- A+
schwatzgelb.de das Fanzine rund um Borussia Dortmund
Startseite | FAQ | schwatzgelb.de unterstützen
Login | Registrieren

Eberl muss sich gegen unberechtigte Kritik wehren, berechtigte Kritik jedoch aushalten (Fußball und Sport allgemein)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Samstag, 22.10.2022, 22:42 (vor 1192 Tagen) @ med01hgy

Schon die Reaktion der Gladbacher Bosse zum Zeitpunkt der damaligen Bekanntgabe des Rücktritts fand ich mehr als unverschämt und unterste Schublade. Auch die Reaktion des Gladbacher Fanprojekts strotzt doch nur so vor Anmaßung und zeigt, dass die Mehrheit (im Fanprojekt und auch sonst) sich in die vielschichtigen Tiefen einer mentalen Erkrankung schlicht nicht hineindenken kann. Weil, und das ist ja eigentlich gut (bei den meisten Erkrankungen viele eigene Erfahrungen einfließen oder zumindest bei körperlichen eine einfachere Vorstellbarkeit hinsichtlich Arbeitsunfähigkeit vorherrscht).


Dass ihm jetzt vorgeworfen wird, er würde, wo es ihm besser geht, einen ähnlich stressigen Job annehmen ist hochgradig arrogant, unfassbar einseitig und pauschalisierend und an Hohn nicht zu überbieten. Viell. war es mehr als nur der Jobstress, vielleicht hatte es mit dem Beruf am Ende gar nichts zu tun. So viele Fragen, so viele Möglichkeiten.


In unserer Gesellschaft wird so oft scheinheilig und phrasenmäßig von der Enttabuisierung bspw. bei Depressionen gesprochen. Und dann solche Reaktionen. Gerade das ist ja eigentlich ein entscheidender, wunder Punkt va für Betroffene (und ich glaube, dass hat man auch ihm angemerkt auf der PK). Diese Angst, dass einem nicht der nötige Respekt und das Verständnis entgegengebracht wird. Oder banal ausgedrückt: der Wunsch, dass die anderen das akzeptieren und einem glauben. Wie entsetzlich sowas ist und wie niederträchtig Menschen sind, die meinen, er hätte hier ne Show abgezogen.

Ich bin immer noch entsetzt und ganz blauäugig glaube ich einfach, dass es daran liegt, dass er jetzt für RB arbeitet.

Ich glaube, Max Eberl ist ein guter Mensch und ich wünsche ihm alles Gute und gerne auch viel Erfolg in Leipzig.

Königs und seine Kollegen waren auf besagter Pressekonferenz deshalb so unterkühlt, weil der Entscheidung eine monatelange clubinterne Diskussion vorausging. Dabei ging es u.a. darum, dass Eberl seine Lebensgefährtin zur Assistenz-Teammanagerin gemacht hat, ohne die Spieler und seine Vorgesetzten darüber zu informieren, dass es sich um seine Lebensgefährtin handelt. Als dies ruchbar wurde, fühlte die Mannschaft sich bespitzelt und brachte ihren Unmut gegenüber Eberl und der Clubführung auch zum Ausdruck. Daraufhin musste Eberls Lebensgefährtin ihren Posten räumen und verließ auch später den Club nachdem klar war, dass Eberl gehen würde.

Die Clubführung war nämlich darauf aufmerksam geworden, dass Eberl mit anderen Clubs über einen Wechsel gesprochen hatte, u.a. auch mit Leipzig. Und Leipzigs Chef Mintzlaff hatte Anfang Dezember auf einem Fankongress verkündet, dass man sich grundsätzlich mit einer „1A-Lösung“ für die Besetzung der Sportdirektorenposition einig geworden sei und dass man mit einem Dienstantritt dieser Person im Sommer rechne.

Hinzu kam, dass Eberl mit seinem Projekt Rose, das nicht unumstritten im Club war (immerhin wurde einem Hecking, der ordentliche Arbeit abgeliefert hatte, kurzfristig der Stuhl vor die Tür gesetzt, was nicht jeder befürwortet hatte), gescheitert ist. Die Mannschaft war geschockt, Leistungsträger wollten ihre Verträge nicht verlängern und den Club verlassen. Auch in der Trainerfrage agierte Eberl nicht glücklich und den geplanten Kaderumbau wegen des verpassten europäischen Wettbewerbs bekam er auch nicht hin.

Das alles zusammen führte dazu, dass das Band zwischen Clubführung und Eberl zerschnitten war. Eberl wollte gehen und er wollte zu einem anderen Club wechseln, wenn auch nicht sofort. Da sollte es nicht verwundern, dass auf besagter Pressekonferenz, bei der das Wording vorher abgesprochen war, die Clubführung wie erwähnt unterkühlt gewirkt hat.

Von einer Erkrankung Eberls inklusive eines burnout wurde auf besagter Pressekonferenz übrigens weder von der Clubführung, noch von Eberl selbst gesprochen.

Zu all dem, was ich oben geschrieben habe, habe ich auch vor einigen Monaten, als die Diskussion mit der Ankündigung der Verpflichtung Eberls durch Leipzig bekanntgegeben wurde, entsprechende Links beigefügt. Das werde ich jetzt aus Zeitgründen nicht noch einmal tun; bei Interesse kann man sich die gerne heraussuchen.

Dass Eberl sich nach all den Jahren intensiver Arbeit ‚unter Strom‘, der letzten nicht erfolgreichen Phase seiner Tätigkeit in Gladbach, privater Veränderungen und dem Entschluss, Gladbach zu verlassen (was nach all den langen Jahren einer Ehescheidung nach 25jähriger Ehe gleichkommt und nicht so leicht zu schultern ist), sich ausgebrannt und leer gefühlt heben muss und erst einmal das Bedürfnis hatte, seine Akkus wieder aufzuladen, ist mehr als verständlich. Wofür im übrigen auch spricht, dass er nicht wie von Mintzlaff eigentlich erwartet im Sommer zu Leipzig wechselte, sondern dies erst im Dezember tun wird.

Wenn Eberl explizit sagt, dass bei ihm sogar eine psychische Erkrankung diagnostiziert wurde und dass die von ihm nach seinen aktuellen Äußerungen in Anspruch genommene professionelle Hilfe Teil einer notwendigen Therapie war, dann gilt für alle, dies unbedingt zu respektieren. Das ändert aber nichts daran, dass das Tischtuch zwischen Eberl und der Clubführung aus diversen Gründen zerschnitten war und die Trennung die zwangsläufige Konsequenz war, auch weil er bezüglich seiner Lebensgefährtin Clubführung und Mannschaft gegenüber nicht mit offenen Karten gespielt hat und mit anderen Clubs über einen Wechsel verhandelt hatte, darunter auch Leipzig. Mit Kritik daran wird Eberl leben müssen.


Antworten auf diesen Eintrag:



gesamter Thread:


schwatzgelb.de unterstützen

1528722 Einträge in 16420 Threads, 14356 registrierte Benutzer Forumszeit: 26.01.2026, 12:31
RSS Einträge  RSS Threads | Kontakt | Impressum | Nutzungsbedingungen | Datenschutzerklärung | Forumsregeln