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Dazu ten Hag (BVB)

Ingo, Europa, Mittwoch, 24.08.2022, 11:20 (vor 1470 Tagen) @ Will Kane

Das sehe ich anders, wobei ich die besondere Dynamik der Schlussphase ausklammere.

Die Niederlage an sich ist für mich dabei weniger relevant. Man kann verlieren, man kann auch in dummer Art und Weise verlieren. So etwas passiert halt. Nicht schön, sollte nicht so sein, aber so ist Fußball nun einmal mitunter. Wobei es schon erschreckend war zusehen zu müssen, wie in der Schlussphase Mannschaft und Trainer der Bremer alles richtig und Mannschaft und Trainer des BVB alles falsch machen.

Was mich vielmehr sehr nachdenklich stimmt ist das gesamte Spiel vor der 89. Minute. Werder als Aufsteiger war das spielerisch überlegene Team, hatte (bei insgesamt nicht so sehr vielen Torchancen auf beiden Seiten) mehr und bessere Chancen. Das lag keineswegs an individueller fußballerischer Überlegenheit, sondern an einem klaren taktischen Plan, den die Spieler auch diszipliniert umgesetzt haben. Da man seine Chancen nicht nutzen konnte und überdies Pavlenka im Tor einen sehr schlechten Tag erwischt hatte, lag man allerdings unglücklich mit 2:0 zurück.

Spiele werden im Mittelfeld entschieden heißt es gerne, was auch meistens zutrifft, aber auch nicht immer. Werder hatte am Samstag das bessere Mittelfeldspiel als der BVB und hätte doch bei Ausklammerung der Schlussphase verloren. Dennoch lohnt sich mAn ein Blick auf diese Mittelfeldspiel Werders, das auf der Spielweise der Zweitligasaison fußt. Man kann es auch als Weiterentwicklung sehen, da der lange Ball kaum noch zu sehen ist. Und das bei einer fast schon chronischen Mittelfeldschwäche. Auffällig war für mich u.a., dass Werder im Ballbesitz immer eine Anspielstation gerade im Mittelfeld hatte. Dass wir das nicht versucht haben zu unterbinden, fand ich schon etwas merkwürdig.

Der Kicker weist auf einige wesentliche Aspekte des Werderspiels hin:

https://www.kicker.de/das-mutige-spiel-des-sv-werder-bremen-in-der-bundesliga-914311/artikel

Ohne nun auf die einzelnen Aspekte weiter einzugehen oder diese zu ergänzen, auffällig war die taktische Disziplin, mit der jeder Spieler Werders der beschriebenen Marschroute gefolgt ist bzw. diese konsequent und durchgängig eingehalten hat.

Und genau hier lag für mich der Unterschied zwischen beiden Teams. Zugegebenermaßen habe ich nicht sehr viel von einem Plan hinsichtlich des Mittelfeldspiels beim BVB erkennen können. Ich gehe aber davon aus, dass es einen gab. Nur habe ich wenig taktische Disziplin gesehen, sich an die sicherlich vorgegebenen Aufgaben zu halten.

Ole Werner ist sicherlich ein talentierter Trainer, aber sicherlich kein Zauberkünstler. Aber er hat es geschafft, dass eine Truppe, die aus besseren Zweitligakickern und eher durchschnittlichen/unterdurchschnittlichen Bundesligaspielern einen planvollen und dabei noch einigermaßen ansehnlichen Fußball spielt. Die Mannschaft folgt ihm ganz offensichtlich. Sicherlich hat er einen großen Kredit, weil die Mannschaft mit ihm als Trainer aufgestiegen ist. Und wie lange eitel Sonnenschein in Bremen herrschen wird, weiß man nicht. Spielerische Krisen, ausbleibende Ergebnisse, Verletzungsprobleme - das und einiges mehr an negativen Dingen werden früher oder später auf Werner und die Mannschaft zukommen. Und dann wird sich zeigen, ob es weiter so diszipliniert zugehen wird.

Was Werner kann, sollte Edin Terzić auch können. Einen fußballerischen Plan, die Mannschaft davon überzeugen und diszipliniertes Einhalten der taktischen Aufgaben einfordern. Fußballerische Klasse besitzt der Großteil unserer Mannschaft, und das auf oberem Bundesliganiveau oder darüber. Auch wenn ich Terzić nach wie vor als Trainer schlecht einschätzen kann, so sollte er einen klaren spielerischen Plan haben und er sollte auch in der Lage sein, das Team davon zu überzeugen. Und wenn es ihm gelingt, jedem einzelnen Spieler taktische Disziplin einzubläuen, dann wird der BVB auch wieder überzeugend spielen und seien Saisonziele erreichen (woran ich persönlich ohnehin nicht zweifele).


Ich gehe in vielem mit, in einigen Punkten aber auch nicht. Vielleicht der Reihe nach.

Ich denke, dass Terzic, wie schon in seiner ersten Amtszeit, den Fokus auf die Stabilisierung der Defensive legt. Das geht stark zu Lasten eines offensiven Spielplans. Hier fehlt der Mannschaft neben spielerischen Elementen vor allem auch die Eingespieltheit im Pressing. Vielleicht gehen uns hier sogar die individuellen Fähigkeiten ab, zumindest bei Teilen der Spieler. Auffällig war dies vor allem in den von die beschriebenen situationen im Mittelfeld - erstens hatten wir kaum oder keine Anspielstationen für den Ballführenden Spieler und zweitens gingen uns die zweiten Bälle bei Pressing verloren.
Den größten Unterschied zu Werder sah ich darin, dass deren Spieler hervorrangende Abläufe zeigten und genau wussten, worauf sie hin arbeiten (Stichwort Pressing und agressives Erlaufen der erzwungenen Ballverluste).

Unser größtes Manko war meines Erachtens nach, dass wir vor allem im Kombinationsspiel nach vorne keine Bindung fanden - unsere Flügel waren nicht auf der Höhe um Kombinationen aus der Abwehr hinaus nach vorne zu bringen. Einerseits weil Brandt auf dem Flügel zu wenig für die Position und die Taktik mitbringt, zum anderen, weil JBG augenscheinlich noch eine ganze Pulle Erfahrung fehlt, um als Hauptakteur in die Bresche zu springen (an beide Spieler hier kein Vorwurf - das ist eine Momentaufnahme vom Samstag). Und in Richtung vorderes Drittel fehlt dann auch dem Rest ein Plan, wie man Modeste einbinden kann. Eigentlich müsste man ihn mit Flanken füttern. Hierfür müssten wir aber unsere Flügel überladen und die Außenverteidiger die Linie entlang in Position schicken. Das war aber nicht mal im Ansatz zu sehen. Für flaches Kombinieren fehlt aber auch Modeste noch die gemeinsame Trainingszeit und wahrscheinlich auch das spielerische Durchsetzungsvermögen. In der Offensive haben wir also noch eine riesige Aufgabe vor uns liegen, um einen spielerischen Plan durchzusetzen.

Wann kommt also so ein Plan für unser Spiel zu tragen? Wenn man Terzic Zeit gibt, dann bin ich guter Dinge, dass er genug Zeit hat, etwas einzupflanzen. Ob er das auch schafft, das kann niemand wirklich beantworten - es fehlen die Erfahrungswerte. Hoffungsvoll macht, dass er in seiner ersten Amtszeit in der Liga schließlich die Kurve bekommen hat, wir die CL-Qualifikation eingefahren haben und den Pokalerfolg. Allerdings damals auch wesentlich getragen durch einen offensiv aufblühenden Sancho.

Ich fürchte, dass wir noch einige Monate und wahrscheinlich auch bis in die Rückrunde hinein im Nebel stochern, was die kurz- und langfristige Entwicklung unter Terzic angeht. Denn auch ihm stehen die grundsätzlichen Probleme ins Haus, an denen nun schon mehrere Trainer gescheitert sind. Zu sehen war dies am Samstag ab der 89. Minute. Uns fehlt auf dem Platz ein Spieler, der eine klare Vorstellung vom Geschehen auf dem Platz hat und dies auch in der Mannschaft durchzusetzen versteht. Scheinbar sind wir vogelwild, was in positiven Spielen zu einer toll aufspielen Mannschaft führt, aber wenn es eng und stressig wird, fällt unsere Mannschaft auseinander. Das sehen wir seit Jahren und eine Lösung über Nacht wird sich aus den alteingesessenen Spielern nicht ergeben.
Für Terzic besteht hier nur eine Chance, nämlich wenn bei unseren Neuverpflichtungen jemand dabei, der solch ein Profil, wie oben beschrieben, besitzt und in der Mannschaft durchsetzen kann und/oder sich die Mannschaftsdynamik nachhaltig verändern lässt durch Terzics Impulse. Auch hier kann man ihm und dem engen Umfeld nur die Daumen drücken, dass sie die richtigen Hebel ziehen und das Schiff in die richtige Richtung lenken werden.


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