Willkommen im BVB-Forum

[Ehemalige] Mkhitaryan: "Ich werde irgendwann wieder nach Dortmund kommen,..." (BVB)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Montag, 15.11.2021, 20:13 (vor 1804 Tagen) @ Habakuk

Das gilt sowohl für 1990 als auch für 1996 und auch noch für 2006. Da gibt es kein Tänzeln, kein Verzögern, kein Ausgucken des Torwarts. Einfach hingehen und rein damit.

Was sind die Gründe dafür, dass Elfmeter heute in vielen Fällen so anders aussehen als noch vor 15, 25 oder 30 Jahren?


Es ist vermutlich der Reiz, besondere mediale Aufmerksamkeit zu erzielen. Gleiches beobachtet man ja auch beim Torjubel. Früher sah man einem Spieler an, dass er sich einfach über sein Tor freute. Pelé rannte fröhlich über den Rasen, sprang in die Luft und riss die Arme hoch. Ähnlich auch Gerd Müller. Noch in den Neunzigern umarmtem sich die Spieler glücklich wie Kinder. Ronaldo und Lewandowski ziehen jedesmal die gleiche bescheuerte Show ab, um damit "Werbung" für die eigene Marke zu machen. Und 2021? Ein arroganter Paul Pogba tänzelt gekünstelt auf dem Platz herum, weil er sich einbildet, er habe sein Team ins EM-Achtelfinale geschossen. Hauptsache man hinterlässt der Nachwelt ein Dokument der eigenen Großartigkeit.

Beim Elfmeterschießen ist es wohl nicht anders. Der Spieler möchte nicht nur den Ball ins Tor schießen, sondern dabei noch posieren, damit alle sehen, was er für eine coole Sau ist, und er sich dafür später bei Youtube abfeiern lassen kann. Dass darunter häufig die Qualität des Elfmeters leidet, scheint für einige Nebensache zu sein.

Der "Sündenfall" dieser Art von Elfmetern liegt allerdings schon einige Jahrzehnte zurück. 1976 schoss Panenka die CSSR mit einem dreisten Lupfer gegen Sepp Maier zum Europameister.

‚L‘Équipe‘ thematisiert in einer kleinen Serie besondere Momente im Fußball, welche den Fußball bzw. spezifische Aspekte des Fußballs entscheidend verändert haben.

Ein Artikel aus dieser Reihe handelt von genau diesem von Panenka ‚schlitzohrig‘ verwandelten Strafstoß. Und genau so wie Du es sagst wird dieser Strafstoß als der entscheidende Wendepunkt oder Auslöser in der Ausführung von Strafstößen benannt. In wichtigen Spielen hat es so etwas vorher noch nicht gegeben.

Es hat dann zwar noch sehr lange gedauert, bis sich solche ‚Trickstrafstöße‘ etablieren konnten, aber dieser von Panenka verwandelte Elfmeter war hier tatsächlich die Keimzelle.

Verbunden ist dieses Elfmeterschießen natürlich auch mit dem Fehlschuss von Uli Hoeneß, der den Ball gefühlt 200 Meter über das Tor jagte.

Wobei der Fehlschuss vor dem Strafstoß von Panenka war. Hätte Panenka verschossen, wäre alles wieder offen gewesen. Letzter Schütze der deutschen Elf wäre übrigens der Kaiser gewesen.

Interessanterweise hat Chris Waddle in besagtem Elfmeterschießen im Halbfinale der WM 90 zwischen Deutschland und England seinen Elfmeter ebenfalls in den Nachthimmel gejagt. Und dieser Fehlschuss war gleichzeitig die Entscheidung. Da gab es keine Chance mehr, dass ein deutscher Spieler vielleicht noch verschießen könnte. Und dennoch wurde dieser Fehlschuss Waddles in England nie auch nur ansatzweise so thematisiert wie jener von Hoeneß verschossene Elfmeter in Belgrad.


Antworten auf diesen Eintrag:



gesamter Thread: